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to you.

Alle.


Beruflich bin ich stark mit dem Thema Inklusion verbunden und auch engagiert. Ich muss aber auch sagen, dass die Haltung und auch die Werte, die mir in der Arbeit wichtig sind, auch sowieso im Leben wichtig sind. Und ich möchte mir ein paar Gedanken zum Thema Inklusion bzw Exklusion machen.
Ich bin der Meinung, dass Inklusion wohl eines der wichtigsten Themen auf dieser Erde und unserer Menschheit ist und dass sehr viele unserer Probleme auf genau dieses Thema zurück führen. Ich sehe der Mangel an Inklusion, also Exklusion – Ausschluss, als Grund vieler Missstände oder anders gesagt, Inklusion als bestmögliche Lösung von wirklich vielen problematischen Situationen.

Integration bedeutet Einbeziehung.
Bei der Integration sollen alle in den vorgegebenen Rahmen passen, zB die Gesellschaft, die Arbeitswelt, die Schule.
Menschen, die „anders“ sind und nicht so ganz rein passen, werden miteinbezogen, integriert.
Sie gehören also gewissermassen nach wie vor nicht dazu, dürfen aber teilnehmen. Sie bekommen zT Unterstützung dabei, sich adäquat in diesem Rahmen bewegen zu können. Wenn man ehrlich ist, ist die Unterstützung in erster Linie nicht unbedingt dafür da, dass dieser Mensch bestmöglich profitieren und glücklich sein kann, sondern dafür, dass er andere nicht stört, dass er nicht auffällt.
Integration bedeutet also, dass auch „andersartige“ Menschen in diesem Ganzen teilhaben können, ganz oft aber ohne wirklich ein aktiver Teil davon zu sein. Dafür gibt es ganz unterschiedliche Gründe, die man manchmal kennt und manchmal auch nicht, aber sie spielen auch keine sooo grosse Rolle, denn wenn dieser Mensch dabei sein soll, muss er irgendwie passend gemacht werden. Auch wenn man diese Gründe kennt, zB ein Krankheitsbild, eine Einschränkung oder eine andere Besonderheit, wird dieser kein Platz eingeräumt, sondern es wird geschaut, dass die Situation möglichst normalisiert wird. Der Mensch mit Einschränkung wird sich dem Rest der Gruppe bestmöglich anpassen müssen.
Meiner Meinung nach wird Integration sehr selektiv wahrgenommen. Wer integriert wird bestimmt irgendwer, der das Sagen hat und nicht der, der integriert wird. Nur schon das ist ja irgendwie ein Widerspruch in sich selbst.
Integration war* ein guter Schritt in die richtige Richtung, finde ich, denn vor der Integration wurden diese Menschen oder auch ganze Menschengruppen ausgegrenzt. Man siehe zB Psychiatrische Kliniken, die hier in der Schweiz zumindest, früher gerne ganz abgelegen gebaut wurden. Ebenso Institutionen für Kinder, für alte Menschen oder Menschen mit Einschränkungen oder halt Menschen, die wir als Randgruppen sehen. Abseits nicht etwa aus ihren Bedürfnissen heraus, sondern weg vom Rest der Gesellschaft, der sich nicht am Anders-Sein dieser Menschen stören wollten.
Vor einigen Jahrzehnten fing man an, Neubauten etwas zentraler zu platzieren, wo diese Menschen aber immer noch eine mehr oder weniger geschlossene Gruppe in einer Gemeinschaft bildeten. Sie waren mitten im Dorf oder Quartier, aber dennoch ziemlich für sich.

*Ich sage „war“, weil wir nun einen Schritt weiter sind und zwar bei der Inklusion.


Bei der Inklusion ist es anders.
Inklusion bedeutet Zugehörigkeit.
Da werden Menschen also nicht nur miteinbezogen, sondern sie gehören tatsächlich dazu. Bei der Inklusion ist der Rahmen viel elastischer, damit jede und jeder darin seinen Platz finden kann. Für diesem Rahmen muss kein Mensch passend gemacht werden und er muss auch nicht so wie alle andern sein oder werden. Er gehört einfach dazu, genau so wie er ist. Er muss nicht genügen, wem auch immer, und das Ziel ist es nicht, so zu werden wie die, die wir als normal betrachten. Jeder Mensch wird mit seinen ganz persönlichen Ressourcen gesehen und darin unterstützt, seine Grenzen werden wahrgenommen und respektiert. Ohne Wertung.

Die Inklusion und die Gleichberechtigung sind nahe Verwandte. Jeder Mensch soll die selbe Chance haben, natürlich immer auch seinen pesönlichen Fähigkeiten und Möglichkeiten entsprechend.
Wenn sich jemand für einen Job interessiert und dafür qualifiziert ist, soll er oder sie ihn ausüben können oder zumindest die selben Chancen haben, egal of sie eine Frau ist oder er ein Mann.
Wenn aus einem Paar eine Familie mit Kindern wird, soll es ihm freigestellt sein, wie die Arbeitsaufteilung ist. Es braucht sozusagen eine Person für das Innen- und eine für das Aussenministerium oder beide machen etwas von beidem. Dadurch soll keinem von beiden ein Nachteil entstehen, nicht für jetzt und auch nicht für später.
Niemand soll aufgrund seiner oder ihrer Hautfarbe, ihrer Nationalität, ihrer sexuellen Neigung, seiner Konfession oder aus anderen Gründen anders behandelt werden.
Kinder aus ärmeren Familien sollen dieselben Möglichkeiten für Bildung haben wie Kinder aus wohlhabenderen Familien.
Man nennt es auch Chancengleichheit. Ein wichtiger Begriff ist das.

