Von Nebel, Lichtern und von der Traurigkeit…

Es ist nun plötzlich kalt geworden und die Tage kürzer. Morgen beginnt der November, mit ihm wird dann wohl auch der Nebel Einzug halten. Dieser kalte, graue Vorhang legt sich dicht vor unsere Augen und nicht selten auch auf unser Gemüt.

Ist wohl aus diesem Grund am 1. November Allerheiligen? Weil die Menschen trübsinniger werden und die Melancholie auch das Vermissen unserer Verstobener wieder schwerer werden lässt? Ich weiss es nicht, warum es ausgerechnet am 1. November ist. Könnte man ja googeln, aber ich mache mir da lieber meine eigenen Gedanken. 

Ich glaube, es hat in der Kirche bei uns im Dorf selten so viele Leute wie zu Allerheiligen. Ich mag aber nicht hingehen. Ich glaube, meinen Eltern ist das sowieso egal. Sie wissen ja vielleicht (so stelle ich mir das jedenfalls vor, vermutlich um mich selbst zu trösten), dass ich an sie denke. Wirklich, auch nach 10 und 19 Jahren noch sehr oft. Die Gedanken sind mit weniger Trauer begleitet als noch vor ein paar Jahren, wenn auch manchmal schon immer noch. Ich glaube dass es wahr ist, wenn man sagt dass die Zeit die Wunden heilt. Oder der Alltag reisst uns an sich und weiter. Das hat ja manchmal auch sein Gutes, denn es bringt ja niemandem etwas, in der Traurigkeit zu versinken. Falls man das überhaupt steuern kann. Und wenn die Zeit die Wunden heilt, kann sie es leider dennoch nicht verhindern, dass die Haut an diesen Stellen etwas dünner bleibt, vernarbt und empfindlicher ist. Wohl für immer.

Also. Allerheiligen. Wie ich schon mal geschrieben habe, mache ich nichts besonderes an diesem Tag. Den Friedhof besuche ich meistens am Vorabend, also heute Abend, wenn es am Eindunkeln ist, um Kerzen anzuzünden. Bis vor ein paar Jahren besuchte ich hier drei Gräber und im Nachbardorf noch zwei, unterdessen ist nur noch eines davon übrig geblieben. Das meines Vaters. Und irgendwie ist nun für mich daraus das Grab beider Elternteile geworden, weil ich dort ja an beide denke und weil sie zusammen gehören. 

Ich glaube, wir zünden die Kerzen mehr für uns an als für die Verstorbenen. Weil es das einzige ist, was wir noch tun können. Weil Licht Liebe und Wärme ausdrückt. Weil wir besonders an diesen Tagen Trost brauchen. Schlussendlich kommt es ja nicht auf die Gründe an. Oder darauf, ob man es tut oder was man tut. Jeder geht auf seine Art mit diesen Dingen um. 

Vor ein paar Jahren, als ich am 31. Oktober den Friedhof besuchte, kam ich gerade vom Einkaufen und hatte eine ganze Schachtel Grabkerzen im Auto. Ich ging auf die Gräber und stellte je ein Licht hin. Überall brannten Kerzen, es sah wirklich schön aus, wie die Lichter, gedämpft durch den Nebel schimmerten. Mir fiel aber auf, dass es auf einigen der Gräber dunkel war, vermutlich gab es niemanden, der dort eine Kerze anzündet, warum auch immer. So holte ich aus dem Auto die restlichen Kerzen und verteilte sie. 

Und so mache ich das seitdem jedes Jahr.