Die Füsse im Wasser…

Nicht immer im Leben stehen wir auf festem Boden.
Nicht immer sind wir da, wo wir uns gern sähen.
Manchmal sind wir noch nicht mal die, die wir sein möchten…
Wir sind unterwegs. Manchmal suchend, manchmal nicht.
Ich glaube, leben bedeutet, auf dem Weg zu sein. Vom ersten Moment bis zum letzten. Auf dem Weg sein, das schliesst glücklich sein, zufrieden sein nicht aus.
Auf dem Weg sein schliesst aber auch Stillstand und Rückschritte nicht aus.
Es bedeutet einfach, dass wir uns entwickeln.

Nicht immer im Leben stehen wir am Ufer. Im sicheren Hafen.
Für Menschen, die Sicherheit und Ruhe dem Abenteuer, dem Ungewissen vorziehen, wäre das aber wohl wünschenswert. Oder wenn im Wasser, dann wenigstens nicht zu weit draussen. Nicht das vertraute Land aus den Augen verlieren und schon gar nicht den Boden unter den Füssen. Nicht im trüben Wasser stehen, im Ungewissen.
Das ist sie dann wohl, die berühmte Komfortzone. Ich finde die gut. Richtig gut. Aber halt nicht immer und nicht, um sich zu entwickeln.

Es gibt ja Momente, da springen wir freiwillig ins tiefe Wasser oder wir waten langsam raus, step by step. Je nach Person, je nach Situation. Offen für vieles bzw. Neues, risikofreudig, neugierig. Hungrig nach Adrenalin und Abenteuer. Voller Lebensfreude! Oder ganzohne dieselbe. Lebensmüde, nichts mehr zu verlieren…
Oder zusammen. Lassen uns von jemandem leiten, führen, ziehen… Oder sind selbst die treibende Kraft.

Sehr oft springen wir aber nicht freiwillig und da gibt es verschiedene Möglichkeiten, was passieren könnte. Jemand, der seelisch oder körperlich an uns hängt oder wir an ihm, springt und wir gezwungenermassen mit ihm. Oder irgendwelche Umstände – man könnte es Schicksal nennen, wenn man denn daran glauben würde – lassen uns springen. Oder wir werden geschubst, egal von wem oder von was.
Unter diesen Umständen ist schwimmen viel schwieriger, denn man trägt möglicherweise einen viel schwereren Rucksack auf dem Rücken als unter normalen Umständen. Ausserdem ist es gut möglich, dass unsere Gefühle uns die Sicht vernebeln, unsere Bewegungen lähmen. Es braucht viel Energie sich in diesem Zustand überhaupt über Wasser zu halten. Ans vorwärts Kommen ist nicht zu denken. Bis man irgendwann wieder etwas klarer sieht, Ballast abwerfen kann und sich für eine Richtung entscheidet.

Und dann nimmt alles seinen Lauf… Irgendwann beginnt man zu schwimmen… Vielleicht. Wenn nicht, nimmt auch alles seinen Lauf. Dann ist es möglicherweise zu Ende oder man wird gerettet.

Wenn man sich aber fürs Schwimmen entscheidet, taucht irgendwann am Horizont Land auf. Eine Insel, ein neuer Kontinent. Vielleicht tauchen sogar mehrere auf und wir können uns entscheiden, auf welchen wir zu schwimmen. Vielleicht ist es der, der am schnellsten zu erreichen ist, weil wir so erschöpft sind. Vielleicht der, der uns aus der Distanz am schönsten erscheint oder möglicherweise meinen wir, den einen zu erkennen…

Dieses einzigartige Gefühl, wenn wir dann endlich ankommen. Wenn unsere Füsse zum ersten Mal wieder festen Boden unter sich spüren, wir uns ausruhen und entspannen können. Gespannt, was uns erwarten wird. Hoffnung!
Vielleicht werden wir länger bleiben, vielleicht auch nicht.

Vielleicht ist da jemand, der unsere Hand in die seine nimmt und uns willkommen fühlen lässt…