Das mit dem Sterben…

Irgendwie beschäftigt es mich immer wieder, das mit dem Sterben… Immer und immer wieder begegnet er uns, der Tod. Mal näher, mal weiter weg…

Manchmal kommt er ganz plötzlich, wie ein Blitzschlag und alles ist aus. Für diese eine Person. Und irgendwie auch ein bisschen für die, die ihn liebten. Nein, lieben. Immer noch. Und noch für eine lange Zeit, vielleicht für immer.
Und manchmal lässt der Tod sich unglaublich viel Zeit. Sitzt jemandem im Nacken, kalt und schaurig, lässt ihn und seine Liebsten kämpfen und hoffen. Vielleicht gibt er irgendwann auf und geht weg, dann geht das Leben weiter. Aber ich glaube, man vergisst es nie so ganz, dieses Erlebnis, dieses Fast-Aufeinandertreffen mit dem Tod. Vielleicht nimmt er ihn aber auch mit, oft genug gegen seinen Willen. All diese Hoffnung stirbt mit diesem Menschen dahin…
Manchmal ist der Tod ein Erlöser, ohne Zweifel. Aber er ist immer – IMMER – ein Dieb. Einer, der jemandem von uns das Liebste nimmt. Und jemandem sein Leben.

Und wir bleiben zurück. Wie in einem Schüttelbecher, alles durcheinander, als sei auch ein Teil von uns mitgestorben oder zumindest sind wir taub und gelähmt. Es ist zu still und zu laut, alles zusammen.

Ich verstehe den Tod nicht. Ich verstehe, dass es nicht für immer weiter gehen kann. Ich verstehe, dass man in einem gewissen Alter sein Leben zu Ende gelebt hat. Ich verstehe, dass so ein Körper und schlussendlich auch die Psyche vergänglich ist, dass es Verletzungen oder Krankheiten gibt, die ihn sozusagen kaputt machen.
Aber ich verstehe nicht, dass Menschen zu früh sterben müssen. Junge Menschen und halt vor allem auch Kinder. Es ist ein Thema, worüber ich nicht nachdenken mag und doch passiert es. Für mich ist es das schlimmste Thema überhaupt. In meinem Entwürfe-Ordner ist seit ganz am Anfang ein Text mit dem Titel „Wenn Kinder sterben“ bzw es ist noch kein Text, es ist nur ein Titel. Ich möchte darüber schreiben, weil es mich wirklich sehr bewegt, aber ich kann nicht. Es schnürt mir die Luft ab, weil es so unvorstellbar schlimm ist. Und meiner Meinung nach auch so unvorstellbar falsch.

Ich verstehe auch den Akt des Sterbens nicht. Wie jemand plötzlich leblos da liegen kann. Jemand, der noch gestern geatmet, gesprochen und vielleicht sein normales Leben geführt hat. Wie er aussehen kann wie immer, er aber tot ist.
Ich konnte das beim Tod meines Vaters überhaupt nicht nachvollziehen, ich erinnere mich gut. Noch vor zwei Tagen hatte ich ihn lebend gesehen. Sehr krank. Aber doch voller Hoffnung auf eine Besserung – er und ich. Und dann lag er nun da, aufgebahrt. Sah aus wie immer irgendwie. Komische Hautfarbe, wie Wachs. Und man sah ihm an, dass kein Leben mehr in ihm war. Und doch irgendwie unverändert. Ich weiss nicht, was es damals war. Der Schock vielleicht. Ich konnte nicht in diesen Aufbahrungsraum gehen, ohne innerlich in Panik auszubrechen. Es war als ob ich der Realität ein paar Schritte hinterher hinken und einfach nicht verstehen würde, was da gerade passiert…

Und doch passiert es. Und irgendwann bin ich es.

3 Comments

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  1. Der Tod gehört zum Leben. Für jedes Lebewesen. Wir haben, oft durch die Erziehung, den Tod als etwas Schlimmes angesehen und deshalb nie gelernt, ihn als was Normales zu begreifen. Tod ist was Schlimmes, und über Schlimmes redet man nicht.

    Der Tod macht vor keinem Halt, auch nicht vor Kindern, die ja ihr ganzes Leben noch vor sich haben. Für uns ist der Tod nicht täglich da, anders in vielen Ländern der Erde, wo er tagtäglich, durch Krieg oder Unterversorgung, präsent ist. Es kommt auch darauf an, wo man geboren ist. Insofern leben wir hier privilegiert. Ich habe den Tod hautnah erlebt ( u. a. Frau und Mutter innerhalb von drei Monaten ). Ich habe die Angst davor verloren, weil ich mich danach auch mehr mit dem Leben beschäftigt habe. Der Tod macht mir keine Angst mehr, weil ich ihn als Bestandteil meines Lebens akzeptieren muss. Und erst seitdem hat der Tod, für mich, seinen Schrecken verloren.

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