Zuhören. Aber mit dem Herzen.

Jeder Mensch lebt ein Leben voller erzählenswerter Geschichten. Es sind Ereignisse und Erlebnisse, die ein Leben zu einem Leben machen. Und es sind Begegnungen, Beziehungen und Gefühle, die unser Dasein zum Leben erwecken, die es einzigartig machen. Es und uns bewegen.

Unsere Erfahrungen – die schönen sowie die schwierigen – formen unser Wesen, unsere Persönlichkeit. Aufgrund von Erlebnissen mit anderen Menschen werden wir zum Beispiel offen oder verschlossen, vertrauensvoll oder misstrauisch, positiv oder eher kritisch. Unsere Erfahrungen entscheiden, wie wir aufeinander zugehen, wie wir aufeinander reagieren, wie einfühlsam und verständnisvoll wir sind oder eben nicht.

Wir erzählen einander von uns, hören einander zu. Wir verstehen manchmal mehr, manchmal weniger und manchmal gar nichts. Manchmal meinen wir auch nur, zu verstehen. Wir fühlen mit, leiden mit, freuen uns. Manches wird aber nie erzählt, vielleicht sind das sogar die wirklich wichtigen Dinge. Die  Dinge, die uns nachts nicht gut schlafen lassen. Die Dinge, die aus den hintersten Winkeln unseres Gedächtnisses krabbeln und uns plagen, wenn wir uns abends im Bett einkuscheln und die Augen schliessen.
Und so vieles wird erzählt, interessiert aber kaum jemanden. Die Medien sind voll davon.
Manches muss nicht unbedingt erzählt werden und manches soll nicht.
Wir – oder viele von uns – gieren nach Informationen, die möglichst persönlich, möglichst sensationell, möglichst schockierend sind. Leute entblössen nicht nur ihre Körper, sondern auch ihre Seelen. Oder werden entblösst.

Ich frage mich, warum wir den einen gerne zuhören und den andern nicht, obwohl jeder Interessantes zu erzählen hätte. Obwohl wir ähnliche Dinge erleben.
Zum einen ist es, denke ich, was jemand erzählt. Nicht jedes Thema interessiert jeden. Zum andern macht die Fähigkeit der Erzählerin, ihre Erlebnisse gekonnt in Worte zu fassen, ihnen Gefühle zu verleihen, viel aus. Eine gute Erzählerin kann aus alltäglichen Ereignissen mit geschickt gewählten Worten etwas Besonderes machen. Etwas, was ihr Gegenüber aufmerksam werden lässt, ihn bewegt und fesselt, so dass er mehr hören will.

Ich glaube, etwas vom wichtigsten ist jedoch die Beziehung, die wir entweder zur erzählenden Person oder aber zum Thema haben. Ein Thema, das uns betrifft, eine Situation, die wir ähnlich erlebt  haben und die uns durchgeschüttelt oder uns besonders gefallen hat, interessiert uns mehr. Erinnerungen und die Gefühle „von damals“ kommen in uns hoch, wir fühlen uns mit der erzählenden Person verbunden, wir verstehen was sie gerade durchmacht oder erlebt. Es berührt uns. wir fühlen mit.
Und wo wir bei Gefühlen sind… Wir hören jemandem, der uns sympathisch ist oder jemandem, den wir besonders lieb haben, gerne zu. Sogar dann, wenn das Thema uns weniger interessiert, denn die Person interessiert uns.

Und so spielen wieder unsere Gefühle mit. Wie immer.
Denn wir hören vor allem mit unseren Herzen zu.

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