Wir schreiben das Jahr 2611

Wir schreiben das Jahr 2611. Die Erde hat sich in den letzten paar hundert Jahren verändert. Schon unsere Ururahnen sprachen von Klimaveränderungen, nahmen dies alles jedoch nicht sonderlich ernst. Das alles war nicht so richtig spürbar. Sie lachten, wenn von Erderwärmung gesprochen wurde, die Winter aber kälter und länger wurden. Sie sagten, es gab immer wieder heissere Sommer oder kältere Winter, grosse Stürme, Lawinen und Überschwemmungen, das habe alles nichts damit zu tun, alles sei normal.

Und doch nahmen die Veränderungen ihren Lauf, ganz langsam aber stetig schritten sie voran und haben unsere Erde verändert. Sie würden sie nicht wieder erkennen. Die Erd- und Wasserflächen, also auch die Kontinente, die es früher einmal gab, haben ihre Form verändert, ganze Landteile sind im Wasser versunken.

Der Mensch wurde gezwungen, sich unter Wasser anzusiedeln, da die Erdoberfläche mittlerweile zu wenig Platz für alle bietet. Dieses Problem wurde lange Zeit bevor es eingetreten ist erkannt und Forscher befassten sich ausgiebig damit, neue Wohnformen für den Menschen zu finden. In den frühen 2000er Jahren wurde viel darüber geschrieben, dass man in kurzer Zeit den Mars besiedeln könnte. Es gab sogar Menschen, die lange bevor dies überhaupt möglich war, teure Flüge dorthin gebucht haben und sogar an Auswanderung interessiert waren. Diese Zukunftsvisionen wurden niemals umgesetzt, es gab viele Gründe dafür.

Also jedenfalls wohnt unterdessen rund 1/8 der Weltbevölkerung unter Wasser. Was im Jahr 2570 mit kleineren Projekten in Australien, welches unterdessen komplett vom Wasser bedeckt ist, begonnen hat, wurde auf andere Länder ausgeweitet. Es gibt Unterwasser-Kolonien in Südafrika, Nordeuropa und auch auf Hawaii. Das erste Unterwasserprojekt in Australien wurde damals von der ganzen Welt belächelt, niemand glaubte ernsthaft an einen Erfolg. Und ja, das war es. Ein riesiger Erfolg und vermutlich die Rettung vieler Menschen.

Das interessante ist ja, dass die Menschen, die in diesen Kolonien leben, sich ihrem Umfeld angepasst haben. Die erste Generation trug damals so etwas wie Taucherausrüstungen, welche unterdessen jedoch nicht mehr notwendig sind. Es hat sich eine Art neue Spezies gebildet unter Wasser. Menschen mit Schwimmhäuten zwischen den Fingern und Zehen. Die Nase hat sich ziemlich zurückgebildet, dafür wuchsen hinter den Ohren eine Art Kiemen, durch die unter Wasser geatmet werden kann. Es braucht also keine Sauerstoffzufuhr mehr, der Mensch hat sich den Gegebenheiten angepasst.

Die Unterwasser-Kolonien sind in letzter Zeit als Feriendestinationen sehr aufgekommen. Anfänglich sehr teuer und nur für die wohlhabende Oberschicht finanzierbar, sind die Preise nun auf einen vernünftigen Rahmen gesunken. Die Landmenschen finden es wahnsinnig faszinierend, in die Unterwasserwelt einzutauchen und sehr erholsam, dort Urlaub zu machen. Spezielle Tauchausrüstungen machen dies möglich. Umgekehrt ist es für die Meeresmenschen nicht mehr möglich, für längere Zeit das Wasser zu verlassen.

Als diese Meeresprojekte ihren Anfang fanden war es ja kaum möglich, sich dort unten anzusiedeln bzw. dort zu leben, denn die Meere waren verschmutzt, viele Tiere ausgestorben oder krank. Der Meeresgrund war von Plastikabfällen bedeckt. Ein trauriges Bild.
Die Meeresbewohner – und das fasziniert mich zutiefst – haben es sich zur Aufgabe gemacht, ihren neuen Lebensraum zu reinigen. Für sich und natürlich auch in erster Linie für die dort lebenden Tiere und Pflanzen. So wurde in den letzten hundert Jahren bereits mehrere Unterwasserregionen vom Schmutz befreit. Vom Aussterben bedrohte Tiere haben sich unerwarteter Weise wieder vermehrt, die Artenvielfalt hat sich sogar vergrössert.
Kleine Krebse oder auch der äusserst menschenfreundliche Delfin sind sehr beliebte Haustiere der Unterwassermenschen. Sie haben riesige Plantagen mit Muscheln angesetzt, zwecks Perlen-Gewinnung. Der Export auf die Erdoberfläche ist ein lukratives Geschäft. Mit Geld wird längst nicht mehr bezahlt. Getauscht wird gegen beliebte Luxusgüter wie Äpfel, Kartoffeln oder Trauben.

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