Von der Ruhelosigkeit…

Die Welt ist hektisch, laut und ziemlich taktlos, erscheint es mir. Was sage ich da?! Die Welt? Nein, es ist nicht die Welt. Wir sind es. Wir Menschen. Die Gesellschaft, die Verantwortung und der Druck reissen uns mit, ob wir wollen oder nicht. Bei der Arbeit Leistungsdruck, Existenzängste, Stress… In der Freizeit Termine, Aktivitäten usw… Irgendwie sind wir immer erreichbar, haben das Gefühl wir müssten. Und vielleicht müssen wir das tatsächlich? Müssen wir?

Pausenlos erreichen uns Nachrichten. Whatsapp, Email (Facebook habe ich seit zwei Jahren nicht mehr), Anrufe. Dazu Nachrichten aus aller Welt. Wir wissen es, wenn in Paris ein Attentäter um sich schiesst. Oder in den USA ein Orkan ganze Landstriche verwüstet, in Kalifornien Waldbrände toben, was Trump twittert und und und. Wir lesen das alles ja nicht nur, nein. Wir sind mittendrin dabei. In der sicheren Stube, per Live-Ticker. Wir kommen fast nicht drum herum, bis ins Detail wird über die Geschehnisse berichtet, in Wort und Bild. Natürlich will man wissen, was los ist. Aber was macht es mit uns? Überforderung? Angst? Übersättigung? Abgestumpftheit? Stress? So richtig positive Auswirkungen kommen mir irgendwie grad nicht in den Sinn. 

Was mich daran wirklich stört ist die Taktlosigkeit, die Distanzlosigkeit, mit der berichtet wird. Sensationslust. Je schlimmer, desto besser. Ich möchte zB in den Medien keine verletzten oder toten Menschen (Leichen) sehen. Nie. Es geht mir dabei weniger darum, dass mich der Anblick schockiert, sondern darum dass das Menschen sind. Würde mir so etwas zustossen, ich würde nicht wollen, dass die ganze Welt mich so sieht. Ich finde, das ist Privatsphäre. Und dann denke ich an die Angehörigen. Die von Opfern und ja, auch an die von Mördern und Attentätern. Sie sind in den meisten Fällen unschuldig. Alles, was ihnen gerade wiederfahren ist, ist schlimm genug. Warum muss denn nun das Bild des toten Sohnes, ihrer Mutter oder des Ehemannes noch in den Medien herum geschleppt werden? Was bewirkt es? Dass es aufhört? Schreckt es ab? Wird irgendjemand wieder lebendig deswegen? Oder tröstet es? Ich glaube kaum. Es tut doch bestimmt weh. Jedesmal. Und zwar so weh, wie wir es uns bestimmt nicht vorstellen können. Und Schuldgefühle. Soziale Folgen usw. Ich finde es pietätlos und entwürdigend. Natürlich hat ein Attentäter vielleicht kein Respekt mehr verdient. Solche Fragen sind ethisch sehr schwierig. Ich finde aber, dass Menschen Rücksicht entgegen gebracht werden soll. Bei Tätern verhält sich das wohl anders. Aber ich will auch die nicht mit abgetrennten Körperteilen usw sehen. Kurz gesagt, ich will verletzte und tote Menschen nicht sehen, weder im Internet noch in den Printmedien. Ich stelle mir da vor, wie es für mich gewesen wäre, Bilder meiner toten Eltern überall sehen zu müssen… Und nein, ich will es mir gar nicht vorstellen. 

Und wann (wie?) kommen wir denn zur Ruhe?