Tunnelblick


Wir haben den Überblick, wissen fast alles und kennen uns aus. Wir sind breit informiert und können überall mitreden.

Tatsächlich?
Wir sehen ja immer das, was sich auf der Bühne abspielt. Dort, wo unsere Aufmerksamkeit hingelenkt wird, dort wo die Scheinwerfer hin leuchten. Das, was im Licht ist. Der oder die, die im Licht steht. Freiwillig oder unfreiwillig. Bewusst oder unbewusst. Von uns gelenkt oder von andern und auch das nicht immer alles bewusst.

Wir haben einen Tunnelblick, würde ich behaupten. Manchmal mehr, manchmal weniger.


Tunnelblick:

Das ist eine Augenkrankheit:
Das Gesichtsfeld schränkt sich dabei bei den Betroffenen von außen her immer mehr ein, bis nur noch ein kleiner zentraler Sehrest übrig bleibt. Dieser Sehrest wird dann als „Tunnelblick“ oder „Röhrengesichtsfeld“ bezeichnet. Der Betroffene sieht nur noch Gegenstände, die er direkt ansieht.
Man hat also ein sehr eingeschränktes Blickfeld.
Der Fachbegriff für den Tunnelblick lautet „Retinitis pigmentosa“. Das sind erbliche Augenerkrankungen, die durch ein verändertes Gen entstehen und in deren Verlauf die Zellen der Netzhaut (Retina) absterben. Dabei entstehen Symptome wie Nachtblindheit, eine Verringerung der Sehschärfe und dann allmählich die fortschreitende Gesichtsfeld-Einschränkung, bis nur noch ein kleiner Rest zentrales Sehvermögen übrigbleibt. Der Name Tunnelblick aus dem Grund, weil das verbleibende Sichtfeld einem Tunnel gleicht. Alles ausserhalb ist nicht mehr sichtbar.
Bei fortschreitender Erkrankung ist eine Orientierung in fremder Umgebung kaum mehr möglich. Die Fähigkeit zu lesen bleibt aber noch einige Zeit erhalten.


In der Psychologie spricht man von Tunnelblick als Einschränkung des Gesichtsfeldes durch die eingeschränkte Wahrnehmung des Gehirns, zB durch Alkohol- oder Drogeneinwirkung.

Tunnelblick kann man aber auch wegen Angst und Panik bekommen, wo dann die ganze Aufmerksamkeit nur noch in eine Richtung geht und dadurch sehr eingeschränkt ist.
Wenn man sich bedroht fühlt, kann es passieren, dass man seinen Blick nicht mehr von der Gefahrenquelle nehmen kann, alles aussenrum ausblendet und sich dann womöglich genau dieser Gefahr aus diesem Grund aussetzt.

Tunnelblick interpretiere ich auch so, dass jemand unfähig oder unwillig ist, etwas wahrzunehmen, was ausserhalb dessen liegt, was ihn zB interessiert oder das er kennt.
Vielleicht wenn Menschen ausschliesslich an die Wissenschaft glauben und es ausschliessen, dass es daneben noch etwas anderes geben könnte. Oder natürlich auch umgekehrt, wenn zB esoterische oder streng religiöse Menschen die Wissenschaft ausblenden, zB die Entstehung des Universums durch den Urknall.

Tunnelblick interpretiere ich aber auch so, dass jemand nicht wahrnehmen kann oder will, was ausserhalb seines Vorstellungsvermögens liegt.
Oder sehr stark auch, wenn man sich auf etwas fokussiert und vielleicht auch ein bisschen versteift und einfach nichts anderes mehr zulassen kann. Ich denke, das geht auch ein bisschen ins Thema Radikalismus hinein, was ganz bestimmt keine gesunde Einstellung ist. Sich zu radikalisieren ist unter Umständen eine gefährliche Sache. Sie macht einen einseitig und stur. Man hat nur noch die eine Sache im Blickfeld und zwar auf diese ganz eigene Sichtweise, alles andere kann man nicht mehr sehen oder akzeptieren und will das auch gar nicht. Radikalismus verhindert Information, Durchblick und Objektivität. Radikalismus verhindert ebenfalls Lösungen. Radikalismus verkörpert für mich Schwarz-Weiss-Denken ohne Wenn und Aber, ohne Grau- und ganz besonders ohne Bunt-Töne.

Es gibt durchaus gute (Be)Gründ(ung)e(n), Dinge auszublenden und natürlich hat das oft oder vielleicht auch immer einen Hintergrund, eine Erklärung. Es kann zB der eigenen Psychohygiene dienen, zur Erholung, zur Abgrenzung oder ganz sicher sehr, sehr oft auch oft, um sich zu schützen. Manchmal blendet der Mensch unterbewusst aus, um sich nicht erinnern zu müssen.

Wir sehen auch, was wir sehen möchten oder halt das, mit was wir am besten umgehen können. So ein Tunnelblick kann uns allen hin und wieder passieren und es ist in diesen Situationen nicht das schlechteste, mal einen Schritt zurück zu machen und mal zu sehen, was daneben noch alles ist.

Passt für mich auch irgendwie ganz gut zur momentanen Zeit.







2 Comments

  1. Manchmal kann ein Tunnelblick auch ein Schutz sein, wenn es gilt, die Kräfte im Inneren zu sammeln und die Außenwahrnehmung zu reduzieren.

    Lieben Gruß!

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