
Ich bin vor Kurzem auf ein Bild gestossen, auf dem gezeigt wurde, wie Menschen mit Astigmatismus nachts Lichter sehen. Strassenlaternen, Autoscheinwerfer, Ampeln – und um all diese Lichtquellen herum lange Strahlen, Schlieren oder sternförmige Lichtausläufer.
Ich habe gemerkt, dass ich ja auch alles so sehe und habe dann nachgelesen, was Astigmatismus eigentlich ist. Und musste feststellen: Ich habe das sogar, denn Astigmatismus ist nichts anderes als das, was wir meistens Hornhautverkrümmung nennen. Das wusste ich tatsächlich nicht.
Bei einem normal geformten Auge ist die Hornhaut möglichst gleichmässig gewölbt. Man kann sich das ein bisschen wie einen Fussball vorstellen. Bei einer Hornhautverkrümmung ist diese Wölbung in unterschiedlichen Richtungen verschieden stark – vereinfacht gesagt eher wie bei einem Rugbyball. Dadurch wird das Licht, das ins Auge fällt, nicht genau in einem einzigen Punkt auf der Netzhaut gebündelt und deshalb entsteht kein vollkommen scharfes Bild.
Interessanterweise bedeutet das Wort Astigmatismus genau das. Es stammt aus dem Griechischen. Stigma bedeutet „Punkt“ und das vorangestellte a- bedeutet „ohne“ oder „nicht“.
Astigmatismus bedeutet also sinngemäss „ohne Punkt“. Das Licht trifft sich im Auge nicht in einem einzigen scharfen Brennpunkt.
Im Alltag kann sich das ganz unterschiedlich bemerkbar machen. Konturen können etwas unscharf oder verzerrt erscheinen, kleine Schriften anstrengender sein und die Augen schneller ermüden. Bei stärkerem Astigmatismus können auch Kopfschmerzen auftreten.
Besonders auffällig kann er aber tatsächlich nachts werden. Dann ist die Pupille weiter geöffnet als bei Tageslicht. Dadurch gelangt Licht auch durch weiter aussen liegende Bereiche der Hornhaut ins Auge, und optische Unregelmässigkeiten können stärker auffallen. Lichtquellen können dann beispielsweise sternförmig, länglich, verschmiert oder mit Strahlen versehen erscheinen. Genau diese Bilder hatte ich gesehen.
Allerdings – und das finde ich wichtig – bedeutet dieses typische „Sterne-und-Strahlen-Sehen“ nachts nicht automatisch, dass jemand Astigmatismus hat. Solche sogenannten Starbursts oder Lichtschlieren können auch bei Menschen ohne Hornhautverkrümmung vorkommen und andere Ursachen haben. Ein Bild im Internet ist also kein Sehtest.
Bei mir passte es allerdings ziemlich gut zusammen, weil ich tatsächlich eine diagnostizierte Hornhautverkrümmung habe.
Was ich ebenfalls nicht wusste: Astigmatismus ist ausgesprochen häufig. Eine leichte Hornhautverkrümmung haben sehr viele Menschen und oftmals merken sie davon kaum etwas. Sie kann ausserdem gleichzeitig mit Kurz- oder Weitsichtigkeit auftreten.
Korrigieren lässt sie sich normalerweise problemlos mit einer entsprechend geschliffenen Brille oder mit sogenannten torischen Kontaktlinsen.
Und wieder einmal habe ich etwas gelernt, bei dem ich vorher zwei Dinge im Kopf hatte, von denen ich überhaupt nicht wusste, dass sie zusammengehören: Astigmatismus = Hornhautverkrümmung.
Jetzt weiss ich auch, warum die Welt für mich nachts manchmal ein kleines bisschen mehr funkelt als vorgesehen (klingt jetzt schöner als es ist, muss ich ehrlich sagen…).


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