Mein Blog. Text Nummer 328.

Mein Blog.
Ich liebe ihn. Wirklich.
Vor fast drei Jahren hat ein Freund mir seinen Blog gezeigt und mich ermuntert, das auch mal zu versuchen.
Und genau das habe ich getan.

Durch meine Berufserfahrung im Grafischen Gewerbe, liegt mir das Schreiben irgendwie. Vielleicht ist es aber auch genau andersrum und weil mir das Schreiben liegt, habe ich damals eine Ausbildung im Grafischen Gewerbe gemacht. Wer weiss schon so genau, warum all die Dinge geschehen, die geschehen. Jedenfalls mag ich das alles auch heute noch… das Gestalten mit Buchstaben, Worten und ganzen Texten, aber auch das Fotografieren und dann das Platzieren von Bildern in den Texten. Ich liebe Schriften.
Ich habe das nach all den Jahren in einem andern Beruf noch immer im Blut. Ich hasse es, wenn ich im veröffentlichten Text ein Schreibfehler oder noch schlimmer, ein grammatikalischer Fehler entdecke. HORROR!!!!! Das wurde mir ja schliesslich jahrelang eingetrichtert. Stell dir vor, in der Zeitung, in einem Buch oder auf einer anderen Drucksache ist ein Fehler. Das ist eine Katastrophe.
Ich mag es ja, wenn ich ein Buch lese und dort einen Rechtschreibfehler finde. Ha! Sogar meine 9jährige Tochter achtet bereits auf sowas und sie findet in ihren „Die drei !!!“-Bücher tatsächlich immer wieder mal welche.
(Ich hatte übrigens tatsächlich mal einen Arbeitskollegen, der damals Telefonbücher und den Duden durchgelesen hat, um dort Rechtschreibfehler zu finden… Sooooo schlimm bin ich dann aber doch nicht.)
Ich habe in zwei Grafischen Betrieben gearbeitet und diese Zeit hat mich schon geprägt. Zum einen habe ich dort Menschen kennengelernt, mit denen ich noch heute befreundet bin. Zum andern wie oben beschrieben, die Genauigkeit beim Schreiben und das Auge für Proportionen und Gestaltung ist geblieben.
Aber Schluss nun damit. Kommen wir zurück zum Blog…

Blogs fand ich ja immer eher peinlich, muss ich gestehen. Wer soll denn bitte lesen, was man da so schreibt? Und da kommen wir ja auch schon zum nächsten Problem: Was zur Hölle würde ich denn da überhaupt schreiben? Es gibt ja zum Beispiel unzählige Food Blogs. Das ist nichts für mich. Spiegeleier kochen könnt ihr ja schon. Da kann ich euch nichts mehr beibringen… 🙂
Und es gibt auch genügend andere Blogs. Mich hat das eigentlich auch gar nie so richtig interessiert, die überhaupt zu lesen, um ehrlich zu sein. Das hat sich nun verändert.

Aber also… Ich bin dann mal auf diese WordPress-Seite gegangen, habe mich registriert und einfach mal angefangen zu schreiben. Ich glaube, meine ersten Texte haben etwa drei Leute gelesen. Inklusive mir.
Dann habe ich mir überlegt, ob ich meinem privaten Umfeld überhaupt davon erzählen soll oder vielleicht doch lieber nicht? Das würde meine Bewegungsfreiheit sehr einschränken, denn dann muss ich mit der Themenwahl vorsichtiger sein. Zum Beispiel über irgendeine Nachbbarschaftssituation, irgendwas aus dem Freundeskreis oder bei der Arbeit erzählen, geht dann natürlich nicht. Naja… geht schon. Wenn man Ärger will.
Zum andern ist da natürlich noch die Gefahr, sich mit der Einbildung, jemand möchte etwas von mir lesen, total lächerlich zu machen.
Also gut, alles hat eigentlich dagegen gesprochen, mein Blog in meinem Umfeld zu teilen. Ich habe es trotzdem getan. Zum einen ist das Internet längst nicht so anonym wie man denkt , irgendjemand würde es also bestimmt herausfinden. Und zum andern will ich dazu stehen, was ich schreibe. Ich habe damit gute Erfahrungen gemacht. Es kam zwischendurch vor, dass ich mich für irgendwas was ich geschrieben habe, rechtfertigen „musste“ oder anhand von Kommentaren gemerkt habe, dass ich komplett falsch verstanden wurde. Meistens eigentlich aber von fremden Menschen.
Ich glaube, das ist normal, denn Missverständnisse gehören zur Kommunikation wie Blattläuse auf Rosen. Wir hätten sie lieber nicht und doch sind sie da.

