
Manchmal verlangt Widerstand unvorstellbaren Mut und manchmal bedeutet er, jeden Tag eine Rolle zu spielen – in der ständigen Angst, entdeckt zu werden.
Bela Hazan wurde 1922 im damals zu Polen gehörenden Rozyszcze geboren, das heute in der Ukraine liegt. Sie wuchs in einer jüdischen Familie auf und engagierte sich schon als Jugendliche in einer zionistischen Jugendbewegung. Als der Zweite Weltkrieg ausbrach und die Nationalsozialisten Osteuropa besetzten, veränderte sich ihr Leben für immer.
1941 nahm Bela die Identität einer polnischen Katholikin an. Von da an hiess sie Bronisława Limanowska.
Sie trug ein Kruzifix um den Hals, besuchte regelmässig die Messe und lebte nach aussen das Leben einer gläubigen Christin. Niemand sollte erfahren, dass sie in Wirklichkeit Jüdin war. Denn wäre ihre wahre Identität aufgeflogen, hätte sie das mit grosser Wahrscheinlichkeit das Leben gekostet.
Doch Bela wollte nicht nur überleben.
Sie schloss sich dem jüdischen Widerstand an und arbeitete als Kurierin zwischen verschiedenen Ghettos. Sie schmuggelte Nachrichten, Geld, Waffen und gefälschte Dokumente. Um ihre Tarnung perfekt zu machen, nahm sie sogar eine Stelle als Dolmetscherin bei der Gestapo an. Ausgerechnet im Herzen des nationalsozialistischen Machtapparates beschaffte sie Informationen und stahl Schreibmaterial sowie Dokumente, die dem Widerstand halfen. Jeder einzelne Tag hätte ihr letzter sein können.
1942 wurde Bela verhaftet. Obwohl die Deutschen ihre jüdische Herkunft nicht entdeckten, verdächtigten sie sie, für den Widerstand zu arbeiten. Sie wurde nach Auschwitz deportiert und später in weitere Konzentrationslager gebracht.
Sie überlebte.
Nach dem Krieg wanderte sie nach Israel aus, gründete eine Familie und sprach lange nur wenig über das, was sie erlebt hatte. Erst viele Jahre später wurde ihre aussergewöhnliche Geschichte einer breiteren Öffentlichkeit bekannt.
Ich finde Bela Hazans Geschichte bewegend. Sie kämpfte nicht mit einer Waffe in der Hand. Ihre grösste Stärke war ihr Mut, jeden Tag ein gefährliches Doppelleben zu führen. Sie lebte mitten unter den Menschen, die sie jederzeit hätten töten können – und nutzte genau diese Nähe, um anderen Hoffnung und Hilfe zu bringen.
Bela Hazan ist 2004 im Alter von 81 Jahren in Jerusalem gestorben.
Heldinnen tragen nur in Büchern und Filmen ein Cape. Im richtigen Leben sind es Menschen wie du und ich, die sich äusserlich nicht von anderen unterscheiden…


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