Ein Licht brennt…

Als ich ein Kind war, brannte bei uns zuhause oft eine Kerze. Das waren immer diese gesegneten Kerzen, die man in der Kirche für ein paar Franken kaufen kann. Meine Mutter zündete eine an, wenn ihrer Ansicht nach jemand „Unterstützung von oben“ benötigte. Zum Beispiel bei Prüfungen, in schwierigen Situationen, Krisen, Entscheidungen, bei Krankheiten und nach Unfällen. Die Kerze stand immer auf einem kleinen Untertellerchen in der Küche und wenn niemand zuhause war, in der Spüle. Damit nichts passieren kann. 

Wie oft diese Kerze wohl für mich gebrannt hat? Auf dem Weg vom Kind zum Erwachsenen gibts ziemlich viele Situationen, in denen ein bisschen Glück nicht schaden kann…

Irgendwie ist das so etwas, was ich von damals übernommen habe. Wenn jemand, den ich lieb habe, irgendetwas Schwieriges erlebt, brennt bei mir eine Kerze. Sie steht auf dem Balkon und meistens ist es keine aus der Kirche, sondern ein Teelicht. Ich bin auch zu wenig religiös, dass ich damit auf Gottes Hilfe hoffen würde. Aber ich glaube an die Kraft der Gedanken, meiner Gedanken. 

Situationen werden nicht einfacher, wenn jemand an uns denkt. Diagnosen werden durch Gedanken auch nicht beeinflusst. Aber vielleicht macht es uns ruhiger, zuversichtlicher, wenn wir wissen, dass irgendwo eine Kerze für uns brennt. Dass uns jemand den Daumen drückt. Denn das bedeutet auch, dass wir jemandem nicht egal sind, dass sich jemand Gedanken und auch Sorgen macht. 

Vielleicht mache ich das auch ein bisschen deswegen, weil es mich unruhig macht, jemand mir Nahestehendes nervös, ängstlich oder krank zu wissen. Und diese kleine Kerze gibt mir das Gefühl, etwas tun zu können, zu unterstützen. Wenigstens ein bisschen.