Manchmal rege ich mich auf darüber und komme in Versuchung, mich zu rechtfertigen oder zu erklären und manchmal mache ich das auch. Aber grundsätzlich finde ich, dass solche Texte auch Momentaufnahmen sind. Sie sind nicht das Non Plus Ultra. Nur meine momentante Sicht auf gewisse Dinge, manchmal nicht mal 100% ernst gemeint.
Jeder andere darf das alles ganz anders sehen, das ist okay. Das darf man mir auch mitteilen, muss man aber nicht. Man darf Texte auch einfach mal so stehen lassen, wie sie sind. Konstruktive Kommentare gefallen mir jedoch durchaus.
In solchen Momenten denke ich manchmal, dass das Personen wie z.B. Peter Schneider bestimmt nie passiert, dass Leute ihn auffordern, seine Kolumne oder Texte zu erklären. Warum tun sie es dann bei mir???!!! Und dann komme ich wieder auf den Boden der Tatsachen zurück, muss über mich selbst und diesen Vergleich lachen. Man vergleicht ja auch nicht einen Kieselstein mit dem Matterhorn, nä?

Ich habe also damit begonnen, meinen Blog auf allen möglichen Kanälen zu publizieren. Immer wieder, wenn ich einen Text geschrieben habe.

Unterdessen folgen mir 189 Menschen, viele auf WordPress und 23 haben mich per Email abonnniert. Das bedeutet, sie erhalten eine Email-Benachrichtigung, wenn ich einen Text veröffentliche. Ich glaube, viele lesen, ohne irgendwas abonniert zu haben oder registriert zu sein.
Ich weiss, 189 sind wohl nicht besonders viele, wenn man diese Zahl mit den grossen Blogs vergleicht. Und trotzdem sind das etwa mindestens 188 mehr als ich jemals erwartet hätte. Jeder meiner Texte wird etwa zwischen 80 und 200 Mal aufgerufen. Wenn ich es richtig im Kopf habe, ist „Valerie“ einer meiner meistgelesensten Texte. Auch all die Texte übers Alleinerziehend-Sein hatten jedesmal über 200 Aufrufe, also überdurchschnittlich viele (für meine Verhältnisse).
Ich habe seit September 2017 sage und schreibe 327 Texte geschrieben. Und das, obwohl ich beim ersten nicht mal sicher war, ob ihm noch ein zweiter folgen würde.

Ich schreibe hier ja immer über Themen, die mich interessieren. Logischerweise. Wer würde denn in seinem Blog über Dinge schreiben, die ihn nicht interessieren? Gewisse Dinge habe ich erlebt, von andern habe ich nur gehört und noch andere finde ich einfach spannend, die betreffen mich nicht oder so gut wie gar nicht, z.B. Alltagsthemen die momentan aktuell sind. Ihr müsst nicht immer davon ausgehen, dass mich alles betrifft.
Weil ich auch über persönliche Erfahrungen schreibe, wird mein Blog manchmal mit einem Tagebuch verwechselt und da möchte ich euch sagen, das ist es nicht. Ich würde hier nie öffentlich über Dinge schreiben, die mich aktuell belasten oder beschäftigen. Das wäre mir einfach zu persönlich. Was weiss ich denn, wer alles mitliest? Das wäre ja, als würde ich mit verbundenen Augen auf dem Dorfplatz stehen und dort jedem erzählen, was bei mir gerade so los ist. Ich überlege mir also sehr gut, was ich hier teile und wie ich das mache.

