puremyself

Meine Texte und Fotos

Ich habe den Titel „Allein“ geschrieben und stutzte, weil er mir bekannt vorkam. Habe ich darüber schon geschrieben? Und tatsächlich habe ich das, es ist noch nicht mal lange her. https://puremyself.blog/2019/01/04/allein/

Ich mache das nun trotzdem nochmal. Dasselbe Thema, andere Gedanken.

Ich muss sagen, ich denke viel darüber nach. Über das Allein sein. Ich möchte mich nicht beklagen, denn ich habe ein Umfeld. Ich weiss, dass es nicht allen so geht. Es gibt Menschen, die haben niemandem und es gibt viele Alleinerziehende, denen es so geht. Unter anderem.

Dann ist man plötzlich getrennt und findet sich irgendwann früher oder später zusammen mit dem Kind / den Kindern in der eigenen Wohnung. Die Trümmer hat man hinter sich gelassen. Lassen müssen. Denn es muss weiter gehen. Bergauf. Weiter! Geschwächt durch die letzten Monate des Trennungsschmerzes, der Ungewissheit, Angst und des totzdem einigermassen Funktionierens geht man weiter. Immer weiter. Und meistens geht das schon ganz gut. Den Rucksack mit der ganzen Verantwortung für dieses Kinderleben und auch für das eigene trägt man nun allein. Und obwohl ich diese Verantwortung schon immer hatte, fühlt es sich schwer an. Ich weiss nicht ob es ist, weil der Vater sich sozusagen offiziell ausgeklinkt hat oder ob ich einfach erschöpft bin. Aber es geht. Wie immer Schritt für Schritt, auf und ab.

Mein Thema sind soziale Kontakte. Neben Arbeiten, Haushalt, Terminen und Organisatorischem bleibt kaum Zeit für irgendwas. Für mich ist alles noch neu. Ich sehe es einigermassen positiv. Auch das wird sich einpendeln.

Ich habe an den Wochenenden frei und das Kind auch. Da spüre ich es wohl am deutlichsten, dass wir zwei irgendwie doch allein sind. Sonntag ist Familientag. Da möchte ich nicht stören. Und doch fehlen mir soziale Kontakte irgendwie.

Ich muss mich um neue Kontakte bemühen bzw müsste. Andere Alleinerziehende, denen es ähnlich geht. Aber ich kann das im Moment noch nicht. Ich bin noch nicht dazu bereit, grosse Schritte nach aussen zu machen. Ich habe die Energie dazu nicht, auch wenn das wohl lächerlich klingt. Ich merke auch, dass das Kind damit im Moment noch überfordert wäre. Und doch möchte ich ihr ein soziales Umfeld und ein Netz bieten, das uns hält. Gar nicht so einfach.

Vermutlich wird sich auch das einpendeln und ergeben und ich setze mich selbst zu stark unter Druck. Der Wunsch nach Normalität. Und ich vermisse meine Eltern, so stark wie seit Jahren nicht mehr. https://puremyself.blog/?s=September

Es ist bestimmt nicht so schlimm wie es sich anhört. Es sind einfach manchmal die Wochenenden. Während der Woche sind wir voll ausgelastet. Es braucht bestimmt Zeit, wenn sich das Leben so stark verändert und man muss geduldig sein, wohl vor allem mit sich selbst.

Also. Krönchen richten und weiter machen!

Vielleicht sind Narben gar keine Narben, sondern einfach Spuren, die das Leben hinterlässt. In uns und an uns, innerlich und äusserlich.

Und vielleicht machen wir diese manchmal noch schlimmer als sie eh schon sind, weil wir sie uns selber wieder aufreissen, um darin herumgrübeln, statt sie einfach heilen zu lassen.
Wenn wir nicht weitergehen wollen. Wenn wir nach Antworten suchen, die es nicht gibt. Wenn wir festhalten, aber loslassen müssten.
Dann vernarben Wunden manchmal lange nicht. Oder Narben werden wieder zu Wunden. Es ist schmerzhaft.

Und vielleicht sind wir das auch nicht immer selber, die unsere Narben aufreissen. Manchmal sind das andere Menschen, die das tun. Bewusst oder unbewusst.
Und wir lassen es zu.

