Schutzlos

Irgendwie leben wir in Zeiten, in denen wir vielem schutzlos ausgeliefert sind, werden oder uns selber ausliefern. Umwelteinflüsse, Situationen, Druck, andern Menschen.

Menschen, die sich und / oder andere (be)schützen möchten, werden gern mal belächelt oder als (über)ängstlich oder auch als egoistisch bezeichnet. Grenzen zu setzen, das ist irgendwie aus der Mode gekommen. Ich finde das eigentlich sehr falsch und auch schade, denn zum einen finde ich, dass sich schützen zu wollen nicht immer nur mit Angst zusammen hängt, sondern wohl auch ganz viel mit Vernunft und vor allem auch mit Fürsorge. Und zum andern finde ich es auch total okay, Angst zu haben. Natürlich soll sie einen im alltäglichen Leben nicht zu sehr hindern bzw behindern und damit das Leben sogar verhindern. Aber dennoch ist die Angst in gewissen Situationen durchaus eine sehr wichtige Funktion, die wir Menschen besitzen. Sie warnt uns vor Gefahren und davor, uns denen schutzlos oder unnötig auszuliefern. Oder um es weniger dramatisch auszudrücken, sie versucht Situationen, mit denen wir (momentan) nicht umgehen möchten oder könnten, zu verhindern.

Nur schlecht ist das ja nicht unbedingt. Dasselbe Gefühl, das uns vor gewissen Situationen bewahrt, schränkt uns jedoch auch ein. Im Normalfall fühlen wir das selbst nicht, aber andere tun es eventuell. Das Angst- oder Risikoempfinden ist von Mensch zu Mensch verschieden. Was der eine als zu riskant einstuft, findet der andere easy machbar. Das sind dann unsere ganz persönlichen Grenzen und auch die haben ihren Ursprung, ihre Begründung irgendwo tief in uns.
Ich finde, dass man sich eigentlich so ziemlich gar nie über die Grenzen, Bedenken oder Ängste anderer lustig machen soll bzw. seine eigenen über andere stellen kann. Einzig und allein wir selbst bestimmen unsere eigenen Grenzen, definieren sie und verteidigen sie wenn nötig auch. Das ist ganz allein unsere eigene Verantwortung. Und natürlich auch, die Grenzen, die andere uns aufzeigen, zu akzeptieren, egal ob die für uns Sinn machen oder nicht.

Vor ganz vielen Dingen, die uns gefährlich erscheinen oder verletzen könnten, können wir uns schützen. Aber nicht vor allen. Und vor allen Dingen nicht vor dem Menschen. Ich finde immer wieder, dass wir Menschen andern Menschen und ihren Verletzungen und Beurteilungen oft ziemlich schutzlos ausgeliefert sind. Oder andere unserem Urteil aussetzen.
Mir passiert es ja schon zwischendurch, dass ich mich mit einem Verhalten einer Person konfrontiert sehe, das mich irritiert, weil ich nicht weiss, wie ich es einordnen soll. Meine wichtigste Erkenntnis daraus ist, dass ich mir über sowas lieber nicht zuviele (am liebsten gar keine) Gedanken mache, sondern wenn es mir wichtig ist, direkt nachfrage oder mir sehr bewusst bin, dass das Verhalten einer Person immer viel mehr mit ihr selbst als mit mir zu tun hat. Das hilft.

Was auch noch hilft, ist ein gesundes Selbstvertrauen, Achtung und Liebe sich selbst gegenüber und eine gute Fähigkeit, sich abgrenzen zu können. Dieses Scheiss-Egal-Gefühl, das doch manchmal ganz wunderbar ist. Ich glaube, je älter man wird, desto einfacher wird das. Man hat schon so einiges erlebt und nichts hat einen so sehr aus den Latschen geschleudert, dass man sie sich nicht wieder angezogen und weiter gegangen wäre und das ist irgendwie gut zu wissen. Mit all den Jahren auf dem Buckel steht man mit beiden Füssen stabil auf dem Boden, auch wenn zwischendurch mal der Kopf in den Wolken vor sich hin träumt.

Ich finde, jede Person sollte es sich sich zuliebe leisten, selbstsicher zu sein. Jede*r hat absolut das Recht darauf und es gibt keinen Grund, es nicht zu sein. So.

Aber immer öfter.

Gestern habe ich ein Zitat von Simone de Beauvoir gelesen:

“Niemand ist den Frauen gegenüber arroganter, aggressiver oder verächtlicher als ein in seiner Männlichkeit verunsicherter Mann.“

Simone Beauvoir hat von 1908 bis 1986 in Paris gelebt und war Schriftstellerin, Philosophin und Feministin. Aus welchem Jahr oder zu welchem Anlass sie diesen Satz gesagt hat, weiss ich nicht, aber jedenfalls war das vielen vor Jahrzehnten.
Ich finde Frauen, die sich für Frauenrechte und Gleichstellung einsetzen, mutig und genau in diesem Moment, wo ich am Schreiben genau dieser Worte bin, merke ich, wie falsch sich das anfühlt. Man sollte nicht mutig sein müssen, um sich für etwas (oder sich) stark zu machen, sich für etwas einzusetzen. Jeder sollte das tun können ohne Angst vor irgendwas oder irgendwem haben zu müssen. Dieser Zustand sagt ja auch schon einiges aus. Aber es geht mir ja jetzt nicht darum, deswegen lasse ich das jetzt so stehen.
Wie gesagt, finde ich Frauen die sich mit vernünftigen, überlegten und guten Argumenten und Gesten einsetzen, mutig. Im Jahr 2021. Und wie mutig waren Frauen, die das vor 30, 50 oder noch mehr Jahren getan haben? Bewundernswert.

Ich finde, dass das Zitat von Madame Beauvoir zweifelsohne genau ins Schwarze trifft. Es ist einfach ausschliesslich auf negatives Verhalten von Männern gegenüber Frauen bezogen.
Man kann das aber auch wirklich ganz gut auf alle Menschen bzw. deren Verhalten beziehen.
Wie Menschen sich verhalten, finde ich ja immer wieder ganz interessant bzw. noch interessanter würde ich es finden zu wissen, WARUM sie sich so verhalten. Nicht nur gegenüber einander, sondern ganz allgemein.

Wieviel schöner und ganz bestimmt auch entspannter wäre unser Leben – im Kleinen und im Grossen – wenn wir freundlich(er) und wertschätzend(er) miteinander umgehen würden… Und doch tun wir es nicht oder könnten es ganz bestimmt noch viel öfter tun. Warum tun wir es nicht?
Und nicht mal nur andern gegenüber, sondern auch ganz stark uns selbst gegenüber. Wertschätzend zu sich selber sein… vielleicht wäre genau das der Dünger, der die Wurzeln in unserer Seele so stark machen würde, dass daraus eine stabile und starke Persönlichkeit wachsen könnte. Eine, die sich nicht durch einen im Beruf erfolgreicheren Kollegen, eine schlankere Frau oder jemanden, der etwas besitzt, was wir auch gern hätten, knicken lassen würde…

Ich denke, niemand ist gemeiner zu andern Menschen als ein unsicherer, unzufriedener und neidischer Mensch. Andere runter machen, um sich selber ein wenig höher zu stellen – eine altbekannte, leider allzu bewährte Methode des Zurschaustellens der eigenen Fähigkeiten, Leistungen, Persönlichkeit und Schönheit. (Das tun ja nur Menschen, die es offenbar nötig haben – und dieser Satz ist viel weniger wertend gemeint als er klingt. Unsicherheiten haben immer einen Grund und wenn wir ehrlich sind, wurden sie ja meistens durch andere Menschen in uns ausgelöst. Jahrelang. Sich dessen bzw. deren bewusst zu werden, das ist gar nicht mal so einfach.)

Schlussendlich ist das aber nur Fake, wir versuchen, uns und andern etwas vorzumachen, denn kluge Menschen durchschauen dieses Verhalten, diese Aussagen. Leider sind aber nicht alle so klug oder glauben – warum auch immer – solchen Aussagen blind und lassen sich zum Teil auch falsch informieren oder manipulieren von Menschen, die ihre eigenen Ziele erreichen möchten.

Ich finde, dass niemand attraktiver ist als ein Mensch, der sich selbst und andere so akzeptiert wie er ist bzw. sie sind. Ein Mensch, der die positiven Seiten einer anderen Person neidlos anerkennt und schätzt und auch die Schwächen oder deren Unzulänglichkeiten annimmt ohne sich dauernd masslos daran zu stören, sich darauf zu konzentrieren und sie unnötig in den Vordergrund zu stellen. Ein Mensch, der andere stärkt und fördert, ohne Angst vor Konkurrenz oder der Befürchtung, es könnten daraus Nachteile für sich selbst entstehen.
Und ein Mensch, der auch genauso wohlwollend mit sich selbst umgeht, der mit sich soweit im Reinen ist, sich akzeptiert und okay findet, auch wenn nicht alles dem gesellschaftlichen Bild der Norm bzw. des Perfektionismus entspricht. Sich mit oder für jemanden freuen kann, wenn es bei ihm gerade gut läuft und bei uns selbst halt vielleicht grad nicht so richtig. Das ist eine sehr schöne Eigenschaft. Andern einfach ihr Glück gönnen. Nicht zuletzt im Wissen, dass es mir nicht besser gehen würde, wenn es dieser anderen Person jetzt grad schlechter ginge. Kompliziert, ich weiss. Aber ihr wisst was ich meine.

