Was ist eigentlich Panspermie?


Manchmal sehe ich im Internet etwas und denke zuerst: Was für eine verrückte Theorie. Vor Kurzem war es ein Bild eines UFOs mit der Frage: Was wäre, wenn der Asteroid, der die Dinosaurier auslöschte, in Wirklichkeit ein abgestürztes UFO gewesen wäre – und wir die Aliens sind?

Nun ja. Die Vorstellung ist zumindest kreativ. Vor 66 Millionen Jahren kommen Ausserirdische angeflogen, haben offenbar ein kleines Problem mit ihrem Raumschiff, krachen auf die Erde, die Dinosaurier sterben aus – und irgendwie beginnt damit unsere Geschichte. Interessanter Gedanke und ganz sicher eine gute Vorlage für einen Science-Fiction-Film.

Wissenschaftlich sieht es allerdings anders aus. Wir haben sehr deutliche Spuren des gewaltigen Asteroideneinschlags vor rund 66 Millionen Jahren. Unter der mexikanischen Halbinsel Yucatán liegt der riesige Chicxulub-Krater und Gesteinsschichten aus dieser Zeit erzählen ziemlich eindeutig von einer gigantischen kosmischen Katastrophe. Das abgestürzte UFO können wir also ziemlich getrost wieder ins Reich der Fantasie schicken.

Und trotzdem steckt hinter diesem etwas absurden Internet-Post eine Frage, die plötzlich gar nicht mehr soooo absurd ist: Was, wenn das Leben auf der Erde tatsächlich aus dem Weltall kam?

Dafür gibt es sogar einen wissenschaftlichen Begriff: Panspermie. Das Wort stammt aus dem Griechischen. Pan bedeutet «alles» oder «überall», sperma bedeutet «Samen». Gemeint ist also ungefähr die Vorstellung, dass die Samen des Lebens überall verteilt sein könnten. Diese Idee ist viel älter als UFO-Geschichten.

Schon der griechische Philosoph Anaxagoras beschäftigte sich vor rund 2500 Jahren mit der Vorstellung von «Samen», aus denen Leben hervorgehen könnte. Die moderne Panspermie-Hypothese entwickelte sich allerdings erst viel später mit unserem Wissen über Planeten, Meteoriten und den Weltraum.
Die Grundidee ist eigentlich erstaunlich einfach: Vielleicht ist das Leben gar nicht auf der Erde entstanden, sondern es entstand irgendwo anders einfaches Leben – beispielsweise Mikroorganismen – und gelangte irgendwann zur Erde.

Aber wie soll ein Lebewesen durch das Weltall reisen? Eine Möglichkeit wäre ausgerechnet etwas, das zunächst ziemlich zerstörerisch klingt: ein Meteoriteneinschlag.
Stellen wir uns einen Planeten vor, auf dem bereits einfaches Leben existiert. Ein grosser Asteroid schlägt dort ein. Durch die enorme Wucht werden Gesteinsbrocken ins Weltall geschleudert. In einem dieser Brocken befinden sich Mikroorganismen. Der Stein reist Tausende, vielleicht Millionen Jahre durchs All. Irgendwann kreuzt er die Bahn eines anderen Planeten. Er stürzt ab und seine winzigen Passagiere überleben.
Diese spezielle Variante nennt man Lithopanspermie – lithos ist das griechische Wort für Stein.

Völlig aus der Luft gegriffen ist zumindest der Transport von Gestein zwischen Planeten nicht. Wir haben auf der Erde beispielsweise Meteoriten gefunden, die ursprünglich vom Mars stammen. Und Wissenschaftler untersuchen schon lange, ob Mikroorganismen theoretisch geschützt in Gestein eine solche Reise überstehen könnten. 
Das bedeutet allerdings noch lange nicht, dass es tatsächlich passiert ist.

Dann gibt es noch eine zweite Möglichkeit. Vielleicht kamen gar keine fertigen Lebewesen aus dem All, sondern lediglich wichtige Bausteine des Lebens. Und genau hier wird die Geschichte für mich eigentlich richtig spannend, denn solche Bausteine wurden ja tatsächlich gefunden.
Die NASA brachte 2023 Material vom Asteroiden Bennu zur Erde. Bei der Untersuchung dieser praktisch unberührten Proben entdeckten Wissenschaftler unter anderem Aminosäuren – darunter 14 der 20 Aminosäuren, die das Leben auf der Erde zum Aufbau von Proteinen verwendet. Und nicht nur das. In den Proben fanden sich auch alle fünf Nukleobasen, die in DNA und RNA vorkommen. 

