
Die Fox-Schwestern haben den Spiritismus erfunden.
Aber wie?
Leah, Margaretta (Maggie) und Catherine, besser bekannt als Kate, lebten im 19. Jahrhundert in den USA. Die beiden jüngeren Schwestern waren noch Teenager, als sich im Jahr 1848 im kleinen Ort Hydesville im Bundesstaat New York etwas ereignete, das Geschichte schreiben sollte.
Die Familie erzählte, dass sie im Haus seltsame Klopfgeräusche hörte. Kate und Maggie behaupteten schliesslich, sie könnten mit dem Geist eines ermordeten Hausierers kommunizieren. Sie stellten Fragen, und die geheimnisvollen Klopfzeichen schienen darauf zu antworten.
Was zunächst wie eine ungewöhnliche Familiengeschichte begann, sprach sich unglaublich schnell herum.
Schon bald wollten immer mehr Menschen die beiden Mädchen erleben. Es wurden öffentliche Vorführungen organisiert, bei denen die Schwestern angeblich mit Verstorbenen Kontakt aufnahmen. Ihre ältere Schwester Leah erkannte das enorme Interesse und begann, Auftritte zu organisieren.
Aus einer kleinen Geschichte wurde eine Sensation.
Die Fox-Schwestern reisten durch die Vereinigten Staaten, gaben öffentliche Séancen und verdienten damit viel Geld. Tausende Menschen kamen zu ihren Vorstellungen. Viele waren überzeugt, dass es tatsächlich möglich sei, mit den Toten zu sprechen. Sie waren fasziniert, fühlten sich gut unterhalten oder wollten ungeklärte Fragen und Themen mit Verstorbenen klären, waren neugieren, fanden Trost und Klarheit…
Damit wurden die Fox-Schwestern zu den bekanntesten Gesichtern einer Bewegung, die man heute Spiritualismus nennt. Immer mehr Menschen glaubten daran, dass Verstorbene mit den Lebenden Kontakt aufnehmen könnten. Überall entstanden Medien, Séancen und spiritistische Zirkel. Was mit drei Schwestern begonnen hatte, verbreitete sich weit über die USA hinaus und erreichte später auch Europa.
Doch je berühmter die Schwestern wurden, desto lauter wurden auch die Zweifel.
Kritiker vermuteten schon früh, dass die geheimnisvollen Klopfgeräusche gar keine Botschaften aus dem Jenseits waren, sondern geschickte Tricks.
Dann kam das Jahr 1888.
Maggie Fox trat öffentlich vor ein grosses Publikum und erklärte, dass alles ein Schwindel gewesen sei. Sie zeigte sogar, wie sie die berühmten Klopfgeräusche selbst erzeugen konnte – unter anderem durch das gezielte Knacken ihrer Zehengelenke.
Die Nachricht sorgte weltweit für Schlagzeilen.
Doch damit war die Geschichte noch nicht zu Ende. Etwa ein Jahr später widerrief Maggie ihr Geständnis wieder. Sie erklärte, sie habe ihre Aussagen unter Druck gemacht und die Geisterkontakte seien doch echt gewesen.
Leah war die älteste Schwester und diejenige, die aus den Klopfgeräuschen ein Geschäft machte. Nach dem Geständnis kam es zum endgültigen Bruch mit Maggie und Kate. Die beiden jüngeren warfen ihr vor, sie habe sie als Kinder ausgenutzt und den Betrug organisiert. Leah bestritt das bis zu ihrem Tod. Sie starb am 1. November 1890 im Alter von 77 Jahren. Im Gegensatz zu ihren Schwestern lebte sie finanziell relativ abgesichert.
Kate war nach dem Geständnis gesundheitlich und psychisch stark angeschlagen. Sie litt seit Jahren unter schwerem Alkoholismus. Ihr Ehemann war bereits 1881 gestorben, und sie hatte Schwierigkeiten, sich um ihre beiden Söhne zu kümmern. Nach 1888 verschlechterte sich ihr Zustand immer weiter. Sie starb am 3. Juli 1892 in New York im Alter von 55 Jahren. Als Todesursache wird meist ihr jahrelanger Alkoholmissbrauch beziehungsweise dessen Folgen angegeben.
Maggie versuchte nach ihrem Widerruf des Geständnisses zwar noch als Medium aufzutreten, doch kaum jemand interessierte sich noch für sie. Sie verarmte völlig und lebte zuletzt von der Unterstützung weniger Freunde aus der spiritistischen Bewegung. Auch sie kämpfte mit einer schweren Alkoholsucht. Am Ende wohnte sie allein in einem heruntergekommenen Mietshaus und wurde schließlich von Freunden aufgenommen. Dort starb sie am 8. März 1893, nicht einmal ein Jahr nach Kate, im Alter von 59 Jahren.
Bis heute weiss niemand mit Sicherheit, warum sie ihre Meinung wieder änderte. Die meisten Historiker gehen jedoch davon aus, dass die ursprünglichen Vorführungen tatsächlich auf Tricks beruhten.
Selbst nachdem eines Maggie, eines der bekanntesten Medien der damaligen Zeit, öffentlich erklärt hatte, dass alles nur ein Trick gewesen sei, glaubten viele Menschen weiterhin an den Spiritualismus. Die Bewegung war inzwischen grösser geworden als ihre Gründerinnen.
Die Geschichte der Fox-Schwestern zeigt uns, wie stark die Hoffnung des Menschen sein kann. Der Wunsch, dass es nach dem Tod irgendwie weitergeht. Dass wir unsere geliebten Menschen nicht für immer verlieren. Dass es vielleicht doch eine Verbindung zwischen unserer Welt und einer anderen gibt.
Ob man daran glaubt oder nicht, muss jeder Mensch für sich selbst entscheiden.
Die Geschichte der Fox-Schwestern bleibt aber bis heute eine der faszinierendsten Geschichten der modernen Zeit – irgendwo zwischen Glaube, Hoffnung, Inszenierung und der Frage, wie weit Menschen bereit sind zu gehen, um an etwas Aussergewöhnliches zu glauben.


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