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Der Tag, an dem…


Der Tag, an dem…

Im Verlauf unseres Lebens, bleiben uns vermutlich so einige solcher Tage in Erinnerung. Kann gut, kann aber auch schlecht sein.

Der erste Tag, der mir sehr deutlich in Erinnerung geblieben ist, ist der Oster-Sonntag 1995.
Der Tag, an dem mein Bruder verunfallt ist.
Das war wohl mein erstes Ereignis, das mich und mein Leben tatsächlich ganz tief in seinen Grundmauern erschüttert hat und dies auf eine Art und Weise bis heute ein wenig tut.

Am Montag hat jemand zu mir gesagt, ich hätte schon viele Schicksalsschläge erlebt in meinem bisherigen Leben und sie zeigte sich beeindruckt darüber, wie positiv ich (trotzdem?) bin.
Ich glaube schon, dass das stimmt. Beides bzw das Zweite nur meistens.
Aber ich glaube auch, dass es auch euch nicht anders geht. Ich habe meine Schicksalsschläge schon relativ früh in meinem Leben erlebt. Andere erleben es noch früher oder später oder halt immer wieder. Es ist einfach der Lauf des Lebens und wer weiss schon, was es noch für uns auf Lager hat…

Es gibt Tage, die bleiben einem in Erinnerung. Weil sie sehr emotionsgeladen waren. Ich habe gestern gelesen, dass Menschen, die von solchen Tagen auch nach Jahren noch jeden einzelnen Ablauf und fast jedes Detail wissen, all dies noch nicht genügend verarbeitet haben.
Und obwohl ich gedacht habe, dass ich das hätte, bin ich damit nicht ganz richtig gelegen. Besonders die Todestage meiner Eltern sind tief in meine Erinnerungen geritzt, obwohl es lange her ist und ich genügend Abstand habe irgendwie. Und doch hatten diese beiden Tage und der oben genannte noch dazu einen so grossen Einfluss auf mein Leben, dass es heute ganz anders verlaufen würde, wäre das alles nicht oder anders passiert. Logisch.
Was wäre wenn… Genau. Das bringt ja nichts. Aber es ist trotzdem so wie es ist. Klingt eh viel schlechter als es ist. Es gibt Dinge, die belasten, das ist klar. Aber zB wäre ich vermutlich nicht Sozialpädagogin oder überhaupt der Mensch, der ich jetzt bin, geworden ohne all meine Erfahrungen und ganz besonders halt ohne diese. Geht uns ja allen so. Manchmal hadert man, manchmal sieht man all das Gute, das daraus entstanden ist.
Wie ich schon öfter geschrieben habe, glaube ich, dass wir an Erfahrungen wachsen und wohl besonders an denen, die uns ganz besonders herausfordern. Man weiss ja nicht, was für eine Person man wäre, wenn das Leben einen andern Lauf genommen hätte. Ich glaube aber, dass ganz viele meiner charakteristischen Eigenschaften dadurch gestärkt wurden und nicht zuletzt auch meine Resilienz. Ich bin mir ganz sicher, ich würde viel weniger verstehen, es wäre mir weniger gut möglich, mich in andere einzufühlen. Ich wäre vielleicht weniger zuversichtlich, weniger reif und weniger Lebens-erprobt. Aber vielleicht wäre ich auch ungezwungener und in gewissen Dingen freier.
Ich glaube nicht, dass Schicksalsschläge für etwas gut sind und wir alle bräuchten sie wirklich nicht. Wir können das aber nicht steuern und verhindern. Das einzige, was wir tun können ist, es so anzunehmen und durch die Erfahrung zu lernen, zu reifen und zu wachsen. „Das Beste daraus machen“, wie wir ja oft sagen. Und so kann man schlussendlich dann irgendwann vielleicht doch sagen, dass sich alles wieder zum Guten gewendet hat und sehen, was daraus gewachsen ist.
Jeder Weg, den wir gehen, ist nicht ausschliesslich steinig. Mit ein wenig (oder viel) Geduld, wächst da früher oder später etwas Schönes.

Diese Tage…
Die kennt jeder.
Der Tag, an dem man eine bestimmte Nachricht bekommen hat.
Der Tag, an dem man jemanden kennen gelernt hat.
Der Tag, an dem man sich getrennt hat.
Der Tag, an dem man oder jemand Nahestehender eine bestimmte Diagnose bekommen hat.
Der Tag, an dem ein Notfall passiert ist.
Der Tag, an dem man jemanden verloren hat.
Der Tag, an dem man einen besonderen Erfolg feiern konnte.
Der Tag, an dem man einen neuen Lebensabschnitt begonnen hat.
Der Tag, an dem Lady Diana starb.
Der Tag, an dem in New York ein Flugzeug in die Twin Towers geflogen ist.
Der Tag, an dem man Vater, Mutter, Oma, Opa, Patin oder Pate geworden ist.

Der Tag, an dem etwas ganz besonders Schönes passiert ist.
Oder der Tag, an dem etwas ganz besonders Schreckliches passiert ist.

Die wichtigsten Ereignisse im Leben eines Menschen haben vor allem mit Liebe, Trennungen, schweren Krankheiten, Todesfällen und der Geburt eines Kindes zu tun. Also alles Ereignisse, die in uns starke Emotionen hervorrufen und genau aus diesem Grund bleiben für eine lange Zeit in unserem Gedächtnis haften bleiben. Zuerst das ganze Ereignis, welches irgendwann immer mehr verblasst und irgendwann bleibt dann nur noch eine vage Erinnerung und das Gefühl dazu, das bleibt.

Nun wünsche ich euch besonders schöne Ereignisse und Kraft für die andern, die schon da waren oder noch kommen mögen…


2 Antworten zu “Der Tag, an dem…”

  1. Der Film von Truffaut „Sie küssten und sie schlugen ihn“ heißt in französischen Original „Les quatre cents coups“, die 400 Schläge. Es gibt einen historischen Hintergrund, aber das ist hier egal. Es sind keine physischen Schläge, sondern Schicksalsschläge, Einschneidendes, Dummheiten, etwas wie du es beschrieben hat. Gemeint ist, dass es erst nach diesen (fiktiven) vierhundert Erfahrungen gut ist, dass man versteht, akzeptiert, klug geworden und vielleicht auch demütig geworden ist, jedenfalls mit sich und der Welt im Reinen. 400 ist natürlich eine symbolische Größe für ziemlich viel. Am Ende macht uns das aus.

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