Hinein. Fühlen.

Ich kann mich meistens gut in andere hineinfühlen. Nicht, weil ich alles schon erlebt hätte in meinem Leben, nein. Aber ein paar Dinge habe ich erlebt. Ich glaube schon, dass das hilft. Es ist aber bestimmt kein Muss.

Ich glaube, ich muss nicht alles genau so schon erlebt haben, um es nachvollziehen zu können. Und es gibt bestimmt so manches, das ich nicht so richtig verstehe oder anders machen würde. Und dennoch kann ich es akzeptieren, dass dieser andere Mensch in komplett anderen Schuhen einen anderen Weg als ich geht. Gehen will. Oder gehen muss. Ich glaube, gerade in Krisen stehen unserer Sichtweite nicht viele Möglichkeiten zur Verfügung. Wir sind zu nahe dran, zu traurig, schwach oder was auch immer. Und das darf sein. Es ist menschlich. Und das ist, was wir sind. Menschen.

Ich habe nie so richtig verstanden, warum sich zB depressive Menschen so oft nicht verstanden fühlen. Ich habe keine Depressionen. Ich habe nie am eigenen Leib erfahren, wie sich sowas anfühlt. Aber ich glaube, es theoretisch einigermassen zu wissen. Ich glaube, zu wissen. Genau. Vielleicht ist es anders, als ich denke. Ich weiss das nicht. Und dennoch glaube ich, mich einfühlen zu können. Oder / und zumindest zu respektieren.

Wie Depressive oder andere Menschen mit psychischen Erkrankungen sich oft genug – oder zu oft – in der Situation wieder finden, in der sie sich rechtfertigen müssen oder erklären müssen. Ich hätte es nicht für möglich gehalten, dass das wirklich so ist. Aber genau das erlebe ich im Moment auch. Eine Trennung. Die tut weh. Alles fällt in sich zusammen, das ganze Leben. Dieser Liebeskummer-Trennungsschmerz, die Existenzängste, gerade mit Kind. Dass man da einfach für eine Weile nicht 100% funktionsfähig ist. Und trotzdem alles weiterläuft. Dass man funktioniert und alles trotzdem macht. Und zwar sogar ziemlich gut.

Schräg, wie viele das nicht nachvollziehen können. Wirklich schräg. Wie oft ich mich dafür schäme, dass ich mich nicht gut fühle im Moment. Dafür, dass ich viel weine und instabiler als sonst bin. Das ist eine interessante Erfahrung. Nicht nur schön. Und energieraubend. Energie, die man kaum hat in dieser Phase. Ja nun…. es ist, wie es ist.

Um fair zu sein muss ich aber auch sagen, dass es viele gibt, die Hilfe anbieten, die unterstützen und verstehen. Da gibts so viele schöne Momente. Die kleinen grossen Rettungsringe.

Ich denke dann immer mal wieder an meine längst verstorbenen Eltern und bin ihnen sooooo dankbar, dass sie mir so gute Wertvorstellungen und Haltungen gegenüber anderen Menschen mitgegeben haben. Und dann bin ich so froh, dass ich so bin wie ich bin und nicht anders.