
Männer suchen Frauen,
die es nicht mehr gibt.
Und Frauen suchen Männer,
die es noch nicht gibt.
Ist das so?
Auf den ersten Blick, ja, finde ich.
Und auf den zweiten Blick?
Gab es denn jemals Frauen,
… die nicht gleichberechtigt sein wollten bzw die sich gern minderwertig behandeln und abwerten liessen?
…. die es okay fanden, dass sie kaum Möglichkeiten hatten, sich zu wehren?
…. die es gut fanden, ihrem Mann rechtlich ausgeliefert zu sein?
… die es richtig fanden, dass falls sie arbeiten durften, ihr Lohn an den Ehemann ausbezahlt wurde?
… die es okay fanden, ohne Mann nicht als mündig betrachtet zu werden?
… die es okay fanden, ihren Mann für alles um Erlaubnis zu fragen, zB Autofahren zu dürfen?
… es okay fanden, nur einen Pass ausstellen zu können mit dem Einverständnis ihres Mannes?
… die es gut fanden, dass sie nicht zur Schule gehen durften um zu lernen, nicht studieren durften und nicht arbeiten durften?
…. die fanden, dass ihre Arbeit weniger wert war als die eines Mannes?
… die es gut fanden, für dieselbe Arbeit weniger zu verdienen?
… die es super fanden, bei Beförderungen oder Stellenbesetzungen übergangen zu werden, weil sie eine Frau sind?
… die damit einverstanden waren, keine Verträge abschliessen und keine Bankkonten eröffnen zu können?
… die es gut fanden, sexuelle Übergriffe als normal und dazugehörend schweigend zu akzeptieren?
… die damit einverstanden waren, gegen ihren Willen in der Ehe, in einer Beziehung oder auch einfach so zum Sex gezwungen zu werden? (= Vergewaltigung)
… die es gut fanden, dass ihr Name nach der Hochzeit verschwand und sie nur noch als „Frau von… „ wahrgenommen wurden?
… die es gut fanden, als kinderlos, unverheiratet oder geschieden gesellschaftlich abgestempelt zu werden?
… die es richtig fanden, dass ihr Wert an ihrer Fruchtbarkeit gemessen wurde?
… die es richtig fanden, dass Vergewaltigung in der Ehe sehr lange nicht als Vergewaltigung anerkannt wurde?
… die es gut fanden (finden), auf ihr Äusseres reduziert zu werden, egal was sie tun.
… die es gut fanden, dass Männer in der Politik über sie bestimmten und mehrere Male gegen das Frauenstimmrecht stimmten (in der CH)?
… die es okay fanden, nur verhüten zu können, wenn der Mann einverstanden war?
… die es gut fanden, finanziell total abhängig zu sein von ihrem Mann?
… die es gut fanden, sich zwischen Mutterschaft und beruflicher Verwirklichung entscheiden zu müssen.
… die es gut fanden, dass Bücher, Kunst, Wissenschaft und Geschichte jahrhundertelang hauptsächlich von Männern erzählt wurden und die Leistungen von Frauen oft unsichtbar blieben.
… denen es gefiel, sich über ihren Mann identifizieren zu müssen? (ohne Mann = keine Identifizierung)
… die es befürworteten, ein Kind nach dem anderen gebären zu müssen, weil sie nicht verhüten oder nein zu Sex sagen konnten bzw dies nicht respektiert wurde?
… die zum Opfer von sexueller, psychischer oder physischer Gewalt wurden, es gut fanden, dass ihnen dafür die Schuld gegeben wurde?
… die es schön fanden, dass ihr Aussehen, ihre Figur und ihre Kleidung jederzeit und zu jeder Gelegenheit bewertet wurden?
… die es toll fanden, in Korsetts geschnürt zu werden?
… denen es gefiel, dass die Forschung im Gesundheitswesen sich sozusagen null für sie interessierte und es deswegen kaum Forschung gibt, wie Frauen auf gewisse Krankheiten reagieren oder welche Medikamente bei Frauen wie wirken?
… die damit einverstanden waren, dass sie bei Beschwerden oder wenn sie sich wehrten, als hysterisch betitelt wurden?
… denen es gefiel, als Hexen verfolgt und getötet zu. werden, weil sie intelligent und selbstbestimmt waren?
… die es gut finden, als Frau in vielen Situtionen im Alltag Angst vor Gewalt haben zu müssen?
… die es gut fanden, darauf zu achten, nicht einen zu kurzen Rock oder zu roten Lippenstift zu tragen, um Gewalttaten vielleicht zu verhindern?
… die es gut fanden, gefallen zu müssen?
… die es optimal fanden, keine Meinung zu haben und wenn doch, sie dann für sich zu behalten?
… die es gut fanden, in unglücklichen, missbräuchlichen Ehen bleiben zu müssen, weil eine Scheidung nicht gesellschaftskonform war und sie kaum Chancen hätten, danach zurechtzukommen oder ihre Kinder zu behalten?