Das finde ich ziemlich unglaublich.

Aber hier ist eine Unterscheidung wichtig: Die Bausteine des Lebens sind noch kein Leben. Wenn wir eine Aminosäure auf einem Asteroiden finden, haben wir keinen Ausserirdischen gefunden. Wir haben lediglich gezeigt, dass Moleküle, die für das Leben wichtig sind, auch ausserhalb der Erde entstehen können.

Wer weiss, vielleicht wurden solche Stoffe vor Milliarden Jahren tatsächlich mit Asteroiden und Meteoriten auf die junge Erde gebracht. Die Bennu-Funde zeigen jedenfalls, dass die Chemie dafür im frühen Sonnensystem vorhanden war. 

Es gibt aber noch eine Variante der Panspermie, bei der es dann doch wieder ein bisschen in Richtung unseres UFO-Bildes geht. Die gerichtete Panspermie. Dabei wäre das Leben nicht zufällig von einem Planeten zum nächsten gelangt. Jemand hätte es geschickt.

Die Idee dahinter: Eine technisch hoch entwickelte ausserirdische Zivilisation könnte irgendwann beschlossen haben, andere Welten mit Leben zu besiedeln. Vielleicht schickte sie Mikroorganismen in kleinen Raumsonden hinaus zu geeigneten Planeten und einer davon könnte die Erde gewesen sein. In diesem Fall wären wir tatsächlichm zumindest ganz weit zurück betrachtet, ein bisschen Aliens.

Beweise dafür gibt es keine. Es ist eine faszinierende Spekulation, aber wissenschaftlich gibt es derzeit keinen Nachweis dafür, dass eine ausserirdische Zivilisation das Leben auf der Erde ausgesät hat. H
Hier liegt für mich überhaupt der entscheidende Punkt bei der Panspermie. Nehmen wir einmal an, wir könnten morgen zweifelsfrei beweisen, dass die ersten Lebewesen vor Milliarden Jahren mit einem Meteoriten auf die Erde gelangt sind. Dann hätten wir eines der grössten Rätsel der Menschheit gelöst: Woher kam das Leben auf der Erde?
Nur hätten wir gleichzeitig ein neues Problem. Denn dann müsste man fragen: Woher kam das Leben auf dem Planeten, von dem dieser Meteorit stammte?

Panspermie erklärt nämlich nicht unbedingt, wie Leben entstanden ist. Sie erklärt möglicherweise nur, wie es von einem Ort zum anderen gekommen sein könnte. Das eigentliche Rätsel bleibt bestehen.
Irgendwann, irgendwo, muss aus unbelebter Materie etwas entstanden sein, das wir Leben nennen. Wie genau das geschah, wissen wir bis heute nicht. Es gibt verschiedene Möglichkeiten und eventuell sogar noch solche, von denen wir bisher noch gar nichts wissen. Vielleicht passierte es hier auf der Erde. Vielleicht wurden zumindest die Zutaten aus dem Weltall geliefert. Vielleicht reisen Mikroorganismen tatsächlich zwischen Planeten.

Und vielleicht, das ist allerdings die sehr spekulative Variante, hat vor Milliarden Jahren irgendwo jemand beschlossen, ein kleines Paket mit Leben auf die Reise zu schicken.

So war der Asteroid, der die Dinosaurier auslöschte, vermutlich kein abgestürztes Ufo mit Aliens darin. Aber dieser etwas verrückte Post hat mich neugierig gemacht und was ich alles erfahren und gelesen habe, finde ich schon recht interessant.

Und immer wieder komme ich zur Erkenntnis, dass wir Menschen nicht auf alles Antworten haben und es wohl auch gar nie haben werden. Irgendwie schön…

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About Me

Mein Name ist Andrea und ich bin die Frau hinter den Worten und Gedanken in diesem Blog.
Alleinerziehende Mama eines Kindes im Autismus Spektrum, Sozialpädagogin und eine Frau, die sich Gedanken macht und beim Schreiben ihren Akku lädt.