
Menschen, die sich durch besondere Menschlichkeit auszeichnen, die interessieren mich. Ich finde, solche Menschen verändern viel mehr in der Welt, als es die grossen, mächtigen Herrschter tun, indem sie Kriege führen oder Entscheidungen fällen, wie reiche Menschen noch reicher werden können.
Denn es gibt sie, die anderen Menschen, die jenseits des Rampenlichts Gutes tun, auch wenn ihnen niemand Beifall dafür spendet und die Welt sie nicht sieht. Sie tun einfach über viele Jahre hinweg immer wieder soooo viel richtiges. Einer dieser Menschen war James Harrison aus Australien und ihn möchte ich euch heute vorstellen. Rücken wir ihn für ein paar Minuten ins Rampenlicht dieses kleinen Blogs.
Als James 14 Jahre alt war, musste er sich einer grossen Lungenoperation unterziehen. Damals erhielt er zahlreiche Bluttransfusionen. Dieses Erlebnis prägte ihn so sehr, dass er sich vornahm, später selbst Blut zu spenden, sobald er alt genug war.
Was damals noch niemand ahnte: Sein Blut war etwas ganz Besonderes.
James Harrison trug einen extrem seltenen Antikörper namens Anti-D in sich. Dieser Antikörper wurde benötigt, um ein Medikament herzustellen, das schwangere Frauen vor einer gefährlichen Immunreaktion schützt. Ohne diese Behandlung kann es passieren, dass das Immunsystem der Mutter die roten Blutkörperchen ihres ungeborenen Kindes angreift. Vor allem bei weiteren Schwangerschaften konnte das früher für viele Babys tödlich enden oder schwere Behinderungen verursachen.
Über mehr als 60 Jahre spendete James Harrison regelmässig Blutplasma – insgesamt unglaubliche 1173 Mal. Aus seinem Plasma konnten Millionen Dosen des lebensrettenden Medikaments hergestellt werden. Schätzungen gehen davon aus, dass dadurch mehr als 2,4 Millionen Babys gerettet wurden.
Er selbst machte nie grosses Aufheben um seine Leistung. Im Gegenteil. Er sagte einmal sinngemäss, dass Blutspenden nicht weh tue und jeder spenden solle, wenn er die Möglichkeit dazu habe.
Seine letzte Blutplasmaspende gab er mit 81 Jahren ab, weil dies die Altersgrenze in Australien war und er danach nicht mehr durfte.
Oft denken wir bei Heldinnen und Helden an Menschen, die in einem einzigen Moment etwas Aussergewöhnliches leisten. Jemanden aus einem brennenden Haus retten, erste Hilfe leisten bei einem Unfall usw…
James Harrison zeigt, dass wahre Grösse manchmal ganz anders aussieht. Sie besteht aus kleinen Entscheidungen, die man immer wieder trifft. Woche für Woche. Jahr für Jahr. Über Jahrzehnte hinweg.
Am Beispiel von James Harrison sehen wir deutlich, dass ein einzelner Mensch das Leben von Millionen anderen verändern kann – manchmal einfach, indem er seinen Arm ausstreckt und Blut spendet. Manche Menschen hinterlassen Spuren in der Geschichte. Er hinterliess sie im Leben von Millionen Kindern und ihren Familien.


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