Wenn du für einen Tag mit einer berühmten Person das Leben tauschen könntest: Wer wäre das – und warum?
Es gibt diese Fragen, die auf den ersten Blick ganz harmlos erscheinen. Zum Beispiel: Wenn du für einen Tag mit einer berühmten Persönlichkeit das Leben tauschen könntest, wer wäre das?
Man könnte jetzt natürlich an einen Hollywood-Star denken. An eine berühmte Sängerin, die vor tausenden Menschen auf der Bühne steht. An einen Milliardär, der sich um Geld keine Gedanken machen muss. Oder an jemanden, der irgendwo auf einer traumhaften Insel lebt und den ganzen Tag Cocktails trinkt. An ein wunderbares Leben…
Ich habe mich für Donald Trump entschieden. Nicht etwa, weil ich ihn bewundere, nein. Ganz im Gegenteil. Aber wenn ich schon für 24 Stunden in die Haut eines anderen Menschen schlüpfen dürfte, dann doch am liebsten in die eines Menschen, der über unglaublich viel Macht verfügt. Und diese Macht würde ich gerne einmal für Dinge einsetzen, die mir wichtig sind. Stellen wir uns also vor, es wäre tatsächlich möglich.
Ich wache morgens auf. Das Bett ist riiiiiiesig, die Bettwäsche fühlt sich teuer an und irgendwie stimmt etwas nicht. Meine Hände sehen anders aus. Ich setze mich auf, schwinge die Beine aus dem Bett und stelle fest, dass auch mein Bauch nicht mehr der ist, den ich gewohnt bin.
Ich gehe ins Badezimmer. Und dann stehe ich vor dem Spiegel. Donald Trump schaut mich an.
Ich schreie!
Was bei dieser Stimme übrigens ziemlich erschreckend klingt.
Ich fasse mir ins Gesicht, ziehe an meinen Haaren und versuche, die Situation zu begreifen. Es hilft nichts. Ich bin tatsächlich Donald Trump.
Dann fällt mir ein, dass ich genau 24 Stunden Zeit habe.
24 Stunden, um mit der Macht des amerikanischen Präsidenten etwas anzufangen. Ich schaue auf die Uhr. Keine Zeit verlieren!
Zuerst brauche ich Kaffee. Und dann einen Stift. Einen richtig guten Stift, denn ich habe einiges zu unterschreiben.
Eine halbe Stunde später sitze ich im Oval Office. Vor mir stehen mehrere Männer in dunklen Anzügen. Einer fragt, ob ich die morgendliche Lagebesprechung wünsche.
«Nein» sage ich. «Ich wünsche zuerst eine Liste sämtlicher Dinge, die ich heute als Präsident tatsächlich entscheiden darf. Und dann eine Liste der Dinge, für die ich den Kongress brauche.»
Die Männer schauen mich an. Offenbar ist diese Frage ungewohnt.
«Und bringen Sie mir bitte auch gleich die Telefonnummern der wichtigsten Leute. Wir haben heute viel vor.»
Ich beginne mit den Epstein-Akten. Ich will wissen, welche Unterlagen noch nicht veröffentlicht wurden, weshalb sie zurückgehalten werden und wer darüber entscheidet. Ich verlange, dass alle rechtlich freigabefähigen Dokumente so schnell wie möglich veröffentlicht werden, am liebsten noch heute. Die Namen und persönlichen Angaben der Opfer müssen selbstverständlich geschützt bleiben.
Ich mache deutlich, dass die Untersuchungen nicht bei bestimmten Namen halt machen dürfen. Auch nicht bei meinem eigenen.
Mein Justizminister schaut mich irritiert an. «Mr. President, sind Sie sicher?»
«Absolut. Und falls Sie etwas finden, das mich betrifft, wird das genauso untersucht wie alles andere.»
Er schaut noch irritierter.
Ich beschliesse ziemlich spontan, eine Pressekonferenz einzuberufen. Dort erkläre ich, dass niemand über dem Gesetz steht, auch kein Präsident. Ich entschuldige mich öffentlich bei E. Jean Carroll für den gerichtlich festgestellten sexuellen Missbrauch und kündige an, dass ich unabhängige Untersuchungen unterstützen werde, wo immer glaubwürdige Hinweise auf Straftaten vorliegen.
Im Saal wird es still. Ein Journalist lässt vor Schreck seinen Kugelschreiber fallen.
Ich lächle freundlich. «Noch Fragen?»
Es melden sich ungefähr fünfzig Hände. Aber ich habe keine Zeit. Schliesslich muss ich noch die Welt retten.
