Schöne Worte — Planxiety


Planxiety ist eine englische Wortschöpfung aus „plans“ = Pläne und „anxiety“ = Angst, Unbehagen.

Planxiety beschreibt dieses widersprüchliche Phänomen, begeistert zu irgendwelchen Plänen Ja zu sagen, sich auf das Treffen zu freuen, auf den Ausflug, das Essen, den Abend mit Freunden und dann, je näher der Termin rückt, immer stärker zu hoffen, dass jemand absagt. Einfach, weil die Vorstellung, gemütlich zuhause zu bleiben, so verlockend klingt. Keineswegs, weil man die Menschen nicht mag oder weil man eigentlich keine Lust darauf hätte. Nach einem langen Arbeitstag klingt es so gemütlich, in Jogginghose ganz ohne Verpflichtungen zuhause auf dem Sofa liegen zu bleiben. Niemand erwartet etwas von einem.

Und wenn dann tatsächlich die Nachricht kommt „Du, wäre es schlimm, wenn wir heute absagen?“ muss man sich ein bisschen zusammenreissen, um nicht innerhalb von drei Sekunden zu antworten: „Ooooh, wie schade! Aber natürlich, überhaupt kein Problem.“… Während man innerlich bereits die Pyjamahose anzieht und weiss, dass es der andere Person vermutlich ganz genau gleich gegangen ist.

Planxiety ist kein klassischer psychologischer Begriff und auch kein traditionsreiches englisches Wort. Es ist eine moderne, humorvolle Wortschöpfung – ein sogenanntes Kofferwort – aus plans und anxiety und wie bei vielen solchen Internetbegriffen steckt hinter dem Witz etwas ziemlich Menschliches. Pläne können zwei völlig unterschiedliche Gefühle auslösen. In dem Moment, in dem wir sie machen, bedeuten sie Vorfreude. Da liegt etwas Schönes vor uns. Ein Essen, ein Konzert, ein Besuch, ein Wochenende irgendwo.

Doch irgendwann wird aus „Das machen wir!“ ein „Heute muss ich da hin.“ Und allein dieses kleine muss verändert erstaunlich viel. Plötzlich ist der Abend zu Hause genauso gemütlich. Draussen ist es vielleicht kalt, man müsste sich noch umziehen, die Haare machen, losfahren, Menschen treffen, reden… Und das Sofa steht einladend da und äussert keinerlei Forderungen.

Vielleicht ist es gar nicht so widersprüchlich. Ich glaube nämlich, dass Planxiety überhaupt nicht bedeutet, dass wir keine Menschen mögen oder grundsätzlich lieber alleine sind. Wir mögen und brauchen. einfach beides und sind manchmal auch einfach müde, was im Voraus bei der Planung noch gar nicht so war. Wir mögen (brauchen) Begegnungen und auch Rückzug. Wir mögen (brauchen) gemeinsame Erlebnisse und manchmal Ruhe. Wir freuen uns auf Menschen und manchmal genauso sehr darauf, niemanden sehen zu müssen.

Ich denke, gerade Menschen, deren Alltag ohnehin ziemlich voll ist, kennen wohl. dieses Gefühl besonders gut. Ein freier Abend ist nicht plötzlich einfach ein leerer Platz im Kalender, er ist ein kleines Stück Freiheit.

Und das Beste an Planxiety? Wenn niemand absagt, geht man meistens trotzdem. Man zieht sich an, fährt los, trifft die Menschen und denkt irgendwann: Zum Glück bin ich gegangen. Das war richtig schön.

Und so sagt man beim nächsten Mal deshalb wieder begeistert Ja. (Nur um ein paar Stunden vorher insgeheim zu hoffen, dass jemand absagt.)

Und so beginnt alles wieder von vorne…

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About Me

Mein Name ist Andrea und ich bin die Frau hinter den Worten und Gedanken in diesem Blog.
Alleinerziehende Mama eines Kindes im Autismus Spektrum, Sozialpädagogin und eine Frau, die sich Gedanken macht und beim Schreiben ihren Akku lädt.