Ich möchte euch Elisabeth Kübler-Ross vorstellen


Es gibt viele Arten, die Welt zu verändern, auch ohne Maschinen zu erfinden oder Länder zu regieren. Es gibt Menschen, die etwas verändern, weil sie den Mut haben, dorthin zu schauen, wo alle anderen wegsehen.

So ein Mensch war Elisabeth Kübler-Ross.

Sie wurde am 8. Juli 1926 in Zürich geboren – als eines von drei Drillingsmädchen. Ihre ersten Lebenstage waren alles andere als einfach. Sie wog bei ihrer Geburt kaum ein Kilogramm, und niemand wusste, ob sie überleben würde. Später sagte sie selbst einmal, sie habe ihr Leben der Liebe und Fürsorge ihrer Mutter zu verdanken.

Schon als junges Mädchen wusste sie, dass sie Ärztin werden wollte. Doch das war damals für viele Frauen alles andere als selbstverständlich. Ihr Vater wollte, dass sie Sekretärin wird und im Familienbetrieb arbeitet. Elisabeth weigerte sich. Sie verliess sogar ihr Elternhaus, um ihren eigenen Weg zu gehen.

Während des Zweiten Weltkriegs half sie freiwillig in Krankenhäusern und Flüchtlingslagern. Nach Kriegsende reiste sie durch das zerstörte Europa und begegnete Menschen, die unvorstellbares Leid erlebt hatten. Besonders der Besuch des ehemaligen Konzentrationslagers Majdanek in Polen prägte sie tief. Sie erkannte, wie zerbrechlich das Leben ist und wie wichtig Mitgefühl sein kann.

1957 schloss sie ihr Medizinstudium an der Universität Zürich ab. Ein Jahr später wanderte sie mit ihrem Mann in die USA aus und spezialisierte sich auf Psychiatrie. Dort machte sie eine Beobachtung, die ihr ganzes weiteres Leben verändern sollte.
Sterbende Menschen wurden in vielen Krankenhäusern damals oft gemieden. Man sprach kaum mit ihnen. Häufig verschwieg man ihnen sogar ihre Diagnose. Viele starben einsam, weil Ärzte und Angehörige glaubten, sie schützen zu müssen.

Elisabeth Kübler-Ross tat etwas, das damals beinahe revolutionär war. Sie setzte sich einfach zu den Sterbenden, hörte ihnen zu.
Sie nahm sich richtig viel Zeit für sie. Sie fragte nach ihren Ängsten, ihren Hoffnungen, ihren Gedanken und ihren Wünschen. Zum ersten Mal bekamen sterbende Menschen eine Stimme. Sie wurden nicht mehr nur als Patienten gesehen, sondern als Menschen.

1969 veröffentlichte sie ihr wohl bekanntestes Buch „Interviews mit Sterbenden“ (On Death and Dying). Darin beschrieb sie die fünf Phasen, die viele Menschen angesichts einer schweren Krankheit oder eines grossen Verlustes erleben können: Verleugnung, Wut, Verhandeln, Depression und Akzeptanz.

Heute kennen diese fünf Phasen fast alle.

Was viele allerdings nicht wissen: Elisabeth Kübler-Ross verstand sie nie als starre Reihenfolge. Sie wollte damit zeigen, wie unterschiedlich Menschen mit Abschied und Verlust umgehen. Nicht jeder erlebt alle Phasen, und nicht jeder in derselben Reihenfolge. Dennoch hat dieses Modell die Psychologie und die Palliativmedizin nachhaltig geprägt.

In den folgenden Jahren hielt sie unzählige Vorträge auf der ganzen Welt. Sie setzte sich dafür ein, dass Sterbende nicht allein gelassen werden und dass Hospize entstehen – Orte, an denen Menschen ihre letzte Lebenszeit in Würde verbringen können. Ihr Einfluss reicht bis heute weit über die Medizin hinaus.

Später begann sie sich intensiv mit Nahtoderfahrungen und Berichten über ein mögliches Leben nach dem Tod zu beschäftigen. Sie sprach mit vielen Menschen, die nach einem Herzstillstand oder schweren Unfällen von ähnlichen Erlebnissen berichteten. Für Elisabeth Kübler-Ross waren diese Gespräche ein Hinweis darauf, dass der Tod vielleicht nicht das Ende ist.

Sie schrieb mehrere Bücher darüber und sprach offen über ihre Überzeugung, dass das Bewusstsein nach dem Tod weiterbestehen könnte.

Diese Ansichten wurden unterschiedlich aufgenommen. Viele Menschen fanden in ihren Worten Trost und Hoffnung. Andere kritisierten, dass sich solche Erfahrungen wissenschaftlich nicht eindeutig belegen lassen. Gerade deshalb wird bis heute zwischen ihrer wissenschaftlichen Arbeit zur Sterbebegleitung und ihren späteren spirituellen Überzeugungen unterschieden.

In ihren letzten Lebensjahren erlitt Elisabeth Kübler-Ross mehrere Schlaganfälle. Sie war dadurch körperlich stark eingeschränkt und verbrachte viele Jahre im Rollstuhl. Ausgerechnet die Frau, die ihr Leben lang anderen beim Abschiednehmen geholfen hatte, musste nun selbst lernen, mit Krankheit und Abhängigkeit zu leben.

Am 24. August 2004 starb sie im Alter von 78 Jahren in Scottsdale im US-Bundesstaat Arizona.

Was mich an Elisabeth Kübler-Ross besonders beeindruckt, ist nicht nur ihr Wissen, sondern vor allem ihre Haltung.

Sie hatte den Mut, sich zu den Menschen zu setzen, vor denen viele andere zurückwichen. Sie hörte zu, wo geschwiegen wurde. Sie schenkte Menschen Würde in einem Moment ihres Lebens, in dem sie sich oft besonders allein fühlten.

Ob man ihre späteren Gedanken über das Leben nach dem Tod teilt oder nicht, spielt für mich dabei fast eine untergeordnete Rolle. Ihr grösstes Vermächtnis ist vielleicht etwas anderes: Dass Sterben zum Leben gehört und dass kein Mensch diesen letzten Weg allein gehen sollte.

Eine Antwort zu „Ich möchte euch Elisabeth Kübler-Ross vorstellen“

  1. Ich habe vor etlichen Jahren eines ihrer Bücher mal für ziemlich viel Geld verkauft und mich damals gewundert,
    dass es Menschen gibt die für gebrauchte Bücher soviel Geld ausgeben.😃

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Mein Name ist Andrea und ich bin die Frau hinter den Worten und Gedanken in diesem Blog.
Alleinerziehende Mama eines Kindes im Autismus Spektrum, Sozialpädagogin und eine Frau, die sich Gedanken macht und beim Schreiben ihren Akku lädt.