Und wir verstecken unsere Narben. Manchmal.
Wir sehen sie als Makel. Als Schönheitsfehler. Als Schwäche. Dinge, die andere nicht sehen sollen, Dinge die kaschiert und versteckt werden sollen.
Aus Angst, dass sie uns weniger attraktiv erscheinen lassen. Weil wir uns schämen für das, was wir erlebt haben, was uns zugefügt wurde. Und manchmal, weil wir uns selbst nicht immer daran erinnern wollen, weil wir vergessen wollen.

Ich erinnere mich daran, dass meine Mutter früher oft gesagt hat „es heilt besser, wenn Luft dran kommt“ und ich glaube, sie hat recht. Natürlich meinte sie zum Beispiel Schürfwunden, die man sich als Kind ja öfter mal zufügt. Aber ich glaube, es passt auch auf die seelischen Wunden.
Wir müssen unsere Wunden und Narben nicht jedem zeigen, aber zu verstecken brauchen wir sie auch nicht. Sie gehören zu uns und zum Leben. Oft haben sie uns geprägt, ob wir das wahrhaben wollen oder nicht.

Jedes Leben hinterlässt Spuren an seinem Menschen, sichtbare und spürbare. Ich glaube, wenn wir uns trauen würden, sie als zu uns gehörig zu tragen, würden sich das andere auch trauen. Denn sie zu verstecken und zu überspielen braucht für die Betroffenen oft wahnsinnig viel Energie. Und zu sehen, dass es andern – oder allen – irgendwie ähnlich geht, wenn auch ganz anders, wäre auch für die Akzeptanz von sich selbst, aber auch von andern nicht so verkehrt.

Sie gehören dazu, unsere Verletzungen. Sie müssen weder hervorgehoben noch kaschiert werden. Genauso wie all die anderen Dinge, die uns ausmachen.

 

 

 

 

Wir wünschen uns wohl alle, verstanden zu werden. Aber verstehen wir auch? Und wie gehen wir damit um, wenn wir es nicht tun?

Niemand kann alles verstehen. Das ist total unmöglich. Ich glaube auch nicht, dass „verstehen“ bedeutet, etwas richtig oder gut zu finden. Ich finde, dass verstehen sehr viel mit der Fähigkeit, sich in etwas hinein zu fühlen und auch hinein zu denken zu tun hat. Oder nur damit. Man muss nicht alles erlebt haben, um etwas verstehen zu können. Jedenfalls mir geht es so. Meine Lebenserfahrung – und bestimmt auch besonders die schwierigeren Erfahrungen – helfen mir aber ganz bestimmt dabei, vieles anders zu sehen und vieles zu verstehen. Ich glaube, Menschen, die Abgründe gesehen haben, erkennen auch die Abgründe anderer. Aber nicht alle. Und Voraussetzung ist es auch nicht.

Ich habe in den letzten Monaten Situationen erlebt, in denen ich mir gewünscht habe, mein Gegenüber würde mich verstehen. Nicht viel, nur ein kleines bisschen. Es waren auch nicht viele Situationen, nur ein paar wenige. Und dennoch muss ich so oft daran denken. Ich kenne jemanden, der sagt, dass Negatives viel mehr wiegt als Positives und recht hat er. Negatives schneidet soooo tief ins Fleisch, während Positives sanft streichelt.

Wie oft habe ich still und heimlich voller Traurigkeit und Wut gedacht „ich wünsche dir sooooo sehr, dass du genau das auch erleben und verstehen wirst“. Und dann sofort, diese Gedanken wieder ausradiert, weil man schlimme Dinge niemandem wünscht. Blöd behandelt zu werden, das wünscht man aber ja auch niemandem.

Dann denke ich: KARMA. Ihr Verhalten wird auf sie zurück kommen. Daran glaube ich, sei es im Positiven sowie im Negativen. Ich glaube nicht, dass Karma eine Bestrafung ist, sondern die Chance zu lernen. Sich zu entwickeln. In diesem Leben oder in einem andern… Irgendwann gibt uns das Leben die Situationen, an denen wir wachsen müssen…. können…. dürfen. Und es gibt sie uns immer wieder, bis wir uns ihnen stellen. Welche Themen es warum sind, wissen wir oft nicht, fragen nach Sinn. Nach Gerechtigkeit.