Dinge, die ich erlebt habe, haben andere auch erlebt. Und Dinge, die andere erlebt haben, habe auch ich erlebt. Nicht immer ganz genau dasselbe, aber ähnlich. Mich persönlich interessieren solche sogenannten Erfahrungsberichte. Und ich glaube, andere interessiert das auch, zu lesen, wie andere eine ähnliche Situation erlebt haben. Jedenfalls stossen solche Texte jeweils auf grosses Interesse.
Ich finde, man darf über sowas auch sprechen oder schreiben. Mal zurückschauen setze ich nicht mit Schmerz und Leiden oder was auch immer gleich, sondern einfach mit Erinnerung. Und schlussendlich schöne Erinnerungen, auch wenn die Ereignisse manchmal schlimm waren. Ich habe alles, was in meiner Vergangenheit liegt, verarbeitet und meinen Frieden damit geschlossen. Aus diesem Grund ist es mir auch möglich, darüber zu schreiben oder zu reden. Das wirft mich nicht (mehr) um. Längst nicht mehr.

Ich finde, es gibt so viele Dinge, über die wir nicht wirklich sprechen. Auch ich habe solche. Aus gutem Grund bzw. vermutlich ist dieser Grund wohl fast immer Schutz. Aber eigentlich fnde ich, das sollte nicht so sein.
Unser Leben besteht aus vielen unterschiedlichen Dingen. Ganz viele Schöne, aber auch ganz viele Schwierige. Es geschehen Katastrophen und Dramen und ganz viele davon im Geheimen, weil man darüber nicht spricht. Ich denke. das manchmal, wenn ich von einem Suizid höre oder von einem Amok-Lauf und frage mich, wie oft sowas relativ einfach hätte verhindert werden können, wenn diese Person mit jemandem über seine Sorgen geredet hätte bzw. reden hätte können.
Wie oft hilft es, einfach jemandem erzählen zu können. Das ist in den meisten Fällen sogar nicht an Erwartungen gekoppelt. Es ist einfach nur Erzählen. Teilen. Und die Hilfe besteht darin, zuzuhören und vielleicht zu verstehen oder zumindest nachzuvollziehen und dies auch auszudrücken. Meistens wird nichts anderes erwartet. Nichts was uns überfordern würde. Wir müssen kein Problem für jemanden lösen. Wir müssen niemanden retten. Vielleicht wissen wir aber, an wen er sich wenden könnte, an eine Beratungsstelle zum Beispiel.
Ich habe das Gefühl, es braucht oft nicht mehr als nur das. Und das kann jeder.

Das ist irgendwie schon etwas, was ich mir wünsche für unsere Welt, für unsere Gesellschaft. Dass wir Schwierigkeiten nicht mehr als Schwäche ansehen und mehr darüber sprechen. Alle. Und wenn X das tut, dann tut es R vielleicht auch und dann A und E ebenfalls. Und wenn das dann eine gute Erfahrung ist, tun sie es wieder und andere auch. Dies würde dann natürlich auch voraussetzen, dass Menschen aufhören, sich über andere das Maul zu zerreissen , wenn mal was ist und einfach positiver eingestellt sind. Wohlwollender. Egal, ob irgendwelche Schwierigkeiten selbstverschuldet sind oder nicht.

Einfach, dass es uns auch mal nicht gut gehen darf.
Dass man finanzielle Sorgen haben darf, ohne dass man als Assi abgestempelt wird.
Dass man mit den Kindern am Anschlag sein darf, ohne eine Rabenmutter zu sein.
Dass man krank ist, ohne dass man als „Jammeri“ bezeichnet wird.
Dass man länger trauert nach einem Todesfall, als dass es von uns erwartet wird.
Dass man irgendwo nicht weiter weiss.
Dass man sich einsam fühlt, ohne sich wie ein Loser zu fühlen zu müssen.
Situationen, die es tagtäglich gibt…

Ein bisschen mehr Offenheit würde vielleicht helfen, dass Menschen sich nicht oder weniger isoliert fühlen würden. Und das hat nichts mit einem guten Umfeld zu tun. Man kann noch so ein tolles Umfeld haben, man erzählt manchmal genau denen nichts von seinen Sorgen, um keine Freundschaften oder Beziehungen zu gefährden oder um nicht Erwartungen im andern zu wecken, die man gar nicht hat.

So. Text Nummer 328 ist lang geworden…. Und hoffentlich nicht zuuuuu langweilig…

Wie immer: Danke fürs Lesen und einen schönen Abend.