Und doch gehört es auch zum Menschen, sich hin und wieder unsicher zu fühlen, sich und sein Leben mit andern zu vergleichen und in diesem Vergleich nicht immer gut abzuschneiden und dann vielleicht manchmal ein wenig unreflektioniert zu denken, sprechen oder handeln. Vermutlich machen wir diese Vergleichen ja auch ganz besonders dann, wenn uns etwas fehlt oder wir mit irgendwas unzufrieden sind. Wenn nicht, hätten wir keinen Grund dazu.

Es ist ja nicht nur einfach und wenn ich darüber schreibe, klingt das zwar alles wunderbar und als ob ich das voll im Griff hätte, aber nein, das habe ich nicht.
Aber immer öfter.


Lebensgeschichte

Ich glaube, es ist ein Irrtum zu glauben, das Leben schriebe seine Geschichte bzw nur EINE Geschichte. Die eine Lebensgeschichte, die gibt es nicht. Auch nicht, wenn man denkt, es sei eine mit ganz, ganz vielen Kapiteln.
Ich für mich glaube, dass jeder Mensch Teil von ganz vielen verschiedenen Lebensgeschichten ist. Den eigenen und auch denen anderer Personen, vielleicht ziemlich oft sogar unwissentlich. All diese Geschichten sind ineinander verzettelt und verschmelzen, so dass man nicht mehr genau weiss, wo die eine beginnt und die andere endet. Ja, so ist das.

Mit jedem Menschen, den wir etwas näher an uns heran lassen, verbindet uns eine Geschichte oder genauer gesagt, eine Schnittstelle, die wir in unseren Lebensgeschichten gemeinsam haben. So etwas wie ein Kapitel, das aber mit Aquarellfarben geschrieben und ganz langsam wässrig wird, um in den weiteren Verlauf dieser Lebensgeschichte zu rinnen und auch dort seine Spuren zu zeichnen, neue Bilder zu beginnen oder vorhandene einzufärben. Ganz bunt oder dunkel, je nachdem welche Farben dafür benutzt wurden.
Mögliche Schnittstellen oder Verbindungspunkte sind zum Beispiel die Kindheit, die Schulzeit, Militär oder Ausbildung, die Arbeit, ein Hobby oder Interessen, ein Verein, Freundschaft, Liebe oder Familie usw.
Diese Schnittstelle mag 10 Minuten lang bestehen bleiben, zwei Wochen, vier oder siebzig Jahre. Die Verbindung mag ganz eng und stark sein, so wie eine Stahlkette, an der ein schwerer, grosser Anker hängt. Wie eine Brücke, die zwei Ufer konstant miteinander verbindet. Oder sie mag elastisch und flexibel sein, so wie ein Gummiband, mal näher, mal ferner, aber sie hält. Vielleicht ist sie wie Kaugummi, der reisst, wenn man zu sehr am Faden zieht. Sie kann ein dünner Faden sein, den man gerade erst zu spinnen beginnt, noch offen, ob ein Tau daraus wird oder ob er schon bald wieder brechen wird.

In meinem bisherigen Leben habe ich vor allem eins gelernt und das ist, dass die Intensität einer Verbindung nicht von ihrer Dauer abhängig ist. Menschen, die wir nur sehr kurz kennen, können uns ebenso stark beeinflussen – wie auch immer – wie Menschen, die sich schon ewig in unserem Beziehungsnetz befinden. Und andersrum funktioniert das auch. Menschen, die wir sehr lange kennen müssen uns nicht unbedingt am nächsten stehen. Die Intensität solcher Verbindungen entsteht durch das Material aus dem der Strick gemacht ist, der einem zusammen hält. Dabei kommt auch wieder Togetherness zum Zug. Zusammengehörigkeit. So ein Strick wird natürlich viel stabiler und viel stärker, wenn man zusammen daran arbeitet, den zuerst dünnen Faden zu einer Kordel dreht oder ihn knüpft und immer wieder neue Fäden dazu fügt. Wenn man das auf beiden Seiten tut, dann wird das ein stabiler Strick, der ganz schön viel aushalten kann und vermutlich wird er das früher oder später mal müssen.

Lebensgeschichten. Ich glaube, dass ganz viele Menschen in unseren Geschichten mitspielen und wir in ihren. Mal als Hauptrolle, mal als Nebenrolle oder nur als Statist. Mal als Richtungsweiser, mal als Stopper oder als Booster. Ich bin mir ganz sicher, dass jede Person, die wir rein lassen, sei es physich oder psychisch oder beides, in uns seine Spuren hinterlässt und damit unseren weiteren Lebensweg beeinflusst, in welche Richtung auch immer. Ich glaube, das ist ganz wichtig zu wissen, denn vielleicht wird das unseren Umgang mit andern Menschen verändern. Zum einen, weil auch wir unsere Spuren hinterlassen und ich persönlich hätte es lieber, wenn ich niemanden traumatisieren oder irgendwie negativ beeinflussen würde. Wir wissen aber ja nicht immer, was wir womit bei andern auslösen, welche Rolle wir für jemanden einnehmen und was andere für uns fühlen. Zum andern, weil ich mir auch gut überlegen will, wer mir näher kommen darf.

Ich glaube, auch das ist Achtsamkeit. Für uns selbst und auch andern gegenüber.

Auf der Weggabelung

Das Leben besteht unumstritten aus unzählig vielen Dingen und für jeden wieder anders. Eines davon ist das Gehen. Das Weitergehen. Es ist unumgänglich. Ich denke schon, dass es möglich ist, für eine Weile mal stehen zu bleiben, aber früher oder später wird das Leben, die Umstände, das Umfeld uns weiterziehen. Es geht ja gar nicht anders und es ist gut so, denn es bedeutet Entwicklung.
Auf gute Zeiten folgen schlechte und auf schlechte folgen bessere. Das ist es auch, was uns schlussendlich alle verbindet.

Das einzig Konstante im Leben
ist die Veränderung.
Heraklit

Und das stimmt.

Veränderung ist ja eigentlich sehr oft etwas Gutes und trotzdem stehen wir ihr manchmal etwas zögerlich gegenüber. Manchmal müssen Entscheidungen getroffen werden, manchmal entscheidet das Leben oder das Schicksal – Glück, Pech, was auch immer – für uns.
Veränderungen bedeuten, neue Wege einzuschlagen und zu beschreiten. Altes, Vertrautes hinter sich zu lassen und aufzubrechen, sozusagen ins Ungewisse. Es ist ganz oft so, denn wer weiss schon, was die Zukunft bringt? Und das ist nicht nur einfach. Man sieht wirklich oft Menschen in sehr unglücklichen Situationen, die aber doch lieber daran festhalten statt etwas Neues zu wagen. Weil das Bekannte uns Menschen Sicherheit gibt. Zufrieden sein reicht ja, wer ist schon glücklich?
Ich verstehe das nur zu gut.

Also bedeutet Vorwärtsgehen auch ein gewisses an Loslassen. Denn wer festhält kommt nicht weiter oder halt etwas langsamer. Loslassen kann befreiend sein und Platz für anderes schaffen. Loslassen kann aber auch schmerzlich sein und eine Lücke hinterlassen. So bedeutet Loslassen auch mutig sein, glaube ich, denn man begibt sich ohne Kompass und Navi auf unbekanntes Terrain.
Mit Loslassen ist es dann aber noch nicht gemacht bzw. das ist wohl erst der erste Schritt. Denn wenn man etwas hinter sich lässt, dann ist da auf jeden Fall eine Lücke. Etwas fehlt. Egal, ob es uns weh tut oder befreit. Und so ist dann irgendwie und irgendwann der nächste Schritt das Weitergehen und das eventuelle Füllen dieser Lücke. Ich finde, auch das kann unter Umständen ganz viel Mut erfordern. Denn das ist schon wieder eine Richtungsänderung, wer weiss wohin.
Ein besonders grosser Schritt ist es, wenn diese Veränderung eines unserer Standbeine betrifft. Die Familie, die Partnerschaft, die Gesundheit, der Beruf oder die Freunde.

Ich bin ja der Meinung, dass alles immer gut kommt bzw dass es genau so kommt wie es kommen muss und je älter ich werde, desto entspannter gehe ich diesen Weg. Es bringt nichts, sich über eventuelle zukünftige Begebenheiten Sorgen zu machen. Es bringt nichts, sich an Vergangenem festzuhalten, obwohl es vorbei ist. Und es bringt nichts, das Leben rückwärts zu gehen, um den Blick auf Neues zu verhindern, weil es Angst machen könnte.
Und doch ist das manchmal auch leichter gesagt als getan, denn wir sind ein Produkt unserer Vergangenheit, unserer Erfahrungen und es gibt ganz bestimmt in jedem Leben Dinge, die man nicht nochmal erleben möchte oder Vorstellungen, die man sich erhofft. Dinge die einem Angst machen oder die man sich herbei sehnt. Und diese Gedanken im Hinterkopf bestimmen, wie entscheidungsfreudig, offen oder ängstlich wir sind.

So können neue Wege spannend und lehrreich, voller neuer Erlebnisse sein. Sie können aber auch anstrengend und beängstigend sein, weil man nicht weiss was hinter der nächsten Kurve lauert oder kauert, wie weit es noch bergauf geht oder wohin er überhaupt schlussendlich führt, dieser Weg.

Egal welchen Weg ich in meinem Leben gegangen bin, der Weg selbst war dabei vermutlich nur das zweitwichtigste. Das Wichtigste dabei war für mich immer, wer dabei war. Wer mich begleitete.
So war es auch für mich immer das Schwierigste bei einer Richtungsänderung, zu wissen, dass nicht alle die ich gern habe, mitkommen werden. Das ist ja nicht unbedingt etwas schlechtes. Wege trennen sich. Nicht jede oder jeder geht den selben Weg wie ich. Sie haben ihre eigenen Hürden, ihre eigenen Abgründe und ihre eigenen Ziele.