Als Nächstes ist das amerikanische Waffenrecht dran. Ich möchte nicht, dass praktisch jeder Mensch ohne ausreichende Überprüfung an eine Schusswaffe gelangen kann. Ich möchte strengere Hintergrundkontrollen, bessere Regeln für den Verkauf und wirksame Massnahmen, damit Menschen, die eine ernsthafte Gefahr darstellen, nicht einfach Waffen kaufen können.
Ein Berater erklärt mir, dass ich dafür nicht einfach ein neues Gesetz unterschreiben könne. «Dafür brauchen wir den Kongress, Mr. President.»
«Gut. Dann rufen Sie den Kongress an.»
«Den ganzen Kongress?»
«Von mir aus. Wir haben schliesslich Telefone.»
Es stellt sich heraus, dass die amerikanische Demokratie etwas komplizierter funktioniert.
Ich lasse mich nicht entmutigen. Ich ordne an, dass alle bereits bestehenden rechtlichen Möglichkeiten für bessere Waffenkontrollen geprüft und ausgeschöpft werden. Gleichzeitig fordere ich den Kongress öffentlich auf, über konkrete Gesetzesänderungen zu beraten.
Danach widme ich mich der Gesundheitsversorgung. Ich finde es unvorstellbar, dass Menschen in einem der reichsten Länder der Welt Angst haben müssen, krank zu werden, weil sie sich eine Behandlung nicht leisten können. Also möchte ich, dass notwendige Medikamente bezahlbar werden, dass niemand wegen einer schweren Erkrankung finanziell ruiniert wird und dass medizinische Versorgung nicht davon abhängt, wie viel Geld jemand besitzt.
Wieder erklärt mir jemand, dass das alles nicht so einfach sei. Langsam geht mir dieser Kongress auf die Nerven. Ich lasse trotzdem ein umfassendes Reformpaket ausarbeiten, gebe den zuständigen Behörden konkrete Prüfaufträge und kündige an, mich persönlich für die Finanzierung einzusetzen.
Als Nächstes die Bildung. Jedes Kind soll eine gute Schule besuchen können, unabhängig davon, ob seine Eltern reich oder arm sind. Schulen brauchen gut ausgebildete Lehrpersonen, vernünftige Ausstattung und genügend Unterstützung für Kinder, die zusätzliche Hilfe benötigen.
Und dann ist da noch etwas, das mir besonders wichtig ist: politische Bildung. Menschen sollen verstehen können, wie Demokratie funktioniert, wie Gesetze entstehen, wie man Informationen überprüft und wie man zwischen einer Tatsache, einer Meinung und einer frei erfundenen Behauptung unterscheidet.
Es sollen nicht alle dieselbe Meinung haben, aber alle sollen sich ihre eigene bilden können.
Ich möchte ausserdem, dass alle wahlberechtigten Menschen ihre Stimme tatsächlich abgeben können. Ohne unnötige Hürden, Einschüchterung und Angst.
Meine Berater erklären mir, dass viele Wahlregeln Sache der Bundesstaaten seien.
Ich seufze…
«Dann sorgen wir wenigstens dafür, dass die bestehenden Rechte konsequent geschützt werden. Und laden die Bundesstaaten zu Gesprächen ein.»
Inzwischen ist es Mittag. Ich habe Hunger. Man bringt mir einen Hamburger. Ich bestelle einen Salat, eine Portion Ofengemüse und Hummus. Wieder schauen mich alle seltsam an. Seeeehr seltsam.
Pfff…sollen sie doch schauen! Who cares.
Am Nachmittag geht es weiter.
Ich telefoniere mit politischen Verantwortlichen in verschiedenen Ländern. Ich möchte, dass sich die USA wieder stärker an internationalen Klimaschutzbemühungen beteiligen. Ich fordere wissenschaftlich fundierte Entscheidungen und eine ernsthafte Zusammenarbeit mit anderen Staaten.
Dann spreche ich über die Ukraine. Ich will keinen Frieden, der einfach bedeutet, dass ein angegriffenes Land seine Rechte aufgeben muss. Ich möchte diplomatische Bemühungen unterstützen, bei denen die Menschen in der Ukraine selbst über ihre Zukunft mitentscheiden können.
Auch die Behandlung von Menschen auf der Flucht beschäftigt mich. Ich verlange eine Überprüfung der bestehenden Verfahren und möchte sicherstellen, dass Menschenwürde, Familienrechte und rechtsstaatliche Grundsätze respektiert werden.
Zwischendurch muss ich immer wieder erklären, dass ich es tatsächlich ernst meine. Offenbar ist das heute mein meistgesprochener Satz.
Gegen Abend habe ich eine ganze Reihe von Anordnungen unterschrieben, Reformvorschläge auf den Weg gebracht, Gespräche geführt und Pressekonferenzen abgehalten.
