Rauch…

Ich sage ja nie etwas und es geht mich auch wirklich nichts an. Aber ich hasse das Rauchen. Nicht die Raucher. Nur das Rauchen. Mir ist es egal, wenn andere es tun, aber ICH würde NIE.

Ich bin in einem Raucher-Haushalt aufgewachsen. Meine Eltern haben sehr viel geraucht und irgendwann mein Bruder dann auch noch. Immer drinnen. Ich fand es ekelhaft. Immer, wenn ich nach Hause kam, ging ich sofort in mein Zimmer, um mich umzuziehen. Ich trug zuhause und auswärts nicht dieselben Klamotten, wegem Geruch. Und doch war es unumgänglich, dass ich nach Rauch roch. Ich habe das sooooooo gehasst.

Und dann erkrankte meine Mutter an Lungenkrebs… Niemand sagte, es wäre wegen des Rauchens. Lungenkrebs kann man auch ohne Rauchen bekommen, Rauchen begünstigt es aber. Jaja… blablabla.. Wenn ich mich richtig erinnere, hat sie eine Zeit lang darauf verzichtet, dank Chemo konnte der Tumor in der Lunge vernichtet werden. Glück gehabt, Gott sei Dank. Meine Mutter erholte sich, die Haare wuchsen wieder, das Leben ging weiter. Und meine Mutter fing tatsächlich wieder an zu rauchen. Ich habe es nie verstanden, ich tu es auch heute nicht. Und ehrlich, es macht mich wütend!!! Traurig auch. Meine Mutter war etwa ein Jahr krebsfrei. Als er zurück kam, war er gleich überall und nach drei Wochen war alles vorbei… Sie hat wahnsinnig gelitten. Ich auch.

Und mein Vater…. die genau gleiche Story irgendwie. Speiseröhrenkrebs. Nichts ging mehr, essen nicht, trinken nicht, rauchen tat wohl sehr weh. Aber es ging. Bis zum Ende. Ich habe verschiedene Phasen durchlebt in dieser Zeit. Von totalem Unverständnis zu Mitleid und dem Gedanken, dass das vielleicht noch das einzige ist, das ihm „gut tut“, ein bisschen Genuss. Vermutlich war das so. Ich habe nie etwas gesagt. Ich habe es ihm gegönnt, dass er wenigstens noch das hatte. Und ich war einfach da, versuchte tapfer zu sein und stark. Viel tapferer als ich war aber er. Sooooo grosse Schmerzen, diese Behandlungen, diese Tortur… er hat nie gejammert. Nie gesagt, es ginge ihm nicht gut. Wie es ihm wohl ging, wenn er alleine war? So wie es mir ging, wenn ich nicht mehr tapfer und stark war, wenn ich alleine war?

Ich verstehe vieles nicht. Auch nicht, dass mein Bruder wieder angefangen hat zu rauchen, nachdem er nach seinem Unfall vom Koma aufgewacht war und wieder eine Zigarette in der Hand halten konnte. Sowas musste er wochen-, monatelang in der Ergotherapie üben. Damals lebten unsere Eltern noch. Und ich verstehe nicht, dass er noch immer raucht, nachdem genau das uns so viel Trauer und Schmerz beschert hat. Die Sucht ist wohl stärker.

Vielleicht klingt das alles sehr vorwurfsvoll. Oder verbittert. Mitleidsheischend? Es ist nicht so gemeint. Ich habe heute etwas gelesen, das bei mir diese Gedanken hoch gebracht hat und nun schreibe ich sie auf. Ohne Ziel. Vermutlich ist das alles ein Stück Verarbeitung. Morgen ist der Todestag meines Vaters, danach werden dann die Gedanken wieder freundlicher. Und meine Texte vermutlich auch. Danke für eure Geduld.