Ich habe es erlebt dass es Menschen gibt, die mich auf einer Strecke begleitet haben, wir haben gelacht, gefeiert und uns gefreut, und sobald es steiniger wurde, sind sie abgebogen. Ich habe das immer wieder verurteilt weil ich verletzt war. Aber irgendwie verstehe ich es nun besser. Nicht jeder ist für jeden Weg gemacht, nicht jeder kann jede Situation aushalten.
Ich habe es aber auch erlebt, dass es Menschen gibt, die mich vor allem in schwierigen Zeiten begleitet haben, mir nah und eine Stütze waren und dann wenn der Sturm vorüber war, wieder etwas in den Hintergrund rückten.
Ich habe es aber auch erlebt, dass Menschen immer da sind, egal was passiert. Auf ihrem eigenen Weg, der aber ganz nah bei meinem ist. Freundinnen und Freunde.
Umgekehrt ist es ja dasselbe. Ich gehe nicht mit jedem jeden Weg. Manche würde ich in jeder Situation und mit letzter Kraft stützen, andere beobachte ich interessiert und nehme aus einer gewissen Distanz Anteil und andere interessieren mich einfach wirklich weniger oder gar nicht. Das ist einfach nur ehrlich. Auch ich bin nicht für jeden Weg geeignet.

Man sagt ja manchmal, dass man in Krisen sieht, wer ein wirklicher Freund bzw eine richtige Freundin ist, denn die werden bleiben, auch wenn es oder man mal etwas anstrengender ist.
Ich habe es immer so erlebt, dass ich zwar Menschen hinter mir gelassen habe, wenn ich mich verändert habe, aber auch immer wieder neue dazugewonnen habe. Schlussendlich war das immer eine Bereicherung. ZB beim Jobwechsel, bei einer Trennung, beim Umziehen in eine neue Wohnung usw.
Und dennoch finde ich diesen Prozess des Loslassens oft schwer, wenn es um Menschen geht. Ich mach das nicht gern. Oftmals ergibt es sich ja einfach, Kontakte verlaufen im Sand und so ist das ja schmerzfrei und vermutlich für beide okay. Aber jemanden wirklich ganz bewusst hinter sich zu lassen, obwohl er oder sie das ganz anders möchte, das mache ich fast nie, glaube ich. Ich gehe Beziehungen, egal welcher Art, wirklich sehr bewusst ein und bin dann sehr treu, wenn man das so sagen kann. So empfinde ich es auch jedesmal als sehr verletzend, wenn andere das anders handhaben und halt mit andern Werten Freundschaften oder Bekanntschaften eingehen und auch enge Kontakte einfach so abgebrochen werden.
Es ist ja jeder anders. Ich bin nun halt einfach so.

So finde ich das Schwierigste am Einbiegen auf einen neuen Weg, nicht zu wissen wer mit mir kommen wird.
Aber ich mach das nun trotzdem.

Happy whatever

Man erblickt das Licht der Welt, fliegt los und irgendwie geht alles schnell… Was anfangs noch stürmisch, rasant und aufregend war, wird irgendwie mit den Jahren etwas ruhiger, langsamer, vielleicht weil geniesserischer, aber dennoch nicht weniger aufregend. Spannend und interessant bleibt es hoffentlich bis zum Schluss, das Leben. Es ist, was man daraus macht.

… und irgendwann ist es zu Ende. Vermutlich immer plötzlich und unverhofft, auch wenn er erwartet wird, manchmal bereitwillig, oftmals aber wohl nicht. Der Tod.
Ich finde, der Tod ist ein wichtiges Thema und wir werden nicht drum herum kommen, uns früher oder später damit zu befassen. Und dennoch finde ich es noch viel, viel wichtiger, viel mehr ans Leben zu denken als an ihn. Denn wir leben nur einmal und alles geht viel zu schnell. Genau deswegen.
Wir leben.
Genau jetzt.

Happy Birthday. Alle Jahre wieder. Man freut sich drauf und irgendwie aber doch nicht, denn es bedeutet ein neues Alter und zwar wird es nicht weniger. Wenn man online irgendwas bestellt, muss man bereits wahnsinnig weit zurück scrollen, um dann endlich das Geburtsjahr zu finden. Dafür wird die Zahl, die wir nennen, wenn jemand es wagt die Frage aller Fragen zu stellen – Wie alt bist du??? – immer höher.

Jahr für Jahr für Jahr legt sich auf unseren Rücken. Wir werden 40, 50, 60, 70, 80 und fühlen uns immer mindestens zehn Jahre jünger als wir tatsächlich sind. Mindestens! So redete doch mein Ex-Schwiegervater noch kurz vor seinem Tod mit 94 (oder 92? Ich erinnere mich grad nicht. Ist wohl auch das Alter…) von den alten Leuten und ärgerte sich über sie. Obwohl es bald keinen mehr gab, der noch älter als er war. Normal.
Man fühlt sich meistens jünger als man ist. Und wenn man Glück hat, sieht man auch genauso aus. Also 10 Jahre jünger. Bis sich irgendwann die Jahresringe in Form von Falten zu den Jahren und auf unsere Haut gesellen und unser Haar, falls noch vorhanden, langsam aber sicher ergraut.
Ich persönlich habe ja auch immer das Gefühl, andere Gleichaltrige sähen älter aus als ich. Und falls das jemand von euch liest, dann sei dir gewiss, DICH meine ich natürlich nicht, sondern die andern. Scherz. 🙂

Mit 16 fühlt man sich ja gern schon etwas älter bzw wäre gern älter, möchte älter scheinen. 18 oder 20, das wäre cool. Alles was darüber hinaus ist, ist dann aber auch schon wieder uralt und unvorstellbar.
Wenn man noch jünger ist, also noch ein Kind, ist man manchmal etwas hin- und hergerissen. Manchmal wäre man gern schon älter und selbständiger, man sehnt sich nach Freiheiten und kann damit aber gar noch nicht so gut umgehen und mit den dazu gehörigen Pflichten schon gar nicht. Im einen Moment möchte man schon richtig erwachsen sein und sich nichts mehr sagen lassen von den Eltern und im nächsten Moment ist es doch ganz schön, bei Mama im Arm zu sein und sich trösten zu lassen. Oder beim Papa natürlich.

Irgendwann dreht sich das dann und alles wird anders. Man möchte lieber jünger statt älter sein bzw. aussehen, scheinen und geschätzt werden. Als Frau zumindest. Aber ich denke, auch Männer unterliegen dem Jugendwahn, wenn auch in einem anderen Ausmass und anderen Auswirkungen. Sagt man nicht immer noch ganz gern, dass Männer erst so über 40 richtig gut aussehen und interessant werden, während Frauen dann die Blüte ihrer Jahre hinter sich haben? Oder fühlt man sich als Frau nur so, weil das Schönheitsideal überall zu sehen ist und die Wechseljahre einem langsam aber sicher zu schaffen machen? Keine Ahnung…

Der Wunsch, jugendlich zu bleiben bis ins hohe Alter… Eigentlich total unsinnig. Dann möchte man gern möglichst alt werden, die Erfahrung die damit einher geht, die nimmt man auch gern mit. Die Anzahl Jahre wird aber immer höher, das mag man man weniger, denn dies zeigt ungelogen auf, wie lang man schon auf dieser Erde weilt und lässt eine vage Schätzung zu, wie lange das in etwa noch sein könnte.
Und dann kommen noch die oben beschriebenen äusseren Zeichen des älter werdens dazu. Unter anderem.
Körper und Seele spüren die vielen Jahre. Beide sind stärker geworden durch Erfahrungen, beide haben aber auch Verletzungen und Narben davon getragen.

Ich für mich persönlich fand es nie schwierig, älter zu werden. Ich hatte nie eine Krise deswegen und ich glaube, das werde ich auch nie haben. Aber es gibt so Tage im Jahr, die mich ein bisschen nachdenklich stimmen und da dazu gehört auch mein Geburtstag.
Wieder ein Jahr älter. Ich habe das Gefühl, ich befinde mich noch immer in einer Zwischenphase seit der Trennung. Es läuft alles schon länger wieder gut, ich bin zufrieden. Mein Job ist super, ich liebe mein Kind und unser Leben und in unserer Wohnung fühle ich mich geborgen und wohl.
Alleinerziehend zu sein ist irgendwie nach wie vor nicht das, was ich wollte und doch ist es nun halt einmal so und es wird sich auch nie wieder ändern bzw. erst, wenn das Kind gross ist. Das was ich verloren habe damals, habe ich noch nicht wieder ersetzt und ich bin mir noch nicht mal sicher, ob ich das möchte. Die Lücke ist noch da und ich bin mir am überlegen, wie ich sie füllen möchte. Ich finde es für mich richtig, bedacht vorzugehen.
Ich gehe davon aus, dass das Leben mir zur richtigen Zeit die Lösung präsentieren wird.

Und ich werde dann also meinen Geburtstag geniessen und mit ihm jede Falte und jedes graue Haar, den er mir im neuen Lebensjahr wieder schenken wird. Was mich nicht daran hindern wird, mir weiterhin die Ansätze zu färben und verschiedene Crèmes und Beauty-Masken auszuprobieren, denn was tut man nicht alles… 🙂

Es bleibt spannend, bleiben Sie dran.

Eines Tages alt sein und noch lange nicht alles verstehen, nein, aber anfangen, aber lieben, aber ahnen, aber zusammenhängen mit Fernem und Unsagbarem bis in die Sterne hinein!