… die es angenehm finden, den ganzen mental Load zuhause allein zu tragen?
… die es gut fanden, ständig beweisen zu müssen, dass sie kompetent sind.
Ich glaube nicht.
Frauen haben sich arrangiert, weil sie mussten. Sie wurden vom Patriarchat aus reinem Egoismus und mit viel Gewalt in diese Rolle gedränkt und sie wurde zur Normalität.
Ich glaube auch, dass viele von uns älteren Frauen, die mit diesem Rollenverständnis aufgewachsen sind, uns sehr daran gewöhnt haben, weil es einfach immer so war.
Und es gibt Frauen, die heute denken, wir wären ja nicht mehr benachteiligt. Diese Aussage hört man ja oft. Einfach, weil wir nichts anderes kennen. Weil oben genannte Punkte seit Generationen einfach normal waren und so weitergegeben wurden. Von Männern und auch von Frauen.
Es ist immer noch so einfach, sich so zu verhalten, dass frau gefällt. Hübsch aussehen, ja sagen und den Mann anhimmeln, nicht zuviel Meinung sagen, sich unterordnen und dienen.
Das ist überspitzt geschrieben, ich weiss. Aber viele, viele Frauen – und ich finde, ZUviele – funktionieren noch so. Erstes Gebot ist, Männern zu gefallen, manchmal um jeden Preis.
Frau weiss, wie das geht und es ist einfach… und Männern gefällt das wohl.
Ich glaube, es ist wichtig, dies alles zu hinterfragen. Als Frau und tatsächlich besonders auch als Mann. Denn was so oft gesagt wird, Feminismus sei männerfeindlich, das stimmt nicht und ich finde es ganz wichtig, dass das verstanden wird.
Es geht nicht darum, jemanden zu benachteiligen, sondern genau das Gegenteil.
Es geht darum, NIEMANDEN mehr zu benachteiligen.
Feminismus ist nicht männerfeindlich.
Das Patriarchat ist frauenfeindlich.
Und ich glaube auch, dass es dazu noch männerfeindlich ist.
Menschenfeindlich.
Nur wenige profitieren davon und das sind Männer mit Geld und Macht. Sie haben Macht, WEIL sie Geld haben und weil ihresgleichen diese Gesellschaft so geformt haben, dass Männer mit Geld Macht haben.
Natürlich haben diese Männer kein Interesse, daran etwas zu ändern. Alle andern sollte dies aber schon interessieren, zu ihrem eigenen Wohl.
Ich denke schon, dass Männer allgemein vom Patriarchat natürlich profitiert haben. Die oben aufgezählten Punkte kamen ja ihnen oft zugute, das ist ja klar. Natürlich ist es auch nicht ungeil, wenn man einen Job und einen guten Lohn bekommt, einfach nur, weil man ein Mann ist. Klar. Das hat sich vielleicht in den letzten Jahren geändert, da sie Konkorrenz bekommen haben, auch vermehrt von Frauen. Und dass es halt nicht mehr reicht, einfach männlich zu sein, um einen guten Job zu bekommen.
Na und? Das ist die Realität. Frauen müssen sich ja auch beweisen. Das ist okay.
Oder natürlich die sogenannte „Male loneliness“… Das hat ja bestimmt einen Zusammenhang damit, dass es Frauen ohne Mann auch gut geht und sie gut allein leben können.
Das war ja nicht immer so. Das bedeutet, dass frau selbstbestimmt und unabhängig Beziehungen so leben kann, wie sie will. Single bleiben oder sie kann sich trennen oder scheiden lassen, wenn es nicht mehr passt.
Sie kann tun, whatever she wants. Und das war ja nicht immer so.
Ich denke aber auch, dass das Patriarchat auch Männern schadet. Oder warum gibt es mehr denn je Menschen, die psychisch erkranken? Die in eine Rolle und in Erwartungen gedrängt werden, die nicht zu ihnen passen?
Ach, ich könnte noch viel schreiben, das ist ein interessantes Thema.
Männer suchen Frauen, die es nicht mehr gibt….
Die es eigentlich gar nie gab….
Aber ich glaube. auch, dass es gibt viele, viele Männer gibt, die es richtig toll finden, dass Frauen so sind wie sie sind.
2026-Style.
Frauen suchen Männer, die es noch nicht gibt.
Ich glaube, es gibt sie schon…
Ich glaube aber auch, es ist eine Entwicklung, es findet ein Umdenken statt – im besten Fall.
Das Patriarchat bäumt sich auf, es ist stark spürbar. Man(n) oder auch frau kann sich da anschliessen, weil gewohnte Rollenbilder manchmal mehr Sicherheit bedeuten als neue, auch wenn es ungut ist.
Man(n) und frau kann sich aber auch dafür entschliessen, sich gegen Diskriminierung und Unterdrückung zu positionieren und einen neuen, fairen Weg zu gehen.
Ich denke, es lohnt sich, sich dafür und damit für eine friedlichere Welt einzusetzen.


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