Nebelschwaden

Im Herbst ist der Herbst meine liebste Jahreszeit.
So wie es im Sommer der Sommer, im Frühling der Frühling und im Winter der Winter ist.
Weil jede Jahreszeit ihren Reiz, ihre ganz besonders schönen Seiten hat.

Ist der Herbst nicht die schönste (Jahreszeit) von allen, jedenfalls im Moment?
Es ist nicht mehr so heiss wie im Sommer, aber oft doch noch schön warm. Wenn die Sonne scheint, dann geniesse ich sie nun umso mehr, weiss ich doch, dass sie sich schon bald rarer machen und an Kraft verlieren wird.
Die Tage werden kürzer, was ja nicht unbedingt als positiv empfunden wird. Am Morgen fällt es mir schwerer aufzustehen, weil es dunkler als gewohnt und dazu auch noch kälter ist und am Abend dunkelt es bereits richtig früh ein. Ich mag das nicht. Und irgendwann bald wird noch der Nebel dazu kommen. Sturmsdicker. So, dass ich mich manchmal fast nicht mehr orientieren kann und gar nicht mehr soooo genau weiss, wo ich bin, auch wenn ich diesen Weg fast täglich fahre. Bisschen mühsam zum Auto fahren ist das schon und auch gefährlich. Es empfiehlt sich, langsamer unterwegs zu sein, denn man erkennt andere Verkehrsteilnehmer unter Umständen erst spät.
Aber irgendwie finde ich den Nebel auch ziemlich okay. Zuweilen sogar richtig schön. So mystisch und still. Wenn man abends spazieren geht und es ist dunkel, nicht zuletzt wegem Nebel… Aus dem Nichts tauchen in der Ferne Lichter auf, aus den Küchen und Stuben der Häuser. Warmes Licht, irgendwie gedämpft und leise. Es strahlt Geborgenheit aus und irgendwie auch Frieden. Schön.
Und wenn man dann selber wieder zuhause im Warmen ist, ein bisschen durchgefroren von der Kälte des Nebels, die durch jede Ritze der Kleidung zu dringen scheint… so schön! Geniessen wir unsere Wohnung jemals so wie im Herbst oder Winter? Wir machen es uns gemütlich, machen Licht – künstliches, Kerzen oder im Kamin – und geniessen die Wärme. Es zieht uns weniger raus, wir sind gerne zuhause. Ich jedenfalls… Soooo schön, wenn man drinnen am Kochen ist oder am Lesen, Schreiben oder irgendwas und man sieht draussen das manchmal halt auch eklige, nasse und graue Herbstwetter. Ich mag das.

Und wenn der Herbst seinen Lauf nimmt, wenn der Oktober kommt und geht und mit ihm das Grün der Blätter an den Bäumen und Sträuchern… All die Farben von grün über gelb bis zu rot in allen Nuancen. Wunderwunderschön. Ich glaube, das ist das Geschenk der Natur an uns, weil sie weiss, dass uns manchmal das trübe Wetter mehr oder weniger auf die Psyche schlägt. Das ist einfach richtig schön.

Wir Menschen vergessen ja manchmal, dass die Jahreszeiten oder auch das Wetter allgemein nicht dazu da ist, um uns zu gefallen, sondern für die Natur allein. Wir müssen uns anpassen und zurecht kommen. Aber die Natur braucht jede Jahreszeit.
Im Herbst macht sie sich bereit für den Winter. Blumen verwelken und verenden. Im Garten wird irgendwann das letzte Gemüse geerntet. Und auch auf den Feldern wird geerntet. Der Boden wird für den Winter parat gemacht.
Die meisten Bäume und Sträucher lassen ihre Blätter fallen, um später im Winter das Gewicht des Schnees tragen zu können. Auch die Tiere machen sich bereit für den Winter. Einige bekommen ein dickeres Fell, andere fliegen in den Süden, andere legen sich einen Wintervorrat zu und verstecken den gut. Einige machen sich bereit für die Winterruhe oder den Winterschlaf. Die ganze Natur macht sich bereit, um sich ein paar Monate lang auszuruhen, um im Frühling wieder so richtig aufzublühen.
Diese Pause hat sie sich verdient.

Und vielleicht schadet es auch uns nichts, mal runterzufahren und etwas ruhiger und in uns gekehrter zu werden. Mal unsere Akkus aufladen, uns aneinander oder in unsere Decken kuscheln, um auch im Frühling voller Energie wieder aufzublühen…