Und vielleicht ist es Karma. Vielleicht.

(Nachtrag: Und vielleicht muss man nicht mal verstanden werden, um anständig behandelt zu werden…

Das ist irgendwie Charaktersache…)

Es gibt viel Trauriges auf der Welt.
Internationale Konflikte, Bürgerkriege und andere Katastrophen. Viel Elend. 130 Millionen Menschen sollen weltweit in Not sein. Ganze Bevölkerungsgruppen.
Wir können vieles mitverfolgen, sind mehr oder weniger informiert. Viele Menschen möchten helfen und tun dies auch tatsächlich.
Unser Blick richtet sich immer auf ein aktuelles Krisengebiet bzw. wird von den Medien geführt. Informiert, manipuliert, verschwiegen, verdreht, was auch immer. Wir können nicht überall hinschauen, ich glaube es ist zuviel und wir könnten damit nicht umgehen. Vielleicht müssen wir das auch gar nicht. Mein Thema heute ist ein anderes und ich beginne nochmals mit meinem ersten Satz:

Es gibt viel Trauriges auf der Welt.
Schicksale, von denen wir nichts wissen oder nur am Rand etwas mitbekommen. Jeden Tag. In unserer Strasse, in unserer Stadt, in der Nachbarschaft, in der Familie. Die kleinen Katastrophen finden oft hinter verschlossenen Türen statt. Und unter „klein“ verstehe ich nicht, dass sie unbedeutend sind oder nicht ernst zu nehmen, nein. Ich meine Einzelschicksale. Tragödien. Schwierige Situationen.

Was wissen wir wirklich von unserem Umfeld? Oder wo schauen wir hin und wo nicht?

Die Rentnerin, deren Mann vor ein paar Jahren gestorben ist.
Der junge Mann, der sich durch Glücksspiele verschuldet hat.
Der kleine Junge, der in der Schule jeden Tag ausgelacht wird.
Der Mann, der unter Depressionen leidet.
Seine Frau, die nicht weiss, wie sie ihm helfen kann und daran verzweifelt.
Das Mädchen, das von seinem Onkel regelmässig angefasst wird.
Die Frau, die gestern die Kündigung im Job erhalten hat.
Der Mann, der vor zwei Jahren einen Fussgänger angefahren und tödlich verletzt hat.
Die junge Mutter, die total übermüdet und mit den Nerven am Ende ist.
Die Mann, dessen Frau vor kurzem an Krebs gestorben ist.
Die Frau, die weiss dass ihr Mann sie betrügt.
Das Mädchen, das in der Schule unter starkem Leistungsdruck steht.
Der alte Mann, dessen Hund heute eingeschläfert werden muss.
Das Paar, das ein Kind verloren hat.
Das Mädchen, dessen Mama manisch-depressiv ist.
Die alleinerziehende Frau, die nicht weiss, wie sie Arbeit, Kinder und Haushalt unter einen Hut bringen soll.
Der Mann, dessen Freundin vor kurzem ausgezogen ist.
Der geschiedene Vater, der seine Kinder vermisst.
Die Familie, die nicht weiss wie sie ihre Rechnungen bezahlen soll.
Die Frau, die Weihnachten ganz alleine verbringt. Weinend.
Die Mutter, die ihrem Kind keine neuen Stiefel kaufen kann.
Der Vater, der mit dem Druck im Job überfordert ist.

Es gibt Dinge, über die sprechen wir nicht wirklich. Vielleicht aus Scham. Aus Selbstschutz. Weil man andere nicht überfordern will. Weil man noch nicht bereit für eine Veränderung ist. Aus Angst vor der Reaktion. Aus Angst vor sozialen Konsequenzen.

