
Es gibt Geschichten, die klingen wie aus einem Hollywood-Film. Man hört sie zum ersten Mal und ist überzeugt, dass sie vermutlich erfunden sind. So zB die folgende:
Die Geschichte von D. B. Cooper ist tatsächlich passiert. Bis heute gilt sie als eines der grössten ungelösten Rätsel der Kriminalgeschichte. Niemand weiss, wer dieser Mann wirklich war. Niemand weiss, ob er den Sprung überlebt hat. Und niemand weiss, wohin er mit seinem Lösegeld verschwunden ist.
Aber fangen wir doch lieber am Anfang an:
Alles begann am 24. November 1971. Ein unauffälliger Mann betrat den Flughafen von Portland im US-Bundesstaat Oregon. Er war elegant gekleidet, trug einen dunklen Anzug, ein weisses Hemd, eine schmale Krawatte und einen schwarzen Regenmantel. Er wirkte höflich, ruhig und vollkommen unscheinbar. Niemand hätte geahnt, dass dieser Mann wenige Stunden später Geschichte schreiben würde.
Er kaufte sich ein einfaches Flugticket für den kurzen Flug nach Seattle. Auf dem Ticket stand der Name Dan Cooper. Erst durch einen Fehler eines Journalisten wurde später aus Dan Cooper der Name D. B. Cooper. Unter diesem Namen kennt ihn die ganze Welt bis heute.
Nachdem das Flugzeug gestartet war, rief Cooper eine Flugbegleiterin zu sich und gab ihr einen kleinen Zettel. Sie dachte zuerst, es handle sich um einen Flirtversuch oder vielleicht um eine Telefonnummer. Sie steckte den Zettel in ihre Tasche, ohne ihn anzusehen.
Darauf sagte Cooper ganz ruhig: «Miss, Sie sollten den Zettel lesen. Ich habe eine Bombe.»
Als sie den Zettel öffnete, stockte ihr der Atem. Tatsächlich stand dort, dass er eine Bombe bei sich habe. Cooper öffnete daraufhin kurz seine Aktentasche. Darin lagen mehrere rote Stäbe, Kabel und etwas, das wie ein Zünder aussah. Ob es sich wirklich um eine funktionierende Bombe handelte, weiss bis heute niemand. Doch in diesem Moment wollte niemand das Risiko eingehen.
Seine Forderungen waren erstaunlich präzise. Er verlangte 200.000 Dollar in 20-Dollar-Noten sowie vier Fallschirme. Ausserdem sollte nach der Landung ein Tankwagen bereitstehen, damit das Flugzeug sofort wieder starten konnte.
Das Flugzeug landete schliesslich in Seattle. Die Behörden erfüllten tatsächlich alle seine Forderungen. Das Lösegeld wurde übergeben, ebenso die Fallschirme. Im Gegenzug liess Cooper alle Passagiere frei. Nur die Piloten und einige Besatzungsmitglieder mussten an Bord bleiben.
Dann begann der zweite Teil seines Plans. Er befahl den Piloten, Richtung Mexiko-Stadt zu fliegen. Dabei machte er ungewöhnlich genaue Vorgaben. Das Flugzeug sollte relativ tief fliegen, langsam unterwegs sein und die Landeklappen teilweise ausgefahren haben. Später vermuteten Experten deshalb, dass Cooper sich gut mit Flugzeugen auskannte.
Während draussen Regen, Wind und Dunkelheit herrschten, zog Cooper einen der Fallschirme an, nahm den Sack mit den 200.000 Dollar und öffnete die hintere Treppe der Boeing 727. Dieses Flugzeug war damals eines der wenigen Modelle, bei denen sich die hintere Treppe auch während des Fluges öffnen liess.
(Es war so, dass mit der Tür gleichzeitig eine Treppe nach unten aus dem Heck ausklappte.)
Irgendwo über den dichten Wäldern des Bundesstaates Washington sprang Cooper aus dem Flugzeug.
Mitten in der Nacht, mit einem Fallschirm und mit 200.000 Dollar auf dem Rücken.
Niemand hat ihn je wieder gesehen.
Als das Flugzeug später landete, war Cooper verschwunden. Zurück blieben nur einige persönliche Gegenstände, darunter seine Krawatte und ein paar Zigarettenstummel. Letztere wurden allerdings später vernichtet, weil damals niemand ahnte, dass man daraus Jahrzehnte später vielleicht DNA hätte gewinnen können.
Das FBI startete eine riesige Fahndung. Wälder wurden durchsucht, Flüsse abgesucht und Hunderte Verdächtige überprüft. Immer wieder glaubte man, den geheimnisvollen Entführer gefunden zu haben. Doch keiner der Verdächtigen konnte zweifelsfrei als D. B. Cooper identifiziert werden.
Neun Jahre später, im Jahr 1980, machte ein achtjähriger Junge eine erstaunliche Entdeckung. Beim Spielen an einem Flussufer fand er mehrere stark verwitterte Bündel mit 20-Dollar-Scheinen. Die Seriennummern stimmten exakt mit denen des Lösegeldes überein. Insgesamt waren es 5800 Dollar. Der restliche Betrag blieb jedoch bis heute verschwunden.
Ob Cooper den Sprung überhaupt überlebt hat, darüber streiten Fachleute bis heute. Die Bedingungen waren alles andere als ideal. Es war kalt, regnerisch und stockdunkel. Unter ihm lagen dichte Wälder und unwegsames Gelände. Viele glauben deshalb, dass er beim Aufprall ums Leben kam.
Andere sind überzeugt, dass er seinen Plan sorgfältig vorbereitet hatte und genau wusste, was er tat. Vielleicht wartete sogar jemand am Boden auf ihn. Vielleicht lebte er noch viele Jahre unter einer falschen Identität. Vielleicht erzählte er nie jemandem von seinem grössten Geheimnis.
Im Jahr 2016 stellte das FBI die offiziellen Ermittlungen ein. Der Fall war zwar nicht gelöst, aber trotz jahrzehntelanger Suche tauchten keine entscheidenden neuen Hinweise mehr auf.
Ich finde diese Geschichte spannend. Wir sind es gewohnt, auf fast jede Frage eine Antwort zu finden. Doch D. B. Cooper scheint, als wäre er nach seinem Sprung einfach vom Erdboden verschwunden.
Vermutlich werden wir nie erfahren, wer er wirklich war. Und genau das macht seine Geschichte bis heute so geheimnisvoll.


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