
Findest du nicht auch, dass manche Wörter schon genau so klingen, wie sie gemeint sind: Kurz, klar und ohne Schnörkel. Lapidar ist so ein Wort.
Ich war letzte Woche in einer Weiterbildung, wo der Referent das Wort „lapidar“ benutzt hat. Ich habe diesen Begriff lange nicht gehört und habe ihn mir sofort notiert, um bei Gelegenheit darüber zu schreiben. Schon ein schönes Wort…
Wenn jemand etwas lapidar sagt, dann sagt er es kurz, knapp und ohne grosse Erklärungen. Oft wirkt eine lapidare Bemerkung ein wenig nüchtern, manchmal trocken oder sogar gleichgültig.
„Dann ist es eben so.“
Das wäre ziemlich lapidar.
Aber die Herkunft dieses Wortes finde ich fast noch schöner als seine Bedeutung. Lapidar kommt vom lateinischen lapis – dem Stein. Das lateinische lapidarius bedeutet so viel wie „zum Stein gehörend“.
Ursprünglich sprach man vom lapidaren Stil, wenn etwas so formuliert war, wie man es auf einen Stein oder ein Denkmal meisseln würde. Denn wer etwas in Stein meisselt, schreibt keine langen Romane. Der Platz ist begrenzt. Jeder Buchstabe bedeutet Arbeit, jeder Satz muss sitzen. Eine Inschrift soll mit wenigen Worten möglichst viel sagen.
Genau daraus entwickelte sich unsere heutige Bedeutung von „lapidar“: kurz, prägnant, schnörkellos und auf das Wesentliche reduziert.
Dabei kann das Wort durchaus zwei Seiten haben:
Eine Aussage kann bewundernswert lapidar sein. Klar und treffend, ohne hundert Worte dort zu verwenden, wo zehn genügen.
Sie kann aber auch unangenehm lapidar wirken. Wenn jemand beispielsweise von einem grossen Problem erzählt und die Antwort lediglich lautet: „Wird schon wieder.“ Dann ist das zwar kurz, aber vielleicht ein bisschen zu kurz.
Ich mag die ursprüngliche Vorstellung hinter diesem Wort sehr. Worte wie in Stein gemeisselt. Nicht viele, aber die richtigen. Wir leben heute in einer Zeit, in der unglaublich viele Worte gemacht werden. Wir erklären, kommentieren, schreiben Nachrichten, diskutieren und rechtfertigen uns. Manchmal reden wir so lange um etwas herum, bis kaum noch zu erkennen ist, was wir eigentlich sagen wollten.
Ich glaube, zwischendurch ist Lapidarität etwas Schönes. Ein Satz, der einfach stehen darf und er benötigt weder eine Erklärung, noch eine Rechtfertigung.
Einfach Klarheit. Fast wie in Stein gemeisselt.


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