Es gibt aber auch Dinge, die sehen wir. Wir wissen, dass die ältere Nachbarsfrau allein und vielleicht einsam ist. Dass die Frau, die letzte Woche ihren Mann begraben hat, in Trauer ist usw

Ein Problem wird nicht zu unserem, wenn wir hinsehen und fragen, ob wir helfen können. Aber vielleicht wird ein Problem für jemanden ein bisschen kleiner, wenn jemand da ist. Es sind die kleinen Gesten, die sehr helfen, die sehr Mut machen.

Ein paar freundliche Worte, ein Besuch, eine Einladung, Interesse zeigen… Und Sonnenstrahlen durchbrechen dunkle Wolken. Ich erinnere mich an solche Situationen nach der Trennung von meinem Mann. Eine Einladung zum Mittagessen, die Hilfe beim Umzug, freundliche Worte, fragen „wie gehts dir?“ und es wirklich hören wollen…

Ich möchte dazu aufmuntern, es auszuprobieren.
Und ich möchte auch dazu ermutigen, darüber zu sprechen, wenn etwas nicht gut ist, dem Umfeld ein Zeichen zu geben.

Wir können nicht überall helfen und das müssen wir nicht. Aber wenn sich jeder um jemanden sorgt, ist keiner allein.

 

Ein Leben.
Es fängt bei der Zeugung an und endet mit dem Tod. Jedenfalls unser irdisches. Was davor oder danach ist oder nicht ist, da gehen die Meinungen auseinander. Wissen tut es keiner. Einige glauben, es zu wissen. Einige haben Hoffnungen und Wünsche, wie es sein soll und wieder andere haben komplett andere Ideen.
Was zwischen Zeugung und Tod ist, das wissen wir. Es ist das Leben.

Das Leben.
Mein Leben.

Es ist unberechenbar.
Niemand weiss, wie lange es dauert. Die durchschnittliche Lebenserwartung eines Menschen ist laut Google bei 79 Jahren. Durchschnittlich. Das bedeutet, es gibt Leben, die deutlich länger dauern, 90 oder sogar gegen 100 Jahre. Und es gibt Leben, die kürzer sind, manche gar viel zu kurz. Und unsere Wahrnehmung ist irgendwie total anders. Egal, in welchem Alter jemand stirbt, seinen Liebsten kommt es zu früh vor. Das ist der Schmerz, das Vermissen und die Trauer, die uns das so empfinden lassen.

Es ist unberechenbar.
Und zwar nicht nur was seine Länge betrifft, sondern auch was seinen Inhalt betrifft. Auf der Erde wohnen gegen die acht Milliarden Menschen und jedes einzelne Leben nimmt einen anderen Verlauf. Einige ähneln sich und trotzdem sind sie verschieden. Jeder Mensch hat seinen individuellen, eigenen Weg, sein eigenes Schicksal und seine ganz persönliche Art, damit umzugehen, welches ihn wieder zu Menschen oder Ereignissen führt, die nur er genau so erlebt und fühlt. Für mich hat Leben sehr viel mit wahrnehmen zu tun. Wie wir Dinge wahrnehmen und erleben, lässt unsere Persönlichkeit wachsen und sich auf ihre ganz eigene Art entwickeln. Ebenso die Menschen, denen wir begegnen. Es gibt Dinge, die können wir selbst bestimmen. Entscheidungen, die wir fällen müssen oder dürfen. Menschen, die wir in unserem Leben haben möchten. Ereignisse, an denen wir teilnehmen. Andere bestimmt das Schicksal. Oder der Zufall. Man nenne es wie man wolle. Dinge, die einfach geschehen, ungefragt und ungeplant. Das kann im besten Fall etwas Positives sein wie ein Job-Angebot, ein Gewinn, sich verlieben, Freundschaft usw. Es kann aber auch etwas Schwieriges sein, z.B. eine Krankheit (eine eigene oder die einer nahestehenden Person), ein Todesfall, ein Unfall usw. Geschehnisse, die uns im Moment und meistens für eine ganze Weile durchschütteln und vieles über den Haufen werfen. Ich habe oft darüber geschrieben, ihr könnt es in einigen meiner Texte nachlesen.