Rainer Maria Rilke

Von Dingen, die ich nicht verstehen mag und von Wünschen

Ich wünsche dir…

Ich denke, wir wünschen einander sehr oft genau das, was wir uns in unserer Vorstellung an dieser Stelle wünschen würden. Und wenn auch diese Wünsche vielleicht nicht immer passend oder die sind, die sich der andere wünscht, dann sind es doch immer Wünsche von Herzen und eigentlich das Beste, was wir uns in dieser Situation vorstellen können.

Vielleicht hat diese Art von Wünschen ganz viel mit unseren Fähigkeiten, uns einzufühlen und dann jemanden zu verstehen gemeinsam. Dabei verwechseln wir manchmal, dass die andere Person etwas eventuell ganz anders erlebt als wir selbst. Aber das ist schwierig, denn alles was uns zur Verfügung steht, sind unsere Empathie, unsere Wahrnehmung und unsere Vorstellungskraft, welche aus unserer eigenen Geschichte und aus Gesehenem und Erlebtem entstehen.

Versuchen wir nicht unser ganzes Leben lang Dinge zu verstehen? Manchmal erfolgreicher, manchmal weniger.
Warum? Wie? Wer? Was? Weshalb? Worüber? Wo?
Fragen über Fragen und es hört nie auf. Das ist das Interessante daran und das ist das Schwierige daran.

Ich mag es, möglichst alles (oder viel) zu verstehen. Natürlich ist das unmöglich und unerreichbar, denn das würde zum Ende des Universums und zurück bedeuten. Und vielleicht ist das grosse, unendliche Universum aber dennoch fast einfacher zu verstehen als das, was ganz nah bei uns ist oder in uns. Nämlich uns selbst, einander oder halt Dinge, die jeden Tag passieren. Das Leben.

Das Leben und alles was so dazu gehört, ist irgendwie immer wieder unergründlich, unverständlich und vielschichtig. Und wenn ich sage das Leben, dann meine ich auch vor allen Dingen den Menschen. Ich verstehe so oft nicht, warum Menschen handeln wie sie handeln. Warum sie denken wie sie denken und warum sie sind wie sie sind. Mich interessiert das aber, denn es gibt für alles seine Gründe. Ich merke aber in der letzten Zeit immer mehr, dass ich mich trotz eigentlichem Interesse abgrenzen und zurück ziehen muss, weil es anstrengend ist. Weil es einfach manchmal wahnsinnig viel Energie verpufft. Und nicht zuletzt auch, weil ich auch Gopfertami nicht immer alles verstehen muss.

Und das Beste daran ist, dass das total okay ist. Schlussendlich ist niemand darauf angewiesen, dass ich ihn oder sie verstehe so wie auch ich nicht aufs Verständnis anderer angewiesen bin. Obwohl man sich eingestehen muss, dass es schon manchmal (oft) recht gut tut, wenn man verstanden wird.
Ich glaube, wir verwechseln dieses Verständnis manchmal aber auch mit Wohlwollen oder mit Akzeptanz. Denn ich kann jemandem auch wohlwollend begegnen, wissend dass er in der Situation xy steckt und die zB für ihn schwierig ist, ohne dass ich es verstehe. Oder kenne, weil ich es auch erlebt hätte. Und unter wohlwollend verstehe ich, dass ich nicht sage „ach, das ist doch gar nicht so schlimm“, „tu doch nicht so!“, „das war bei mir auch so (aber doch ganz anders)“ oder „es gibt noch schlimmeres“ oder so einen Furz.
Wenn etwas für jemanden schlimm ist, dann ist das so. Punkt. Das anzuerkennen ist grundsätzlich schon genug. Mehr brauchts eigentlich gar nicht.

Etwas, was ich sehr schlecht verstehe und es immer wieder versuche(n muss), ist das Schicksal (oder wie nennt man es?). Schicksalsschläge und solche Geschehnisse, die alles umkrempeln und zwar eher nicht zum Guten.
Ich habe schon öfter darüber geschrieben. Ich habe immer gedacht (oder mich damit getröstet?), dass Schicksalsschläge zu jedem Leben gehören. Es ist normal, dass schlimme Dinge passieren. Diese Ansicht habe ich etwas revidiert. Ich glaube schon, dass sie zum Leben gehören. Aber nicht zu jedem. Ich glaube, es gibt auch Menschen, denen bleiben solche Ereignisse weitgehend erspart. Gratulation. Ich gönne es dir, ganz ehrlich.

Ich würde es jedem gönnen und ich hätte es auch mir gegönnt. Und dennoch tröstet man sich immer wieder damit, dass das Überstehen solcher Dinge einen stärker macht. Ich weiss nicht, ob das stimmt. Ich glaube, man meint, es mache einen stärker, weil man nämlich ganz schön stark sein muss, um nicht zu zerbrechen. Und solange man es sich einredet, ist man es auch.
Schlussendlich bin ich aber sicher, dass ganz viel von dieser Stärke einfach Funktionieren ist. Weil man auch das muss. Man hat eine gewisse Zeit zum Trauern, zum Darüber hinweg kommen oder was es auch immer braucht, und dann gehts wieder normal weiter. Es ist ganz schwierig, sich mehr zu nehmen. Oder länger. Ich glaube, das geht fast nicht. Und dieser Zustand ist unserer Gesellschaft verschuldet, denn da gibt es Normen und Vorgaben.
Dann nimmt man einen Teil von alldem mit. Jeden Tag. Auf jedem Schritt, den man geht. Und ja, man ist tatsächlich stark, denn der Rucksack ist schwer mit all diesen emotionalen Überresten darin, vergraben unter allerlei andern Dingen, damit das Zeugs nicht doch noch plötzlich zum Vorschein kommt.
Es kommt aber*. Irgendwann. Es ist nur eine Frage der Zeit, denn all diesen Ballast mitzutragen – plus die Bewältigung des Alltags, der Gegenwart mit all seinen Hochs und neuen Tiefs – braucht viel Energie.
*Und es ist okay.

Mich (uns?) fordert das Schicksal immer wieder heraus. Und zwar ganzheitlich. Aber nicht nur meines, sondern auch das von andern. Ich finde, es gibt Dinge auf dieser Welt, die sind so abgrundtief schlimm. Es gibt viele solche Dinge auf der ganzen Welt. Manche hören wir, manche nicht. Manche werden von Menschen verursacht, manche von irgendwelchen höheren Mächten, was auch immer.
Ertrinkende Flüchtlinge, Kriege, Terroranschläge, Verbrechen, Unfälle, Katastrophen… Die Welt ist keine heile.

Und nun komme ich zu den Wünschen zurück, aus aktuellem Anlass.
Ich habe heute Nachmittag jemandem, den ich seit unserer Kindheit kenne, einen Brief geschrieben. Eigentlich war es ein Abschiedsbrief, wenn man ehrlich sein will. Er hat vor kurzem eine sehr schlimme Diagnose bekommen. Eine, die wohl keine Hoffnung auf eine Verbesserung oder auf ein Überleben zulässt, soviel ich weiss.
Mir war es ein Anliegen, ihm noch etwas zu sagen oder schreiben. Vielleicht das Letzte, was möglich ist, ich weiss es nicht. Und das habe ich getan. Und bevor ich angefangen habe, habe ich mich lange gefragt, was man denn einer Person in dieser Situation sagt. Oder wünscht. Und dabei nicht unbeabsichtigt etwas Unangemessenes, etwas Taktloses, etwas Dummes sagt.

Ich für mich finde es schlussendlich vor allem wichtig, nicht auszuweichen, sondern diesen Menschen zu begegnen und von Herzen zu reagieren. Zu sagen oder auch zu tun, was gerade zuvorderst ist, was gerade möglich ist. Unter Umständen hilft genau das jemandem, sein Schicksal gerade jetzt in diesem Moment besser tragen zu können.

Ich wünsche mir und euch, Menschen zu sein, die das können. Nein, können tut das jeder. Ich wünsche mir und euch, Menschen zu sein, die sich das (zu)trauen, denn das braucht Mut. Mut vor der Reaktion des andern und auch Mut vor den eigenen Gefühlen und deren möglichem Ausbruch.
Und ich wünsche euch und mir, ebenfalls immer wieder im richtigen Zeitpunkt auch genau solchen Menschen zu begegnen, denn das ist so wertvoll.

Menschen haben Rechte. (Pflichten aber auch.)

Heute würde ich mich gerne etwas intensiver mit den Menschenrechten befassen. Der Anlass dafür ist einfach die momentane Situation. Nicht meine persönliche, sondern eher so im Grossen und Ganzen gesehen.

Die bzw. viele Nerven liegen mehr oder weniger blank, die Pandemie mit ihrem ganzen Drum und Dran dauert schon eine ganze Weile. Wir hoffen auf ein möglichst baldiges Ende, aber wissen tun wir im Grunde genommen nichts oder nicht so viel und schon gar nicht, was die Zukunft bringen wird.

Wir sehen uns vielen Dingen beraubt, die uns wichtig sind, die ausgleichend und erholend auf uns wirken. Dinge, die uns halt einfach glücklich machen. Oder natürlich Dinge, die uns unser (über)lebensnotwendiges Einkommen sichern. Dinge, die immer ganz selbstverständlich waren.
Ich glaube auch, dass wir eigentlich mit dem Thema Pandemie und den Themen, die daraus ja noch zusätzlich entstehen, mehr oder weniger überfordert sind ohne uns darüber bewusst zu sein. Es sind Themen, die uns neu sind und Fachgebiete von denen wir beim besten Willen so gut wie nichts verstehen und doch so tun, als täten wir das.
Mitreden, diskutieren und sich aufregen tun alle aber trotzdem. Und das ist irgendwie anstrengend, so empfinde ich es zumindest.