Inklusion kenne ich gut von meiner Arbeit mit Menschen, die eine Einschränkung haben. Mensch mit geistiger Einschränkung ist nicht gleich Mensch mit geistiger Einschränkung. Jede und jeder ist wieder anders, hat wieder andere Fähigkeiten und auch andere Wünsche. Jeder Mensch wird bei Entscheidungen und auch im Alltag miteinbezogen und darin unterstützt. Es wird nicht über ihn bestimmt, sondern mit ihm zusammen. Er wird in seinen Anliegen und Vorstellungen ernst genommen. Man nennt das Partizipation.

Inklusion ist etwas ganz Wunderbares, wovon wir aber noch ganz weit entfernt sind. Inklusion ist eine Entwicklung, ein Weg, auf dem wir uns jetzt befinden.
Diese Entwicklung bedeutet Veränderungen in der Gesellschaft, in unserem Denken und auch in unseren Wertvorstellungen.
Entwicklungen dauern…

Inklusion beinhaltet ganz viele Themen. Es geht um Gleichberechtigung, um Chancengleichheit, um Fairness, sehr stark um Wertvorstellungen und Haltungen uns und anderen gegenüber und all diese Themen sind miteinander verbunden.

Ich habe manchmal das Gefühl, dass ein Teil der Gesellschaft sich ganz fest mit Inklusion, Gleichberechtigung und Chancengleichheit auseinandersetzt und ganz vieles hinterfragt und verändert, während andere noch nicht fertig sind damit, andere auszuschliessen.
Das ist zum einen natürlich nicht förderlich, es ist asozial und es ist einfach auch nur schade, weil durch Exklusion so vieles unmöglich gemacht wird.

Wenn ich von Exklusion spreche, also von Ausschluss, dann denkt man ja in erster Linie an Menschen, die Beeinträchtigungen oder chronische Krankheiten haben oder vielleicht von Armut betroffen sind, wenn eine Suchtproblematik vorliegt oder sonst irgendetwas, von dem wir denken, das könnte uns nie passieren.
Das ist sehr falsch. Denn grundsätzlich kann jeder und jedem von uns alles passieren.

Ich glaube, das sind dann Themen, die viele von uns erst dann interessieren, wenn sie uns direkt betreffen. Darüber denke ich oft nach und frage mich, warum das so ist. Und auch darüber, warum Menschen andere Menschen ausschliessen. Das passiert nicht nur Menschengruppen sondern auch einzelnen Menschen. Vermutlich kennt jeder von uns solche Situationen, wo wir uns ausgeschlossen fühen.
Ich finde, dass Exklusion ein ebenso wichtiges Thema ist wie Inklusion, denn ohne das eine müsste es das andere ja gar nicht geben. Etwas, was es wirklich gilt zu hinterfragen.

Weil mir der Text nun aber doch ein bisschen zu lang wird, werde ich mich diesem Thema im nächsten widmen.




4 Antworten zu “Alle.”

  1. Ich bin gespannt auf deine Weiterführung. In der Familie beschäftigen wir uns schon lange mit diesen Themen, haben wir doch zwei von drei Töchtern, die in ganz unterschiedlichen Bereichen betroffen sind.
    Seit einiger Zeit merken wir übrigens auch, dass nicht nur vermeintlich „minderbemittelte“ Menschen betroffen sind, sondern dass auch hochbegabte (und queere) junge Leute Probleme haben, ihren Platz zu finden.
    Ganz wichtig ist dein Punkt: Es kann jedem und jeder einzelnen von uns jederzeit passieren, dass wir auf einem Mal auf der Seite der „Anderen“ stehen. Ich glaube, darüber denkt kaum jemand nach.

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  2. Ich finde die Darstellung sehr gut. Inklusion mit dem Gegenbegriff Exklusion zu kontrastieren und dann von Integration abzugrenzen, ist methodisch vorbildlich und sachlich fruchtbar. Eigene Erfahrungen einzuweben macht deinen Text nachvollziehbar und warmherzig.
    Als Lehrer wurde ich sehr vollmundig an Inklusion herangeführt, wurde ei der Umsetzung allerdings nur sehr reduziert unterstützt. Es braucht qualifizierte Personen in ausreichender Anzahl, um das Konzept umzusetzen, zumindest in einem so unflexilen System, wie die Schulen in meinem Bundesland. Am Ende ist es eine Frage des Geldes und so werden am Ende doch diejenigen abgesondert, für die Inklusion gedacht war.

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