Der Tod.

Der Tod….  Ich habe ihn gesehen und viele von euch wohl auch. Irgendwann im Leben ist es soweit, wir treffen ihn. Nein, nicht wenn er zu uns kommt, nein. Sondern wenn er sich jemanden holt, den wir lieben. Er ist unberechenbar, unnachgiebig und hart. Er lässt nicht mit sich reden, lässt sich nicht von unserem Flehen und unseren Tränen erweichen. Er bekommt, was er will. Er tritt gern als der grosse Erlöser auf, lässt schwer Kranke sterben und nimmt ihnen damit das Leiden. Wir möchten ihn so sehen, um uns zu trösten. Wir möchte im Frieden sein mit ihm, das ist uns wichtig, so ist es einfacher.

Der Tod… Er ist immer noch ein Tabu, irgendwie. Es gibt tausend Dinge, über die wir lieber sprechen, über die wir lieber nachdenken. Ich kann das jetzt. Aber damals als ich es hätte können sollen, konnte ich es nicht. Ich habe ihn verdrängt, gehofft und weggeschaut, bis er dann hier war. Sehr überraschend und schmerzhaft. Das ist er ja immer.

Seit jeher wurde der Tod von uns Menschen nicht gerne beim Namen genannt. Er wurde und wird gerne umschrieben… ewiger Schlaf, erlöschen des Lebenslichts, von uns gegangen, uns voraus gegangen, Abschied, Hinschied, Entschlafen, Gott hat ihn zu sich gerufen usw… Und auch so ein wenig abgeschwächt. Ein Versuch, es erträglicher zu machen?

Es gibt viel Poesie und Lyrik zum Thema Tod, wo er zum Teil wunderschön umschrieben wird:

 

Ein Mensch ist in seinem Leben wie Gras,
er blüht wie eine Blume auf dem Felde;
wenn der Wind darübergeht,
so ist sie nimmer da,
und ihre Stätte kennt sie nicht mehr.
Ps 103, 15-16

 

Ich löschte das Licht, um den Schnee zu sehen.
Und sah den Schnee durch das Fenster und sah den Mond.
Doch dann sah ich, daß Schnee und Mond nur wieder Fenster sind,
und durch dieses Fenster sahst Du mich an.
Ernesto Cardenal

 

Es ist mitunter,
als wären alle Fäden abgeschnitten ..
als wäre alles um dich her
weitab und leer,
ein toter Raum,
und du dir selbst ein fremder Traum ..
…als käme nie die Sonne wieder,
als klänge nie ein Lied mehr durch,
als höre alles langsam auf ..
und plötzlich flimmert’s durch die Wolken
und plötzlich trifft ein Klang ans Ohr
und leise fliegt auf goldenem Flügel
ein Schmetterling am Weg empor!
Cäsar Flaischlen

 

Ich glaube, dass, wenn der Tod unsere Augen schließt, wir in einem Lichte stehen, von dem unser Sonnenlicht nur der Schatten ist.
Arthur Schopenhauer

 

Es gibt ein Land der Lebenden
und ein Land der Toten
und die Brücke ist die Liebe…
Das einzige Überleben.
Der einzige Sinn.
Thornton Wilder
(Ich habe dieses Gedicht damals gewählt für die Trauerkarte meiner Mutter… Erinnerungen)

 

Denn was heißt Sterben anderes, als nackt im Wind zu stehen und in der Sonne zu schmelzen! Und was heißt nicht mehr zu atmen anderes, als den Atem von seinen rastlosen Gezeiten zu befreien, damit er emporsteigt und sich entfaltet und ungehindert Gott suchen kann?
Khalil Gibran

 

Es gibt unzählige und ich finde sie durchaus sehr schön.

Aber ich sehe nichts poetisches am Tod.
Er umarmt nicht, er nimmt.
Er legt sich nicht sanft aufs Leben wie ein transparenter, grauer Schleier. Er kommt schwarz und schwer und legt sich auf alles.
Er macht alles kaputt, unter ihm kann niemand mehr atmen. Nicht mal mehr die, die noch leben.
Er nimmt einen und lässt alle andern weinend zurück.

Aber so ist er halt.
Wenn wir leben wollen, müssen wir ihn akzeptieren.

 

 

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