Die Medien, in denen wir uns über die ganze Sache informieren, sind auch keine Fachmedien und oftmals von doch eher zweifelhafter Glaubwürdigkeit. Und doch schreiben sie so, dass auch der Letzte und Hinterletzte – also wir – denkt, er würde verstehen. Was auch immer. Und wir glauben so vieles, was wir irgendwo hören oder sehen. Ich denke, all diese Themen, die da mit hinein spielen, sind komplex. Es geht um Gesundheit, um Forschung, Wirtschaft, um Wissenschaft und weiss nicht noch was alles. Menschen, die sich Fachpersonen nennen dürfen, haben jahrelang studiert und Erfahrungen gesammelt. Mit Zeitungen wie Blick, Bild oder 20 Minuten und Kommentaren von Frau X und Herrn Y bei Facebook & Co werden wir uns dieses Fachwissen wohl nicht aneignen können, diese Tatsache schleckt auch keine Katze weg.

Und eigentlich gehts hier jetzt ja gar nicht um die Pandemie. Der Titel lautet „Menschenrechte“. Diese waren den meisten von uns ja bisher eher egal bzw halt kein Thema, denn uns betrifft das ja nicht gross. Man weiss, dass es sie gibt, aber wir hier in Mitteleuropa leben priviligiert und müssen uns eigentlich keine Sorgen darum machen. Und Menschenrechte hören ja irgendwie an der Landesgrenze auf, sollte man manchmal denken.. Obwohl Menschenrechte ja international sind, also gültig für alle Menschen auf dieser Welt. Und wer, wenn nicht wir, ist dafür verantwortlich, dass jeder Mensch diesen Menschenrechten entsprechend leben kann? Menschen, denen diese geraubt werden, können sich nicht mehr wehren.

Über Grundrechte oder Menschenrechte liest man im Moment immer wieder bzw. dass es Menschen gibt, die sich deren beraubt fühlen.



Welches sind denn eigentlich diese Menschenrechte?

Das finde ich bei Amnesty International. Die setzen sich ja genau für diese Rechte ein. Die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte (vom 10.12.1948) besteht aus 30 Artikeln.

Schon die Präambel (Einleitung) ist recht ausführlich, aus diesem Grund schreibe ich diese Punkte nun hier nicht alle auf, sondern komme gleich zu den konkret formulierten Menschenrechten, die ich 1:1 der Amnesty International Website entnommen habe:

Artikel 1 (Freiheit, Gleichheit, Solidarität)
Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren. Sie sind mit Vernunft und Gewissen begabt und sollen einander im Geist der Solidarität begegnen.

Artikel 2 (Verbot der Diskriminierung)
Jeder Mensch hat Anspruch auf die in dieser Erklärung verkündeten Rechte und Freiheiten ohne irgendeinen Unterschied, etwa aufgrund rassistischer Zuschreibungen, nach Hautfarbe, Geschlecht, Sprache, Religion, politischer oder sonstiger Überzeugung, nationaler oder sozialer Herkunft, Vermögen, Geburt oder sonstigem Stand.
Des Weiteren darf kein Unterschied gemacht werden aufgrund der politischen, rechtlichen oder internationalen Stellung des Landes oder Gebiets, dem eine Person angehört, gleichgültig ob dieses unabhängig ist, unter Treuhandschaft steht, keine Selbstregierung besitzt oder sonst in seiner Souveränität eingeschränkt ist.

Artikel 3 (Recht auf Leben und Freiheit)
Jeder Mensch hat das Recht auf Leben, Freiheit und Sicherheit der Person.

Artikel 4 (Verbot der Sklaverei und des Sklavenhandels)
Niemand darf in Sklaverei oder Leibeigenschaft gehalten werden; Sklaverei und Sklavenhandel sind in allen ihren Formen verboten.

Artikel 5 (Verbot der Folter)
Niemand darf der Folter oder grausamer, unmenschlicher oder erniedrigender Behandlung oder Strafe unterworfen werden.

Artikel 6 (Anerkennung als Rechtsperson)
Jeder Mensch hat das Recht, überall als rechtsfähig anerkannt zu werden.

Artikel 7 (Gleichheit vor dem Gesetz)
Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich und haben ohne Unterschied Anspruch auf gleichen Schutz durch das Gesetz. Alle haben Anspruch auf gleichen Schutz gegen jede Diskriminierung, die gegen diese Erklärung verstößt, und gegen jede Aufhetzung zu einer derartigen Diskriminierung.

Artikel 8 (Anspruch auf Rechtsschutz)
Jeder Mensch hat Anspruch auf einen wirksamen Rechtsbehelf bei den zuständigen innerstaatlichen Gerichten gegen Handlungen, durch die die ihm nach der Verfassung oder nach dem Gesetz zustehenden Grundrechte verletzt werden.

Artikel 9 (Schutz vor Verhaftung und Ausweisung)
Niemand darf willkürlich festgenommen, in Haft gehalten oder des Landes verwiesen werden.

Artikel 10 (Anspruch auf faires Gerichtsverfahren)
Jeder Mensch hat bei der Feststellung der eigenen Rechte und Pflichten sowie bei einer gegen ihn erhobenen strafrechtlichen Beschuldigung in voller Gleichheit Anspruch auf ein gerechtes und öffentliches Verfahren vor einem unabhängigen und unparteiischen Gericht.

Artikel 11 (Unschuldsvermutung)
Jeder Mensch, der wegen einer strafbaren Handlung beschuldigt wird, hat das Recht, als unschuldig zu gelten, solange seine Schuld nicht in einem öffentlichen Verfahren, in dem er alle fürs eine Verteidigung notwendigen Garantien gehabt hat, gemäss dem Gesetz nachgewiesen ist.
Niemand darf wegen einer Handlung oder Unterlassung verurteilt werden, die zur Zeit ihrer Begehung nach innerstaatlichem oder internationalem Recht nicht strafbar war. Ebenso darf keine schwerere Strafe als die zum Zeitpunkt der Begehung der strafbaren Handlung angedrohte Strafe verhängt werden.

Artikel 12 (Freiheitssphäre des Einzelnen)
Niemand darf willkürlichen Eingriffen in das eigene Privatleben, die eigene Familie, die eigene Wohnung und den eigenen Schriftverkehr oder Beeinträchtigungen der eigenen Ehre und des eigenen Rufes ausgesetzt werden. Jeder Mensch hat Anspruch auf rechtlichen Schutz gegen solche Eingriffe oder Beeinträchtigungen.

Artikel 13 (Freizügigkeit und Auswanderungsfreiheit)
Jeder Mensch hat das Recht, sich innerhalb eines Staates frei zu bewegen und den Aufenthaltsort frei zu wählen.
Jeder Mensch hat das Recht, jedes Land, einschliesslich des eigenen zu verlassen und in das eigene Land zurückzukehren.

Artikel 14 (Asylrecht)
Jeder Mensch hat das Recht, in anderen Ländern vor Verfolgung Asyl zu suchen und zu geniessen.
Dieses Recht kann nicht in Anspruch genommen werden im Falle einer Strafverfolgung, die tatsächlich aufgrund von Verbrechen nichtpolitischer Art oder aufgrund von Handlungen erfolgt, die gegen die Ziele und Grundsätze der vereinten Nationen verstossen.

Artikel 15 (Recht auf Staatsangehörigkeit)
Jeder Mensch hat das Recht auf eine Staatsangehörigkeit.
Niemandem dard die eigene Staatsangehörigkeit willkürlich entzogen noch das Recht versagt werden, die Staatsangehörigkeit zu wechseln.

Artikel 16 (Eheschliessung)
Heiratsfähige Menschen haben ohne Beschränkung aufgrund von rassistischen Zuschreibungen, aufgrund der Staatszugehörigkeit oder der Religion das Recht, zu heiraten und eine Familie zu gründen. Sie haben bei der Eheschliessung, während der Ehe und bei deren Auflösung gleiche Rechte.
Eine Ehe darf nur bei freier und uneingeschränkter Willenseinigung der künftigen Ehegatt*innen geschlossen werden.
Die Familie ist die natürliche Grundeinheit der Gesellschaft und hat Anspruch auf Schutz durch Gesellschaft und Staat.

Artikel 17 (Recht auf Eigentum)
Jeder Mensch hat das Recht, sowohl allein als auch in Gemeinschaft mit anderen Eigentum innezuhaben.
Niemand darf willkürlich des Eigentums beraubt werden.

Artikel 18 (Gedanken-, Gewissens-, Religionsfreiheit)
Jeder Mensch hat das Recht auf Gedanken-, Gewissens- und Religionsfreiheit; dieses Recht schließt die Freiheit ein, die Religion oder Überzeugung zu wechseln, sowie die Freiheit, die eigene Religion oder Weltanschauung allein oder in Gemeinschaft mit anderen, öffentlich oder privat durch Lehre, Ausübung, Gottesdienst und Kulthandlungen zu bekennen.

Artikel 19 (Meinungs- und Informationsfreiheit)
Jeder Mensch hat das Recht auf Meinungsfreiheit und freie Meinungsäußerung; dieses Recht schließt die Freiheit ein, Meinungen ungehindert anzuhängen sowie über Medien jeder Art und ohne Rücksicht auf Grenzen Informationen und Gedankengut zu suchen, zu empfangen und zu verbreiten.

Artikel 20 (Versammlungs- und Vereinigungsfreiheit)
Alle Menschen haben das Recht, sich friedlich zu versammeln und sich zu Vereinigungen zusammenzuschliessen.
Niemand darf gezwungen werden, einer Vereinigung anzugehören.

