
«Da, wo ich heute bin,
bin ich sehr zufrieden.
Vor allem, wenn ich
daran denke, wo ich
einmal war.»
Als ich diesen Satz gelesen habe, musste ich einen Moment darüber nachdenken, denn eigentlich steckt unglaublich viel darin.
Wir Menschen neigen ja dazu, immer nach vorne zu schauen. Auf das, was wir noch erreichen möchten, auf Dinge, die wir noch verändern wollen oder auf Wünsche, die wir uns noch nicht erfüllt haben. Wir sehen, was uns fehlt, was noch nicht so funktioniert, wie wir es gerne hätten und was andere vielleicht schon erreicht haben. Dabei vergessen wir manchmal völlig, zurückzuschauen.
Zurück auf die Menschen, die wir einmal waren. Auf die Situationen, in denen wir uns befunden haben. Auf schwierige Zeiten, in denen wir vielleicht nicht wussten, wie es weitergehen soll. Auf Entscheidungen, die uns viel Mut gekostet haben und auf all die kleinen Schritte, die uns dorthin gebracht haben, wo wir heute stehen. All die kleinen Schritte haben uns weitergeführt auf unserem Weg. Sie haben uns neue Aussichten vorgeführt, Menschen vorgestellt und manchmal, ohne es zu merken, an neue oder andere Orte geführt. Wir sind nicht nur weitegegangen, wir haben uns auch entwickelt, denn weitergehen bedeutet genau das. Es bedeutet Entwicklung.
Ich glaube, wir unterschätzen oft, wie viel wir im Laufe unseres Lebens eigentlich leisten. Das sind nicht unbedingt immer die grossen Dinge, die man in einem Lebenslauf aufzählen könnte, sondern die vielen unsichtbaren Dinge. Die Nächte, in denen wir wach gelegen sind und uns Sorgen gemacht haben. Die Zeiten, in denen wir nicht so viel Kraft hatten und uns total durchkämpfen mussten. Die Momente, in denen wir nicht so recht wussten, wie und wohin uns unser Weg führen wird und trotzdem einen eingeschlagen haben. Die Entscheidungen, die wir treffen mussten, obwohl wir Angst vor dem Ungewissen oder den Konsequenzen hatten. Die Menschen, von denen wir uns verabschieden mussten oder dies nicht tun konnten. Die Enttäuschungen, die wir verkraftet haben. Die Träume, die wir loslassen mussten, weil das Leben andere Pläne mit uns hatte.
Und irgendwann stehen wir da, schauen zurück und stellen fest, dass wir heute an einem ganz anderen Punkt sind. Vielleicht aber nicht dort, wo wir ursprünglich hin wollten. Es kann sein, dass längst nicht alles so ist, wie wir es uns einmal vorgestellt haben, aber wir sind doch weitergekommen. Wir haben Erfahrungen gesammelt, Dinge gelernt, einiges hinter uns gelassen und uns irgendwie verändert.
Manche Veränderungen haben wir uns gewünscht, andere hätten wir uns lieber erspart. Trotzdem gehören sie heute zu uns.
Ich finde, Zufriedenheit wird manchmal völlig falsch verstanden. Als müsste man erst alles erreicht haben, alles besitzen und am Ziel angekommen sein, bevor man zufrieden sein darf. Als dürfte man erst dann sagen, dass es einem gut geht, wenn sämtliche Probleme gelöst sind, keine Sorgen mehr bestehen und das Leben endlich perfekt ist.
Aber wann wäre das denn? Irgendetwas gibt es doch immer. Einen Wunsch, ein Problem, eine Unsicherheit oder eine neue Herausforderung. So ist das Leben doch einfach.
Zufriedenheit bedeutet für mich deshalb gar nicht, dass alles gut ist oder so wie bei anderen, sondern dass ich trotz allem erkennen kann, was gut geworden ist. Oder besser.
Dass ich mich über das freuen kann, was ich erreicht habe, ohne dabei zu vergessen, dass noch einiges vor mir liegt. Aber hinter mir auch!
Auch, dass ich stolz auf mich sein darf. Ich finde übrigens, dass wir dieses Wort viel zu selten verwenden, wenn es um uns selbst geht. Stolz. Wir sind stolz auf unsere Kinder, auf unsere Freunde und auf Menschen, die etwas Schwieriges geschafft haben. Aber wann sagen wir eigentlich einmal zu uns selbst: Das hast du gut gemacht? Wann erkennen wir an, wie viel Kraft uns gewisse Lebensabschnitte gekostet haben? Ich glaube, wir sollten das öfter tun. Uns einfach darüber freuen, zu wem wir geworden sind.
Obwohl manches einfach nur schlimm war und so manches wirklich nicht hätte sein müssen. Wir dürfen anerkennen und auch wertschätzen, dass wir trotzdem unseren Weg gefunden haben.
Kann sein, dass wir heute vorsichtiger sind als früher. Verletzlicher und auch verletzter in gewisser Weise. Vielleicht selbstbewusster. Vielleicht wissen wir besser, was wir möchten und vor allem, was wir nicht mehr möchten. Vielleicht haben wir gelernt, Grenzen zu setzen, nein zu sagen oder uns nicht mehr für alles verantwortlich zu fühlen.
Und vielleicht haben wir auch gelernt, dass wir nicht jedem Menschen gefallen müssen.
Auch das sind Entwicklungen, die man von aussen nicht unbedingt sieht oder die andere nicht immer so toll finden.
Wenn ich heute zurückblicke, dann sehe ich das, was schwierig war. Ich sehe auch, was daraus entstanden ist und ich sehe zwei Menschen, die nicht mehr genau dieselben sind wie damals…
Entwicklungspotential und Wünsche sind immer noch vorhanden, das ist gut so. Aber ich muss nicht erst dort ankommen, um mit meinem heutigen Leben zufrieden sein zu dürfen.
Wir meinen so oft zu wissen, wo das Ziel ist, aber wir tun es nicht. Wir kennen weder Ziel noch Weg und gehen in die Richtung, in der wir meinen, unser Glück zu finden…



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