Was im Verborgenen schlummert

Wir lassen so manches hinter uns
und nehmen es doch mit.
Mit in den neuen Tag, ins neue Jahr. Mit in unsere Zukunft.

Von so manchem wissen wir,
dass es Vergangenheit ist und doch auch ein Teil
unserer Gegenwart. Ein Teil unseres Lebens.
Von uns.
Weil es uns geprägt hat.
Weil es uns Angst macht.
Weil es uns beschäftigt.
Weil es einfach ein Teil von uns ist.
Wir können es akzeptieren oder  verdrängen,
aber loswerden können wir es nicht.
Nicht so richtig.

Von so manchem wissen wir nicht,
dass es noch da ist.
Wir denken, es längst hinter uns gelassen zu haben,
vergessen im hintersten Winkel unseres Gehirns.
In der dunkelsten Ecke unseres Herzens.
Dort, wo wir niemals nachschauen.
Niemals.
Jedenfalls nicht freiwillig.

Aber es ist da.
Und wenn wir denken,
dass es versteckt und verborgen bleiben wird,
für immer und ewig,
dann haben wir uns geirrt.
Wir wissen es ja. Wir wissen es längst.
Denn wenn es still wird, wenn wir alleine sind,
dann holen unsere Gedanken
diese Erinnerungen und Gefühle hervor.
Und grübeln an ihnen herum,
bis Narben wieder zu Wunden werden.
Und bis Wunden wieder bluten.

Aber wir sind Meister im Verdrängen.
Meistens versorgen wir diese dunklen Schätze wieder
irgendwo noch weiter hinten.
Dort, wo bestimmt niemand mehr nachschaut.

Und dann kommt die Nacht.
Wir liegen schlafend da, unserem Unterbewusstsein ausgeliefert.
Und die Träume tun das, was Träume tun.
Sie suchen tief in unseren Gedanken nach Material,
aus dem sie irgendwelche Geschichten spinnen können.
Träume kratzen nicht an der Oberfläche, nein.
Träume graben tief. Und tiefer.
Sie gehen dorthin, wo wir nie gehen.
Finden das, was wir verstecken wollten.
Und wir träumen.
Bis längst vergessene Gefühle wieder hoch kommen.
Schmerzen. Und Tränen.

Bis wir aufwachen
und versuchen,
das alles wieder unter irgendwelchem Gerümpel zu verstecken.