Artikel 21 (Allgemeines und gleiches Wahlrecht)
Jeder Mensch hat das Recht, an der Gestaltung der öffentlichen Angelegenheiten des eigenen Landes unmittelbar oder durch frei gewählte Vertreter*innen mitzuwirken.
Jeder Mensch hat das Recht auf Zugang zu öffentlichen Ämtern in eigenen Land.
Der Wille des Volkes bildet die Grundlage für die Autorität der öffentlichen Gewalt; dieser Wille muss durch regelmässig, unverfälschte, allgemeine und gleiche Wahlen mit geheimer Stimmabgabe oder in einem gleichwertigen freien Wahlverfahren zu Ausdruck kommen.

Artikel 22 (Recht auf soziale Sicherheit)
Jeder Mensch hat als Mitglied der Gesellschaft das Recht auf soziale Sicherheit und Anspruch darauf, durch innerstaatliche Maßnahmen und internationale Zusammenarbeit sowie unter Berücksichtigung der Organisation und der Mittel jedes Staates in den Genuss der wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Rechte zu gelangen, die für die eigene Würde und die freie Entwicklung der eigenen Persönlichkeit unentbehrlich sind.

Artikel 23 ( Recht auf Arbeit, gleichen Lohn)
Jeder Mensch hat das Recht auf Arbeit, auf freie Berufswahl, auf gerechte und befriedigende Arbeitsbedingungen sowie auf Schutz vor Arbeitslosigkeit.
Jeder Mensch, ohne Unterschied, hat das Recht auf gleichen Lohn für gleiche Arbeit.
Jeder Mensch, der arbeitet, hat das Recht auf gerechte und befriedigende Entlohnung, die ihm und der eigenen Familie eine der menschlichen Würde entsprechende Existenz sichert, gegebenenfalls ergänzt durch andere soziale Schutzmassnahmen.
Jeder Mensch hat das Recht, zum Schutz der eigenen Interessen Gewerkschaften zu bilden und solchen beizutreten.

Artikel 24 (Recht auf Erholung und Freizeit)
Jeder Mensch hat das Recht auf Erholung und Freizeit und insbesondere auf eine vernünftige Begrenzung der Arbeitszeit und regelmäßigen bezahlten Urlaub.

Artikel 25 (Recht auf Wohlfahrt)
Jeder Mensch hat das Recht auf einen Lebensstandard, der Gesundheit und Wohl für sich selbst und die eigene Familie gewährleistet, einschliesslich Nahrung, Kleidung, Wohnung, ärztliche Versorgung und notwendige soziale Leistungen, sowie das Recht auf Sicherheit im Falle von Arbeitslosigkeit, Krankheit, Invalidität oder Verwitwung, im Alter sowie bei andersweitigem Verlust der eigenen Unterhaltsmittel durch unverschuldete Umstände.
Mütter und Kinder haben Anspruch auf besondere Fürsorge und Unterstützung. Alle Kinder, eheliche wie aussereheliche, geniessen den gleichen sozialen Schutz.

Artikel 26 (Recht auf Bildung)
Jeder Mensch hat das Recht auf Bildung. Die Bildung ist unentgeltlich, zumindest der Grundschulunterricht und die grundlegende Bildung. Der Grundschulunterricht ist obligatorisch. Fach- und Berufsschulunterricht müssen allgemein verfügbar gemacht werden und der Hochschulunterricht muss allen gleichermassen entsprechend ihren Fähigkeiten offen stehen.
Die Bildung muss auf die volle Entfaltung der menschlichen Persönlichkeit und auf die Stärkung der Achtung vor den Menschenrechten und Grundfreiheiten gerichtet sein. Sie muss zu Verständnis, Toleranz und Freundschaft zwischen allen Nationen und allen Gruppen, unabhängig von Herkunft und Religion, beitragen und der Tätigkeit der Vereinten Nationen für die Wahrung des Friedens förderlich sein.
Die Eltern haben ein vorrangiges Recht, die Art der Bildung zu wählen, die ihren Kindern zuteilwerden soll.

Artikel 27 (Freiheit des Kulturlebens)
Jeder Mensch hat das Recht, am kulturellen Leben der Gemeinschaft frei teilzunehmen, sich an den Künsten zu erfreuen und am wissenschaftlichen Fortschritt und dessen Errungenschaften teilzuhaben.
Alle Menschen haben das Recht auf Schutz der geistigen und materiellen Interessen, die ihnen als Urheber*innen von Werken der Wissenschaft, Literatur und Kunst erwachsen.

Artikel 28 (Soziale und internationale Ordnung)
Jeder Mensch hat Anspruch auf eine soziale und internationale Ordnung, in der die in dieser Erklärung verkündeten Rechte und Freiheiten voll verwirklicht werden können.

Artikel 29 (Grundpflichten)
Jeder Mensch hat Pflichten gegenüber der Gemeinschaft, in der allein die freie und volle Entfaltung der eigenen Persönlichkeit möglich ist.
Jeder Mensch ist bei der Ausübung der eigenen Rechte und Freiheiten nur den Beschränkungen unterworfen, die das Gesetz ausschließlich zu dem Zweck vorsieht, die Anerkennung und Achtung der Rechte und Freiheiten anderer zu sichern und den gerechten Anforderungen der Moral, der öffentlichen Ordnung und des allgemeinen Wohles in einer demokratischen Gesellschaft zu genügen.
Diese Rechte und Freiheiten dürfen in keinem Fall im Widerspruch zu den Zielen und Grundsätzen der Vereinten Nationen ausgeübt werden.

Artikel 30 (Auslegungsregel)
Keine Bestimmung dieser Erklärung darf dahin ausgelegt werden, dass sie für einen Staat, eine Gruppe oder eine Person irgendein Recht begründet, eine Tätigkeit auszuüben oder eine Handlung zu begehen, welche die Beseitigung der in dieser Erklärung verkündeten Rechte und Freiheiten zum Ziel hat.

Das waren nun also diese 30 Menschenrechte. Zugegeben, das war nun etwas viel und ich gehe davon aus, dass viele nicht bis zum Schluss gelesen haben oder lesen werden.
Also Gratulation, falls du es bis hier hin geschafft hast.

Nun liest man ja immer mal wieder von Personen oder Gruppierungen, die dazu aufrufen, dass man sich wehren soll, weil durch die Corona-Massnahmen unsere Menschenrechte verletzt werden. Sie beziehen sich wohl vor allem auf die Meinungsfreiheit und auf die Versammlungs- und Vereinigungsfreiheit (Artikel 19 und 20).

Man könnte sich drum streiten, ob diese Menschenrechte nun tatsächlich verletzt werden oder ob dabei eigentlich Artikel 3 (Recht auf Leben und Freiheit) zum Zuge kommt. Es ist Auslegungssache und ich denke, wie immer denkt jeder an die eigenen Bedürfnisse. So wäre es für viele, die sich ihrer Rechte beraubt fühlen, sehr okay, wenn Zugehörige der Risikogruppen zuhause blieben bzw. ihren Freiheiten beraubt würden, wenn sie selbst es dafür nicht wären.
Geht es aber dann darum, dass Nicht-Geimpfte möglicherweise aus Angst vor einer weiteren Verbreitung von Covid19 gewisse Einschränkungen erleben müssten, ist das dann nicht mehr okay, sondern Diskriminierung.
Ich möchte betonen, dass ich meine Meinung darüber sehr bewusst hier nicht schreibe. Auch nicht zwischen den Zeilen, wo ja auch immer wieder gern gelesen wird. Um meine persönliche Meinung, falls ich überhaupt eine habe, geht es hier nicht. Ich möchte nur aufzueigen, dass das alles irgendwie so nicht aufgeht. Für mich jedenfalls.

Man kann es sehen, wie man will.
Meine Meinung dazu (betr. Menschenrechte usw) ist, dass diese ganze Sache wohl eine sehr willkommene Bühne für einige Leute ist, auf der sie sich selbst darstellen und bewundern lassen können. Hand und Fuss hat das für mich nicht.
Zum andern finde ich, wenn man sich so grosse Sorgen um die Einhaltung der Menschenrechte macht, dann soll man sich nicht nur diejenigen herauspicken, die sich gerade so anbieten für eben diese Bühne. Es gäbe durchaus noch andere, die zuwenig Beachtung finden. Solange wir als Gesellschaft es durchaus okay finden, wenn zB im Mittelmeer Flüchtlinge erbärmlich ertrinken oder wir sogar noch froh sind, dass sie dadurch dann nicht uns auf der Tasche liegen, dann finde ich es irgendwie recht unangebracht, „Menschenrechts-Verletzung“ zu rufen, weil man für ein paar Monate nicht in Clubs oder Restaurants gehen darf. Und dabei bin ich mir voll bewusst, dass das tatsächlich eine grosse Einschränkung ist und ich verstehe es total, dass es fehlt und dass es ganz, ganz schwierig ist. Aber Menschenerechts-Verletzung? Really?
Ach ja, und ganz wichtig ist es, wenn es um Rechte geht, die damit verbundenen Pflichten dann aber auch nicht zu vergessen. (Eigentlich scheitert es irgendwie doch oft bereits bei Artikel 1…).




Von unendlich vielen elektrischen Impulsen…

Das Gehirn.
Es ist etwa 1,5 Kilogramm schwer und sitzt in unserem Kopf, gut eingebettet und geschützt vom Schädelknochen. Das ist wichtig, denn das Gehirn ist nicht nur für alle lebensnotwendigen Körperfunktionen verantwortlich, sondern ermöglicht uns ebenfalls das Denken und Erinnern. Das Gehirn ist auch das Zentrum unseres emotionalen Erlebens und hat also dementsprechend einen grossen Einfluss auf das Leben eines Menschen.
Unser Gehirn ist sozusagen unser Herz, denn alles was wir fühlen, findet im Gehirn statt.

