
Mir ist es wichtig, über das Weltgeschehen Bescheid zu wissen, informiert zu sein. Mir ist es auch wichtig, den Fokus auf positive Nachrichten oder einfach auf Dinge, die in der Welt geschehen nicht zu verlieren. Eigentlich ist die Welt ja voller Geschichten, die es wert wären, erzählt zu werden, darüber zu staunen oder sich zu wundern und zu freuen. Manche davon sind so klein, dass nur ein paar wenige Menschen sie kennen, manche sind grösser. Ich glaube, viele davon gehen unter in all den sensationsträchtigen Nachrichten von extrovertierten, lauten Menschen und was die immer so von sich geben…
Das ist genau der Grund, warum ich andere Geschichten erzählen möchte. Solche, die genauso spannend oder noch viel spannender sind, die aber keinen Platz finden neben all den Trumps, Putins und anderen Katastrophen…
Zum Beispiel die von der sogenannten Prinzessin von Xiaohe, die sich fast wie ein Märchen anhört.
Eine junge Frau liegt seit fast 4000 Jahren in einer Wüste. Ihre Haare sind noch sichtbar, ebenso ihre Wimpern. Ihr Gesicht wirkt so friedlich, als würde sie nur schlafen.
Nach 4000 Jahren!
Man geht davon aus, dass eine Leiche nach 10-15 Jahren komplett verwest ist und nur noch das Skelett übrigt bleibt. Die Zersetzung der Knochen kann anschliessend weitere Jahrzehnte dauern. In der Regel ist nach 20-30 Jahren nichts oder nur noch sehr wenig von einem toten Körper übrig.
Die genaue Dauer hängt stark von den Umweltbedingungen ab. Skelettierung, Bodenbeschaffenheit, Bestattungsart…
Die sogenannte Prinzessin von Xiaohe lebte etwa um 1800 vor Christus im heutigen Westen Chinas, in der Region Xinjiang. Ihren echten Namen kennen wir nicht. Tatsächlich weiss niemand, ob sie überhaupt eine Prinzessin war. Diesen Namen erhielt sie erst viele tausend Jahre später von Archäologen, weil sie so aussergewöhnlich gut erhalten war und eine gewisse Würde ausstrahlt.
Gefunden wurde sie auf einem uralten Friedhof mitten in einer trockenen Wüstenlandschaft. Dort lag sie in einem bootförmigen Sarg, eingehüllt in warme Kleidung aus Wolle und Leder. Die extreme Trockenheit der Wüste konservierte ihren Körper auf natürliche Weise. Niemand hatte sie einbalsamiert wie zB die ägyptischen Mumien. Die Natur selbst sorgte dafür, dass sie die Jahrtausende überdauerte.
Ich finde, ganz besonders faszinierend ist ihr Gesicht. Wenn man Bilder von ihr sieht, vergisst man fast, dass zwischen ihrem Leben und unserem fast vier Jahrtausende liegen. Sie wirkt nicht wie eine historische Figur aus einem Schulbuch. Sie wirkt tatsächlich wie ein Mensch. Jemand, der gelacht hat, vielleicht geliebt hat, Sorgen hatte, Pläne für die Zukunft schmiedete und keine Ahnung hatte, dass Menschen Tausende von Jahren später noch über sie sprechen würden bzw sie. ja sogar noch sehen würden (bzw ihre Überresten).
Über ihr Leben wissen wir nur wenig. Wir wissen nicht, welchen Platz sie in ihrer Gemeinschaft hatte. Wir wissen auch nicht, wie alt sie wurde oder woran sie starb. All diese Fragen bleiben offen. Vielleicht macht genau das ihre Geschichte so berührend. Sie erinnert uns daran, wie viele Menschen gelebt haben, deren Namen verloren gegangen sind, deren Leben aber trotzdem Spuren hinterlassen hat.
Die Prinzessin von Xiaohe ist heute eine der bekanntesten Mumien der Welt. Nicht weil sie eine Königin war oder grosse Schlachten führte, sondern weil ihr stilles Gesicht die Zeit überdauert hat und uns noch heute daran erinnert, dass hinter jeder archäologischen Entdeckung ein echter Mensch stand.
Und manchmal genügt genau das, um eine Geschichte unvergesslich zu machen. 💛
Die Prinzessin von Xiaohe befindet sich im Yinjiang Regionalmuseum von Ürümqi, China.


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