HD 189733b – der Planet, auf dem es Glas regnet


Manchmal denke ich, dass wir Menschen glauben, wir hätten schon fast alles entdeckt. Und dann lese ich von einem Ort wie HD 189733b und merke wieder, wie unvorstellbar gross und verrückt und total unfassbar unser Universum eigentlich ist.

Etwa 63 Lichtjahre von der Erde entfernt kreist dieser Planet um seinen Stern. Sein Name klingt eher wie eine Zahlenkombination als wie der Name einer Welt. Und doch gehört er zu den aussergewöhnlichsten Planeten, die „wir“ bisher entdeckt haben.

HD 189733b wurde im Jahr 2005 entdeckt. Er gehört zu den sogenannten heissen Jupitern. Das sind riesige Gasplaneten, die ungefähr so gross wie Jupiter sind, ihren Stern aber in einer extrem geringen Entfernung umkreisen. Während unsere Erde 365 Tage für einen Umlauf um die Sonne benötigt, schafft HD 189733b das in gerade einmal 2,2 Tagen.

Diese Nähe hat dramatische Folgen.

Auf der Tagseite herrschen Temperaturen von über 1000 Grad Celsius, teilweise sogar bis zu 1300 Grad. Dort ist es so heiss, dass Stoffe, die wir auf der Erde als fest kennen, verdampfen können. Die Nachtseite ist deutlich kühler, doch auch dort wäre Leben, wie wir es kennen, unmöglich.

Das Erstaunliche ist jedoch etwas anderes: Woher wissen wir das alles überhaupt? Schliesslich hat noch nie jemand diesen Planeten besucht. Nicht einmal die stärksten Teleskope können ihn einfach fotografieren wie Mars oder Jupiter.
Die Antwort finde ich fast genauso faszinierend wie den Planeten selbst.

Immer wenn HD 189733b von der Erde aus gesehen vor seinem Stern vorbeizieht, wird das Licht des Sterns für kurze Zeit ganz leicht dunkler. Diese winzige Veränderung ist so klein, dass sie mit blossem Auge niemals sichtbar wäre. Moderne Teleskope können sie jedoch erstaunlich genau messen. Daraus lassen sich Grösse, Umlaufzeit und sogar das Gewicht des Planeten berechnen.

Doch damit hört es nicht auf.
Ein kleiner Teil des Sternenlichts scheint beim Vorbeiziehen durch die Atmosphäre des Planeten. Jedes Gas hinterlässt dabei eine ganz bestimmte Spur im Licht – fast so wie einen Fingerabdruck. Mit dieser Methode konnten Forschende herausfinden, welche Stoffe sich dort befinden.
Und genau dabei stiessen sie auf etwas ganz Besonderes.

In der Atmosphäre befinden sich Silikate – Mineralien, aus denen auf der Erde unter anderem Glas hergestellt wird. Durch die enorme Hitze verdampfen diese Stoffe zunächst. In den etwas kühleren Schichten der Atmosphäre bilden sich daraus winzige Glaspartikel.

Gleichzeitig fegen Winde mit Geschwindigkeiten von über 8000 Kilometern pro Stunde über den Planeten. Zum Vergleich: Ein Passagierflugzeug fliegt mit ungefähr 900 Kilometern pro Stunde. Die Winde auf HD 189733b sind also fast zehnmal schneller.
Ein sehr starker Hurrikan der höchsten Kategorie 5 erreicht anhaltende Windgeschwindigkeiten von etwa 250 bis 320 km/h. Böen können lokal etwas höher sein, liegen aber normalerweise unter 350 km/h. Die Winde auf dem Planeten HD 189733b sind etwa 9x so stark.

Deshalb gehen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler davon aus, dass der Glasregen nicht senkrecht nach unten fällt. Er wird beinahe waagrecht über den Planeten gepeitscht, wie ein unvorstellbar heftiger Sandsturm aus scharfem, glühendem Glas.

Obwohl wir das Wetter dort nie direkt beobachten konnten, sprechen viele Messungen genau für dieses Szenario. Es ist die wissenschaftlich plausibelste Erklärung für das, was wir sehen.

Fast schon paradox finde ich, dass dieser Planet wunderschön aussieht.
Auf Aufnahmen erscheint HD 189733b in einem tiefen, leuchtenden Blau. Fast wie eine ferne Version unserer Erde. Als ich das erste Bild gesehen habe, dachte ich sofort an Ozeane. Doch diese gibt es dort nicht.

Die blaue Farbe entsteht wahrscheinlich dadurch, dass winzige Silikatpartikel in der Atmosphäre das blaue Licht besonders stark streuen, ähnlich wie unsere Atmosphäre den Himmel blau erscheinen lässt. Das friedliche Blau verbirgt also eine Welt voller extremer Hitze, rasender Winde und glühender Glaspartikel.

Ich finde, genau das macht unser Universum so faszinierend. Aus der Ferne wirkt vieles vertraut. Erst wenn wir genauer hinschauen, merken wir, wie unglaublich vielfältig und fremd andere Welten sein können.

Es ist soooo faszinierend! Dass wir Menschen all diese Dinge allein durch Licht herausfinden konnten. Aus einem winzigen Stern, der am Nachthimmel kaum auffällt, haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler eine ganze Welt rekonstruiert. Sie konnten ihre Grösse berechnen, ihre Temperatur abschätzen, ihre Atmosphäre untersuchen und sogar eine Vorstellung davon entwickeln, wie sich das Wetter dort vermutlich verhält.

Das zeigt ja auch, wozu menschliche Neugier und Wissensdurst fähig ist. Wir reisen mit unseren Gedanken dorthin, lange bevor wir jemals mit einem Raumschiff dorthin gelangen könnten. Und genau deshalb liebe ich solche Geschichten. Es gefällt mir, mir immer wieder in Erinnerung zu rufen, dass das Universum voller Wunder ist – und dass wir erst einen winzigen Teil davon kennen.

Eine Antwort zu „HD 189733b – der Planet, auf dem es Glas regnet“

  1. Wirklich faszinierend!
    Dankeschön fürs Erzählen… 💐

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Mein Name ist Andrea und ich bin die Frau hinter den Worten und Gedanken in diesem Blog.
Alleinerziehende Mama eines Kindes im Autismus Spektrum, Sozialpädagogin und eine Frau, die sich Gedanken macht und beim Schreiben ihren Akku lädt.