
Wenn wir den Namen Kleopatra hören, denken wir an Schönheit, Luxus und an die berühmten Liebesgeschichten mit Julius Cäsar und Marcus Antonius. Kaum eine Frau der Geschichte wurde so oft gemalt, beschrieben, verfilmt und romantisiert wie sie.
Doch je mehr ich über Kleopatra gelesen habe, desto mehr hatte ich das Gefühl, dass ihr damit eigentlich Unrecht getan wird.
Kleopatra VII. wurde 69 vor Christus geboren und starb 30 vor Christus. Sie war die letzte aktive Herrscherin des alten Ägyptens und regierte in einer Zeit voller politischer Intrigen, Machtkämpfe und Kriege. Ihr Land stand unter enormem Druck durch das immer mächtiger werdende Römische Reich.
Kleopatra war aussergewöhnlich gebildet. Sie sprach mehrere Sprachen und soll eine der wenigen Herrscher:innen ihrer Dynastie gewesen sein, die tatsächlich Ägyptisch sprechen konnte. Daneben beherrschte sie unter anderem Griechisch und weitere Sprachen der damaligen Welt. Sie interessierte sich für Politik, Wissenschaft, Philosophie und Diplomatie.
Als Kleopatra den Thron bestieg, war Ägypten wirtschaftlich und politisch angeschlagen. Es gelang ihr jedoch, das Land über viele Jahre hinweg unabhängig zu halten, obwohl Rom immer stärker wurde. Das war keine Selbstverständlichkeit. Sie musste ständig verhandeln, Bündnisse schmieden und schwierige Entscheidungen treffen.
Oft wird erzählt, wie sie Julius Cäsar für sich gewann oder später Marcus Antonius. Doch diese Beziehungen waren nicht nur Liebesgeschichten. Sie waren auch politische Bündnisse in einer Zeit, in der das Überleben ihres Landes davon abhing, die richtigen Verbündeten zu finden.
Beeindruckend, dass Kleopatra in einer Welt lebte, die fast vollständig von Männern beherrscht wurde und trotzdem an der Spitze eines Reiches stand. Sie führte Verhandlungen mit den mächtigsten Männern ihrer Zeit auf Augenhöhe. Sie war Strategin, Herrscherin und Diplomatin.
Natürlich wissen wir heute nicht genau, wie sie aussah. Viele moderne Darstellungen zeigen eine aussergewöhnlich schöne Frau. Zeitgenössische Quellen deuten jedoch darauf hin, dass ihre Ausstrahlung, ihre Intelligenz, ihre Bildung und ihre Fähigkeit, Menschen für sich einzunehmen, viel wichtiger waren als ihr äusseres Erscheinungsbild.
Vielleicht ist genau das der Grund, weshalb mich Kleopatra fasziniert. Über zweitausend Jahre später sprechen wir noch immer über sie. Weil sie schön gewesen sein könnte, aber vor allem auch, weil sie eine Frau war, die in einer schwierigen Zeit Macht ausübte, politische Verantwortung übernahm und versuchte, ihr Land zu schützen.
Kleopatra verlor am Ende den Kampf gegen Rom. Doch dass wir uns heute noch an ihren Namen erinnern, zeigt, wie aussergewöhnlich sie gewesen sein muss.
Manchmal frage ich mich, ob wir bei (historischen) Frauen viel häufiger über ihr Aussehen sprechen als über ihre Leistungen. Bei Kleopatra scheint das besonders deutlich zu sein. Es lohnt sich gerade deshalb, hinter die Legenden zu schauen und die Frau zu entdecken, die dahinterstand.


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