Aber ich merke auch, wie begrenzt diese Macht ist. Ein Präsident kann vieles anstossen. Er kann Behörden beauftragen, Prioritäten setzen, internationale Gespräche führen und politische Veränderungen vorantreiben. Aber er kann nicht einfach nach Belieben Gesetze erlassen und er kann schon gar nicht garantieren, dass seine Entscheidungen nach seinem Ausscheiden aus dem Amt bestehen bleiben.
Das macht mir Sorgen, denn morgen wird Donald Trump wieder Donald Trump sein. Was, wenn er alles rückgängig macht?
Ich brauche also etwas, das über diesen einen Tag hinauswirkt. Ich beschliesse, noch eine letzte grosse Rede zu halten.
Vor laufenden Kameras erkläre ich, dass Demokratie nicht davon leben darf, dass ein einzelner Mensch die richtigen Entscheidungen trifft. Sie braucht unabhängige Gerichte, freie Medien, faire Wahlen, gut informierte Bürgerinnen und Bürger und Institutionen, die auch mächtige Menschen kontrollieren können.
Ich spreche darüber, dass niemand unfehlbar ist. Dass Fehler eingestanden werden müssen. Dass politische Gegner keine Feinde sind. Und dass die Wahrheit nicht davon abhängt, wer sie ausspricht.
Dann sage ich etwas, das ich besonders wichtig finde. «Ein Präsident sollte niemals so viel Macht besitzen, dass die Zukunft eines ganzen Landes allein von seinem Charakter abhängt.»
Im Saal ist es vollkommen still und ich denke, nicht nur im Saal. Ich glaube, die Welt schaut mir zu… und ist… überrascht.
Ich weiss nicht, ob ich mit diesen Worten irgendjemanden überzeugt habe. Aber sie sind ausgesprochen. Millionen Menschen haben sie gehört. Sie lassen sich nicht mehr zurückholen.
Kurz vor Mitternacht sitze ich wieder im Oval Office. Ich bin müde, unglaublich müde. Ich habe in diesen 24 Stunden nicht die Welt gerettet. Nicht einmal Amerika. Ich habe keine neue Krankenversicherung für alle geschaffen, keine umfassende Waffenrechtsreform durch den Kongress gebracht und auch keinen Krieg beendet.
Aber ich habe Dinge angestossen. Ich habe Fragen gestellt, die vielleicht lieber niemand gestellt hätte. Ich habe Menschen zum Nachdenken gebracht. Und möglicherweise habe ich Entscheidungen in Gang gesetzt, die sich nicht mehr so einfach stoppen lassen.
Ich schaue auf die Uhr. 23.59 Uhr. Eine Minute noch.
Ich lehne mich zurück. Und dann wird alles schwarz. Als ich die Augen wieder öffne, liege ich in meinem eigenen Bett. Meine Hände sind wieder meine Hände. Mein Gesicht ist wieder mein Gesicht.
Ich bin erleichtert und so erleichtert, wieder mich zu sein…
Was für ein Tag!
Ich drehe mich auf die Seite und schlafe ein.
Zur gleichen Zeit liegt Donald Trump in seinem Bett im Weissen Haus. Er schläft unruhig.
In seinem Traum sieht er Polizisten, die durch lange Korridore auf ihn zukommen. Er sieht Journalisten, die ihm Mikrofone entgegenhalten. Er hört seine eigene Stimme, wie sie sich öffentlich entschuldigt. Er sieht Menschen, die jubeln, während seine Berater verzweifelt versuchen, irgendwelche Dokumente einzusammeln.
Dann klopft es an seiner Tür. «Mr. President? Das FBI möchte mit Ihnen sprechen.»
Er schreckt hoch. Schweissgebadet sitzt er im Bett. «Was für ein schrecklicher Traum!»
Er atmet tief durch. Dann greift er nach seinem Handy schaut sich die News an.
Die erste Schlagzeile lautet:
DONALD TRUMP FORDERT UNABHÄNGIGE UNTERSUCHUNG GEGEN SICH SELBST.
Die zweite:
PRÄSIDENT ENTSCHULDIGT SICH ÖFFENTLICH BEI E. JEAN CARROLL.
Die dritte:
TRUMP: NIEMAND STEHT ÜBER DEM GESETZ – AUCH ICH NICHT.
Er starrt auf den Bildschirm und schreit dann nach seinen Beratern.
Und während im Weissen Haus langsam die Hölle losbricht, schlafe ich zu Hause friedlich weiter. Ich habe schliesslich einen anstrengenden Tag hinter mir…


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