Und was ist nun das Ziel des Lebens? Der Sinn des Lebens?
Vermutlich ist dies eine ziemlich philosophische Frage. Eine Frage, auf die es keine klaren Antworten gibt. Ich glaube, die meisten Menschen fragen sich das immer wieder und finden nicht mal für sich selbst Antworten. Ich denke, gläubige Menschen finden einen Sinn in ihrem Glauben. Darin, was nach dem Tod geschieht. Und das zeigt ihnen, wie sie dieses Leben zu leben haben, um dieses Ziel zu erreichen. Man nennt das Halt und ich glaube, das ist etwas wichtiges, etwas das jeder braucht und wohl jeder immer wieder mal sucht, sei es in Personen oder in Dingen oder wie gesagt, im Glauben. Irgendwo muss der Mensch sich festhalten können, besonders in Momenten des Fallens.

Und was ist er nun, der Sinn des Lebens?
Glücklich sein?
Ein guter Mensch sein?
Erfolgreich sein?
Wohlhabend sein?
Geliebt werden und lieben?
Ich weiss es nicht. Vermutlich liegt die Antwort überall ein bisschen. Für mich ist es auch wichtig, mich zu entwickeln, dazu zu lernen und Situationen zu meistern. Es ist nicht das Ziel, keine schwierigen Dinge zu erleben, sondern zu lernen sie zu meistern. Zu lernen, nicht zu verzweifeln und zu erfahren, wie stark ich bin. Ich will mich dem Leben stellen mit allem, was es für mich noch bereit hält.

Ich weiss, dass jeder von uns viel durchmacht. Es ist normal. Immer wieder Herausforderungen und so richtig geil ist das nicht. Aber was bleibt uns anderes übrig? Lassen wir uns nicht davon unterkriegen und geniessen wir die schönen Momente, denn solche gibt’s auch sehr viele. Wir haben ein ganzes Leben zu leben. Es wäre schade, wenn wir es nur traurig verbringen würden. In gewissen Momenten ist das einfacher gesagt als getan, ich weiss… Aber wir schaffen das! Und wenn nicht, dann helfen wir einander. Abgemacht?

 

 

 

In Deutschland hat sich eine Frau öffentlich gegen Faschismus geäussert.

„Nazis raus“ hat sie gesagt.
Wohl als Gegenpol zum weit verbreiteten „Ausländer raus“.

Danach wurde bzw wird sie aufs Schlimmste beschimpft und bedroht. Ihr wird der Tod gewünscht. Und dass sie vergewaltigt wird. Und noch so einiges anderes. Ich habe einige der Kommentare gelesen, die an sie gerichtet wurden und es ist nichts anderes als nur schockierend und völlig daneben.
(Natürlich und Gott sei Dank wurde ihr neben dem auch wahnsinnig viel Solidarität und positives Feedback entgegengebracht.)

Da fragt man sich ja schon, was denn das für Menschen sind, die so aggressiv reagieren, wenn sie „Nazis raus“ hören? Nazis wurden angesprochen, also sind es wohl auch Nazis, die reagieren, die sich bedroht und angegriffen fühlen.

Nazis.
Nazis sind Rechtsextreme.
Nazis sind nicht Menschen, die Parteien angehören, die eher gegen rechts tendieren, nein.
Nazis sind auch keine Patrioten.
Nazis sind Menschen, die hasserfüllt übers Ziel hinaus schiessen. Offensichtlich gewaltbereit und zu allem bereit.

Und was ist das eigentlich für eine Welt, in der man sich nicht gegen Nazis äussern darf, ohne Angst haben zu müssen? Schreiben wir das Jahr 2019 oder 1939?

Wenn es um Nazis geht, blicken wir (ich bin ja Schweizerin) immer gern vorwurfsvoll zu unserem Nachbarn Deutschland, heben den Zeigefinger und sagen „so etwas darf nie wieder passieren“. Aber es passiert nicht nur in Deutschland. Es passiert überall, auch bei uns. Kann es wirklich sein, dass wir da in etwas hineinschlittern und keiner kann etwas dagegen tun? Wie damals?
Ich weiss nicht, was ich dazu sagen soll, um ehrlich zu sein.