Ich habe gerade ziemlich viel gelesen über unser Gehirn. Über die zwölf Hirnnerven, Milliarden von Nervenzellen, von sensorischen, motorischen und Gedankenfeldern, von Thalamus, Epithalamus, Metathalamus, Subthalamus und Hypothalamus. Eigentlich wollte ich hier noch etwas mehr darüber schreiben und erklären, aber meinem Gehirn ist das nun doch viel zu kompliziert und ich glaube, deins wird darüber auch nicht traurig sein.
Jedenfalls… hast du gewusst, dass wir einen eigenen Nerv haben fürs Augenrollen? Ich benutze den oft. 🙂

Es ist jedenfalls so, dass wir alle ein Gehirn haben, ohne das bei uns nicht viel gehen würde bzw. gar nichts. Wir brauchen es für wirklich alle lebensnotwendigen Funktionen. Und nicht zuletzt auch dafür, sich hunderttausend notwendige und weniger notwendige Gedanken über irgendwelche Dinge zu machen…
Bei jedem Gedanken arbeiten Netze von Neuronen in der Grosshirnrinde zusammen. Ein Gedanke sitzt nicht an einer bestimmten Stelle im Gehirn, sondern verstreut sich immer gleichzeitig über das gesamte Gehirn. Das sind eine Unmenge von elektrischen Impulsen, die sich blitzschnell in unserem Kopf ausbreiten. Und so erkläre ich es mir, dass Gedanken gespickt oder geprägt sind von Erinnerungen, Erfahrungen, Ängsten und allerlei Gefühlen. Wie ein Puzzle, das sich seine Teilchen in den verschiedenen Zentren des Gehirns zusammen sucht.

Also diese erwähnten hunderttausend Gedanken… Die mach ich mir auch immer… Ich finde das eigentlich ganz gut, jedenfalls meistens. Wenn man sich über etwas Gedanken macht, dann bedeutet das, dass man sich auseinander setzt mit einem Thema, dass einem etwas beschäftigt und wichtig ist. Ja, manchmal ist das auch lästig und belastend, aber oftmals ist es auch spannend.
Und richtig interessant wird es dann, wenn man erfährt, worüber sich andere eigentlich so Gedanken machen. Denn dann sieht man, dass das Gedanken-Machen eigentlich ganz normal ist und die Gedanken von Mensch zu Mensch auch gar nicht so verschieden sind. So ein Gedankenaustausch ist also durchaus erwünscht und hilfreich.

So habe ich heute von einer Mama mit drei Kindern gelesen, dass sie sich als ihre drei Kinder noch klein waren, manchmal überlegt hat, ob es einfacher gewesen wäre, nur eines zu haben, weil es sich mit drei Kindern manchmal wie zerreissen anfühlte. Und doch fand sie es am Ende der Gedanken immer wieder gut und genau richtig, so wie es war.
Das zu lesen fand ich interessant, erfrischend und erleichternd, weil ich mir solche Gedanken auch manchmal mache.
Aber andersrum.

Ich bin eine Einzelkind-Mama und ich mache mir schon immer wieder mal darüber Gedanken – auch besonders seit meiner Trennung vom Vater des Kindes – ob es unklug war, nur ein Kind zu haben. Denn, es fühlt sich wie zerreissen an. Manchmal zumindest. Wenn man das so sagen kann, keine Ahnung.
Oder anders gesagt, wäre es für das Kind und auch für mich besser (einfacher?) ,wenn es Geschwister hätte? Mir, weil ich mir diese (und tausend andere) Gedanken nicht machen müsste, obwohl ich weiss, dass ich mir dann vielleicht die Gedanken eben andersrum machen würde. Und ihr, weil sie jetzt Geschwister hätte zum Spielen usw. und so vielleicht weniger auf mich „fixiert“ wäre und später hätte sie eine Familie, Verwandtschaft. Sie wäre nicht allein. Und das ist eigentlich mein intensivster und auch belastendster Gedanke. Ich möchte nicht, dass mein Kind so alleine ist (auf die Familie bezogen), wie ich.
Ich glaube schon, dass das für mein Kind gut wäre. Und doch ist es, wie es ist und ich kann es nicht ändern. Mein Kind wird zurecht kommen. Ich weiss das.
Dabei mache ich mir dann aber schon auch die Gedanken, wie ich jetzt so allein über die Runden käme mit mehreren Kindern. Energiemässig, zeitlich und nicht zuletzt finanziell, wo das alles doch schon mit einem Kind sehr knapp ist. Zum einen wäre einiges bestimmt einfacher und anderes wäre schwieriger.

Zu guter Letzt weiss ich – so wie die dreifache Mutter, die ich oben erwähnt habe – dass es gut ist wie es ist.
Schlussendlich gehören vermutlich bei vielen Menschen solche oder ähnliche Gedanken dazu. Sich zu hinterfragen, auch mal zu zweifeln oder gar zu hadern… Sie helfen aber irgendwie in keiner Hinsicht weiter.

Es ist wie es ist und rückwirkend kann nichts mehr verändert werden. Die Vergangenheit ist vorbei, obwohl wir genau jetzt deren Resultat sind. Was aber in 10, 20 oder 30 Jahren oder morgen ist, das können wir noch mitbestimmen. Und das nicht zuletzt mit positiven und wohlwollenden Gedanken uns selbst und auch andern gegenüber.

Von unwichtig wichtigen Themen

Letztens habe ich unter einem Facebook-Bericht über Endometriose die vielen Kommentare gelesen. Unter anderem hat eine Frau geschrieben, dass sie es nicht versteht, dass man überall davon liest, obwohl es SIE gar nicht betrifft. Dass ihrer Meinung nach das Ganze total aufgebauscht wird und dass es Themen gäbe, bei denen es wichtiger wäre, darüber zu sprechen.
Welche Themen sind denn das, liebe Kommentatorin? Einfach ausschliesslich Themen, die SIE interessieren? Ach sooooo…..

Es muss nicht zwingend ein Bericht über Endometriose sein, das war nur ein Beispiel. Es kann irgendetwas sein und was einem dann entgegenkommt, ist wirklich viel Unverständnis, Missgunst und böse Worte. Natürlich auch anderes. Aber oft überwiegt da leider das Negative. Das fällt mir immer wieder sehr auf in der letzten Zeit bzw. schon eine Weile.

Das ist natürlich zum Teil der ganz normal gewordene Umgangston in den sozialen Medien und das wäre tatsächlich ein Thema für sich. Aber darum geht es nun nicht. Alle Medien sind voller solcher Themen. Einfach Themen und vielleicht zum Teil auch Missstände, auf die jemand aufmerksam machen möchte, sicher zum Teil auch aus einer eigenen Betroffenheit heraus. Und darunter Kommentare, die zu einem grossen Teil ganz viel Unverständnis ausdrücken. Diese Kommentare sind zwar in solchen Medien ganz bestimmt zu einem Teil auch Aggressionsabbau und wer weiss was noch alles. Im Schutz der angeblichen Anonymität ist es einfacher, sich negativ zu äussern, irgendwelchen Frust an Fremden raus zu lassen. Vielleicht jedenfalls einfacher als im sogenannten „richtigen Leben“, denn da müsste man ja hinter seiner Meinung stehen können und einer direkten Reaktion oder gar einer Diskussion stand halten können. Dafür braucht man Eier in der Hose.

Es geht in diesem Text hier null um mich oder persönliche Erfahrungen, es ist einfach nur eine Thematik, die mir sehr auffällt und deswegen greife ich sie auf. Persönlich habe ich es aber – wie ihr bestimmt auch – immer mal wieder erlebt, dass eigentlich recht gute Kontakte auseinander gehen, weil man gewisse Dinge im Leben oder das Leben selbst anders wahrnimmt als das Gegenüber. Natürlich ist das nicht die Regel und das ist auch gut so, es kommt aber dennoch vor. Das zeigt, dass gewisse Menschen doch eher eine kleine Spannweite an Vorstellungskraft und Einfühlungsvermögen haben.
Das klingt jetzt vielleicht sehr wertend und vermutlich ist es das auch, wenn ich auch niemanden angreifen möchte. Ich verstehe sowas einfach nicht so gut. Ich erlebe nämlich genau das Gegenteil auch. Ich bin sehr gut befreundet mit Menschen, die zum Teil in gewissen Themen total andere Meinungen haben als ich. Und doch geht das. Weil es andere gemeinsame Themen gibt und weil man einander kennt und weiss, dass es nicht nur Schwarz und Weiss gibt und dass verschiedene Meinungen Platz haben. Das ist doch super so!

Bevor ich hier aber nun in andere Themen abschweife, kommen wir zurück. Ich glaube, wir leben in einer Zeit, in der es endlich für viele Menschen möglich ist, sich selbst zu verwirklichen und vielleicht ganz einfach auch so zu leben, wie es sie glücklich macht. Lebensweisen, die vor Jahren versteckt gelebt werden mussten, die vielleicht tabu oder fast anrüchig waren.
Heute ist vieles möglich. Unsere moralischen Vorstellungen und Haltungen haben sich verändert und sind noch immer in Veränderung. Menschen probieren sich und ihr Leben aus, machen Erfahrungen und gehen neue Wege. Einiges ist für ganz viele neu und unbekannt und zum Teil ganz bestimmt auch befremdlich und komisch. Ich muss sagen, das verstehe ich schon auch. Ich bin total der Meinung, dass wir nicht alles wissen und kennen müssen. Ich finde es auch okay, dass es Dinge gibt, die bei uns komische Gefühle oder Fragen aufwerfen. Und Unverständnis. Umso wichtiger ist es also, dass Betroffene uns darüber erzählen.

