Tragödien

Tragödien sind meiner Meinung nach etwas sehr Persönliches.
Sie geschehen oft im Verborgenen (jedenfalls ihr wahres Ausmass), betreffen nur einen oder eine Gruppe von Menschen, dafür aber heftig. Tragödien sind Schicksalsschläge, Dramen und Katastrophen, die meistens ein schlimmes Ende nehmen. Das Umfeld oder zum Teil die Öffentlichkeit nimmt Anteil, mittendrin zu sein ist jedoch ganz anders.

Oft werden Ereignisse als Tragödien bezeichnet, obwohl sie, so finde ich, gar keine sind. Oder zumindest nicht für uns. Alles wird so aufgebauscht.
Eine Niederlage im Sport…
Die  Trennung eines prominenten Pärchens…
Der frühe Tod eines bekannten Musikers…
Die Kinderlosigkeit einer Schauspielerin…
Meghan Markle verstösst gegen die Etikette des englischen Königshauses…
In China fällt ein Sack Reis um…
Trump twittert irgendwas…
Justin Biber läuft in eine geschlossene Glastür…

Natürlich sind das Tragödien. Sogar grosse. Für die betroffenen Menschen.
Wir lesen darüber lang und breit in den Medien und mich interessiert sowas mässig, um ehrlich zu sein. Ich frage mich immer, warum die breite Masse der Menschheit solche Neuigkeiten so sehr zu interessieren scheinen. Die Welt wird von Verrückten regiert, es herrscht Terror und Krieg. Und was zuoberst in den Zeitungen steht, sind solch „banale“ Nachrichten. Klatsch und Tratsch. Wen geht das alles überhaupt etwas an?

Ganz ehrlich… solche  Dinge geschehen jeden Tag. Und zwar überall auf der Welt. Dem Leben und dem Schicksal ist es egal, ob jemand berühmt ist oder nicht.
Menschen erkranken an Krebs und allerlei anderen nicht minder schlimmen Krankheiten, sie verlieren ein Kind, sie verunfallen, sie sterben. Ehen scheitern, Menschen streiten, leiden, verzweifeln. Sie bringen sich um, selbst oder gegenseitig, mit Absicht oder ohne. Sie verlieren ihren Job, sie werden von Unwettern heimgesucht, von Lawinen verschüttet und von Krokodilen gefressen. Sie verlieren ihr Hab und Gut, werden gemobbt, bedroht, erpresst oder sonst scheisse behandelt. Sie stürzen ab. Süchtig oder vom Himmel und Bergen.
Für jeden von ihnen und auch für die, die ihnen am nächsten stehen, sind das ganz bestimmt und verständlicherweise unvorstellbare Tragödien, wahnsinnige Krisen. Das sind schwierige Situationen.

Ich finde nicht, dass man da Unterschiede machen kann, zB abhängig vom Berühmtheitsgrad der betroffenen Person. Krisen sollen nicht gewertet werden. Niemand hat das Recht, darüber zu urteilen was wie schlimm oder schlimmer ist. Wirklich niemand. Und ich finde – und das möchte ich sehr betonen – dass uns Menschen irgendwie das Taktgefühl abhanden gekommen ist, gerade auch wenn sich Tragödien ereignen. Da wird gegafft, wenn möglich Handy-Fotos gemacht statt zu helfen, getratscht und die Nase in Dinge gesteckt, die uns echt nichts angehen. Wenn man einer Person, die irgendwie in Not geraten ist nicht helfen kann – und man kann nicht jeden helfen, das muss man auch gar nicht – dann hält man sich meiner Meinung nach einfach raus und macht ihr das Leben nicht noch schwerer durch unnötige Beurteilungen, Veröffentlichungen und Pietätlosigkeit. Auch bei Stars, denn deren Krisen sind nicht weniger schlimm als unsere…