Ich bin keine Fachperson der Politik oder in Flüchtlings- und Faschismus-Fragen. Meine Theorie ist ja, dass Extremismus zum einen Teil aus Angst entsteht. Aus Angst vor dem Fremden. Aus Angst, man könnte etwas verlieren (Wohlstand, Sicherheit…). Und aus Angst vor einer unbekannten Bedrohung.
Ich finde schon, dass man da mehr Energie hineinstecken könnte, diese Ängste abzubauen. So dass Fremdes nicht mehr Fremd ist. Nicht mehr so bedrohlich.

Ich finde auch, dass mehr  aufgeklärt werden könnte, z.B. über diese Kriege. Über Terrorismus. Wir wissen wenig, was in diesen Ländern vor sich geht. Hintergründe. Man hört immer wieder, dass wir westlichen Länder Armeematerial, Fahrzeuge und auch Waffen in diese Ländern liefern. Verkaufen. Gegen gutes Geld, das wir ja gerne nehmen. Wir unterstützen damit, dass Kriege geführt werden können. Dass Terroristen Waffen und Munition zur Verfügung stehen. Wir machen uns mitschuldig.
Nur wissen viele von uns das nicht, glaube ich. Oder wollen es nicht wissen. Ist einfacher…

Ich glaube auch, dass Menschen besser eingebettet werden müssen in der Gesellschaft.
Extreme Gruppierungen wissen, wo sie sich ihre Mitglieder zusammensuchen müssen. Sie wissen, wie man Menschen, die sich unverstanden und allein fühlen, die wütend und enttäuscht sind, einlullt und für sich gewinnt. Angstmacherei und Zusammengehörigkeit.
Da spreche ich nicht nur von Rechtsextremen, sondern von Extremen jeglicher Art. Linksextreme ebenso. Oder Sekten.

Aufpassen. Zueinander Sorge tragen, egal woher jemand ist, egal wer jemand ist.
Es soll nicht nochmal passieren. Darf nicht.

Ich habe gerade bei Facebook einen Beitrag gelesen, in dem eine alleinerziehende Frau sich Kinderkrippen wünscht, die 24 Stunden geöffnet sind. Für Elternteile, die zB nachts oder bis spätabends arbeiten. Und die darunterstehenden Kommentare. Ich muss sagen, einige davon haben mich doch ziemlich erschreckt.

Ich habe immer gearbeitet, um meinen Beitrag ans Familienbudget beizusteuern. Das kommt mir jetzt zugute, denn ich bin seit kurzem alleinerziehend. Das heisst, ich muss nun allein für unsere Familienkosten aufkommen. Ich war noch nie so sehr auf meinen Job angewiesen wie jetzt. Ich war auch noch nie so erschöpft wie jetzt.

Ich habe es mir damals sehr gut überlegt (bzw damals noch wir), ob wir ein Kind bekommen wollen. Wir haben uns dafür entschieden und ich kann jetzt nur für mich sprechen. Ich war mir der Verantwortung sehr wohl bewusst und ich war und bin bereit, diese zu tragen. Diese Entscheidung wurde im Glauben getroffen, dass diese Beziehung, diese Ehe halten wird. Ich denke, es gibt bestimmt auch andere Situationen, aber meistens ist es wohl so, dass Paare sich das wünschen. Dass es funktionieren wird. Für immer. Wie man es sich so schön verspricht beim Heiraten, ne?

Ich hätte nie im Leben gedacht, dass sich alles so verändern würde und dass ich irgendwann allein da stehe mit dem Kind.

Ich reisse mir eigentlich täglich den Arsch auf, um zurecht zu kommen. So eine Trennung und ihre Umstände können einem ganz schön zusetzen. Dem Kind übrigens auch. Da bleibt einem wenig anderes übrig, als möglichst schnell wieder einigermassen zu funktionieren. Für das Kind. Für die Zukunft. Das macht müde. Und es ist ein weiter Weg. Wenn man denkt, vieles überstanden zu haben, gehts erst richtig los. Aber das ist alles okay. Es geht vielen so und auch ich schaffe das. Es geht mir nicht ums Jammern.

Aber so eine Scheisse muss man dann ja auch nicht lesen müssen, oder?