Ich habe seit einer Weile den Eindruck, dass Schwarz-Weiss-Denken selten so sehr verbreitet und verankert war wie heute. Oder vielleicht sind nun unsere Meinungen einfach einsehbarer, transparenter und offener als zu anderen Zeiten? Man ist dafür oder dagegen, Ja oder Nein, Schwarz oder Weiss. Irgendwie ist alles möglich und dennoch leben wir in einer Welt, in der recht klar definiert ist, wie man zu sein hat. Unendliche Freiheit, Selbstverwirklichung und eine Gesellschafts-Norm, die einander beissen.
Wo bleiben denn da die Mittelwege, die Graustufen und das Wenn und Aber? Wo bleibt Verständnis, Toleranz und vielleicht zum Teil einfach auch Gleichgültigkeit zu Themen, die uns nicht betreffen? Leben und Leben lassen? Individualität?
Offensichtlich haben wir darin ein grosses Manko oder kommt es mir nur so vor?

Mir kommen einige Themen in den Sinn, die oft in den Medien sind. Betroffene, die über ihre Situation sprechen und informieren, wo erklärt und auch aufgeklärt wird. Wo alte Verhaltensweisen in Frage gestellt und neue Grenzen gesetzt werden. Haltungen und das eigene Menschenbild werden zum Thema, längst nicht alles was wir einst okay fanden bzw nie hinterfragten, ist es eigentlich nicht. Betroffene bitten um ein offenes Ohr und nicht nur das! Sie bitten um – nein, sie fordern Verständnis, Empathie, Toleranz und nicht zuletzt auch ein Umdenken und Veränderung. Auch sie möchten wahr- und ernstgenommen und in ihren Anliegen unterstützt werden. Es geht nicht zuletzt auch hier um Gleichstellung. Mit Recht.

Aktuelle Themen sind zB
Feminismus
Sexismus
Rassismus
Gewalt (an Kindern, Männern, Frauen, Tieren)
Sexualität und Beziehungen, die unterschiedliche gelebt werden
Betroffene von Krankheiten wie zB all die psychischen Erkrankungen (Depressionen, Psychosen, Schizophrenie…) oder wie erwähnt Endometriose, Krebs usw
Betroffene von körperlichen oder geistigen Einschränkungen
Gender-Themen
Todesfall eines Kindes in der Schwangerschaft, während der Geburt oder einfach irgendwann später
Alleinerziehende
Armutsbetroffene
usw., um nur einige zu erwähnen.

Ich glaube, zur Zeit ist jede*r ganz besonders mit sich und seinen bzw ihren Themen beschäftigt, bestimmt hat das auch einen Zusammenhang mit der ganzen Pandemie-Situation. Ich finde das nicht unnormal, denn was sonst wäre uns näher als unsere eigenen Themen, Sorgen und Nöte? Schlussendlich sieht jede und jeder sein bzw ihr Umfeld und die Welt durch die eigene Brille, gestaltet durch die eigenen, ganz persönlichen Themen, Gedanken und Gefühle. Wir Menschen sind ja nicht objektiv in unserem Denken. Nie.

Ich muss ehrlich sagen, ich habe nicht zu jedem Thema auf dieser Welt eine feste eigene Meinung und zwar ganz einfach aus dem Grund, weil ich mich nicht mit jedem Thema dieser Welt gut auskenne. Ehrlich gesagt, interessiert mich noch nicht mal jedes Thema. Nicht aus Ignoranz oder was auch immer, sondern einfach weil ich nicht für alles Zeit habe und mich nicht alles immer betrifft. Wenn Themen meinen Weg kreuzen, setze ich mich damit auseinander und wenn nicht, dann nehme ich mir auch mal die Freiheit, keine Meinung dazu zu haben.

Ich finde ja auch sehr stark, dass andere ja sowieso nicht auf meine Meinung oder Zustimmung angewiesen sind. (Wobei ich mir natürlich bewusst bin, dass es nicht nur um mich geht, sondern um eine ganze Gesellschaft und deren Umgang mit diesen Menschen.)
Wie soll ich zB als weisse Person darüber diskutieren können, ob eine dunkelhäutige Person sich bei diesem oder jenem Verhalten diskriminiert fühlen darf oder nicht? Ich kann das doch gar nicht beurteilen.
Oder warum bestimme ich als heterosexuelle Person, ob homosexuelle Liebespaare heiraten dürfen? Was geht mich das denn überhaupt an?
Oder warum findet eine nicht von Endometriose betroffene Frau, dass das kein wichtiges Thema ist? Wohl aus dem selben Grund, warum Männer und Frauen, die es nicht betrifft finden, dass man auf öffentlichen Toiletten keine Hygieneartikel kostenlos zur Verfügung stellen sollte.

Egal. Ich persönlich finde, wir alle sollten immer wieder mal die eigene Brille ablegen und regelmässig die Welt aus einer andern betrachten, um zu verstehen. Oder es zumindest zu versuchen. Ich finde es auch ganz okay, Dinge nicht zu verstehen, sie dann aber auch dementsprechend nicht zu werten, denn so eine Wertung fällt meist automatisch negativ aus. Ein bisschen wegkommen von diesem Gut-und-Schlecht-Denken, denn dazwischen gibt es noch allerlei anderes. Und vielleicht sich auch bewusster werden, dass es Themen gibt, die für andere sehr wichtig sind, obwohl ich persönlich sie unwichtig finde.

Es gibt so vieles ausser mir auf der Welt, obwohl wir ja gern meinen, sie drehe sich nur um uns selbst.

Gedanken zum Muttertag

Heute ist Muttertag.

Das ist einer dieser Tage im Jahr, an dem alle mit ihren Familien zusammen sind. Das finde ich schön für alle, ganz ehrlich. Und doch wird mir an solchen Tagen bewusster, dass mir das fehlt. Es ist nun halt einfach so, das ist unveränderbar.

Ich bin eine Mutter. Eine Mama. Ich habe mein Kind. Sie und ich sind eine Familie. Meine Familie, ihre Familie, unsere Familie. Das Allerwichtigste.

Bin ich noch eine Tochter, wenn keine Eltern mehr da sind? Ich glaube nicht. Ich war also mal eine Tochter, aber jetzt bin ich’s schon lange nicht nicht mehr.

Ich bin eine Ex-Frau. Die Mutter seines Kindes. Die Ex.

Bin ich noch die Schwägerin, die Tante und die Schwiegertochter der Familie meines Ex-Mannes? Ich glaube leider nicht, obwohl ich mich noch so fühle. Diese Rolle gehört nun aber meiner Nachfolgerin.

Ich bin eine Schwester, eine Nichte und eine Cousine. Jedenfalls theoretisch. Realistisch gesehen bin ich nichts von alldem, denn solche Rollen brauchen zwei, die dazu gehören. Zwei, die sich verbunden fühlen. Das habe ich nicht. Das Ende meines Familienbandes liegt irgendwo in der Schweiz brach, weil niemand seines daran knüpft. Trotzdem bin ich all das, jedoch ist es eine unausgefüllte Rolle.

Ich bin eine Freundin und eine mehr oder weniger innige Bekannte, all diese Verbindungen sind mir super-wichtig, jede auf ihre Art. Was würde ich ohne diese Menschen tun? Ich weiss es nicht.

Ich bin eine Arbeitskollegin und eine Bezugsperson für die Menschen, die ich betreue. Letzteres ist eine Dienstleistung, es ist mein Beruf und diese Verbindung beruht nicht auf Gegenseitigkeit, obwohl ich weiss, dass ich für diese Menschen eine wichtige Person bin. Ich mag sie auch und ich kenne sie gut und unsere Beziehung ist professionell. Meine Arbeitskollegen hingegen sind für mich auch Freunde geworden, die habe ich mega lieb.

Ich muss zugeben, ich hätte gerne jemanden, die für mich eine Schwester oder der für mich ein Bruder ist. Jemanden, der meine Familie ist. Mir fehlt das. In der letzten Zeit mehr. Ich habe das Gefühl, es wäre einfacher. Alles. Denn alles andere ist schlussendlich recht vergänglich. Freundschaften sind mal näher, mal weniger und man nimmt sich zurück, wenn man ganz besonders jemanden bräuchte, um nicht zuviel zu sein, um nicht zu belasten oder halt einfach, um nicht zu stören. Ich glaube, das ist ganz normal.

Ich habe Menschen in meinem Leben, die für mich wie eine Familie sind. Wie eine Familie, sie sind mir wichtig. Ich bin das für sie aber nicht, dessen bin ich mir sehr bewusst, denn sie haben ja eine Familie. Geschwister, vielleicht noch Eltern, Schwägerinnen und Schwager, Nichten und Neffen usw. Sie brauchen mich nicht als Familie. Das ist auch vollkommen okay so, ich bin froh für jeden, der das hat. Und eine Freundin zu sein, ist auch toll. Ich hoffe, ich bin eine gute. Ich hab da nicht schlechte Gefühle oder so und da macht auch niemand etwas falsch. Es ist einfach eine Realität.

Blut ist stärker als Wasser und ich glaube, dass das oft stimmt, obwohl nicht in jeder Familie alles okay ist. Freundschaften gehen auch mal auseinander, wenn man etwas Falsches sagt oder tut – schwupps Funkstille. Und dann ist man meine Freundinnen mehr. Ja, ich weiss, richtige Freunde gehen nicht einfach weg, denn sonst waren sie’s wohl gar nicht wirklich. Dann hat man sich etwas vorgemacht. Aber machts das besser? Nein. Umso enttäuschender.

Schwestern zB ist man immer noch, auch wenn man mal streitet oder die Distanz gross ist und irgendwann wirds einen wieder zueinander ziehen. Weil man tief verbunden ist.

So stelle ich es mir jedenfalls vor. So hätte ich es gerne.

Ich wünsche euch einen schönen Muttertag, egal ob ihr eine Mutter seid oder nicht.