Welche Technologie wird es deiner Meinung nach in 20 Jahren ganz sicher geben?
Wenn ich mir überlege, wie unsere Welt in zwanzig Jahren aussehen könnte, dann glaube ich, dass künstliche Intelligenz einen viel grösseren Platz in unserem Alltag einnehmen wird, als sie es heute schon tut. Vermutlich wird sie uns ganz selbstverständlich begleiten, so wie heute das Smartphone.
Ich kann mir vorstellen, dass KI Krankheiten viel früher erkennt als heute. Vielleicht entdeckt sie winzige Veränderungen auf einem MRI oder in einer Blutprobe, lange bevor ein Mensch überhaupt Beschwerden bemerkt. Forschende arbeiten bereits daran, künstliche Intelligenz für die Erkennung von Krebs, Augenkrankheiten oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen einzusetzen. In zwanzig Jahren könnte das ganz normal sein.
Vielleicht wird es auch intelligente Roboter geben, die Menschen im Alltag unterstützen. Sie könnten älteren Menschen helfen, schwere Gegenstände tragen, an Medikamente erinnern oder Menschen mit einer körperlichen Behinderung Aufgaben erleichtern, die heute sehr anstrengend oder gar unmöglich sind.
Auch für Menschen mit Autismus oder anderen neurologischen Besonderheiten könnte KI neue Möglichkeiten schaffen. Vielleicht helfen intelligente Programme dabei, Reizüberflutung besser zu erkennen, Kommunikation zu erleichtern oder den Alltag individuell zu strukturieren. Und zwar nicht weil diese Menschen verändert werden müssen, sondern weil sie dadurch mehr Selbstbestimmung und Lebensqualität gewinnen.
Genau dieser Gedanke ist mir besonders wichtig.
Technologie sollte niemals dazu dienen, Menschen anzupassen, dass sie für die Gesellschaft bequemer werden. Sie sollte nicht das Ziel haben, dass Menschen mit Behinderungen möglichst unauffällig und unsichtbar sind oder anderen weniger Aufwand bereiten.
Ich wünsche mir, dass wir einen anderen Weg einschlagen.
Technologie sollte dort helfen, wo sie das Leben der betroffenen Menschen verbessert. Sie sollte mehr Freiheit ermöglichen, mehr Teilhabe, mehr Selbstständigkeit und mehr Lebensqualität. Nicht, weil jemand den Erwartungen anderer entsprechen muss, sondern weil jeder Mensch das Recht auf ein möglichst selbstbestimmtes Leben hat.
Gleichzeitig dürfen wir nicht den Fehler machen zu glauben, dass Technik allein Inklusion schafft. Die beste künstliche Intelligenz ersetzt keine barrierefreie Schule, keine verständnisvollen Arbeitgeber:innen oder Lehrpersonen, keine offene Gesellschaft und keine Menschen, die bereit sind, Vielfalt als etwas Selbstverständliches anzunehmen.
Diese Schritte dürfen und müssen wir als Gesellschaft in den kommenden Jahren noch machen. KI kann ein Hilfsmittel für die Umsetzung sein, die innere Haltung und den Willen von uns Menschen kann sie aber nicht ersetzen.
Vielleicht werden wir in zwanzig Jahren über die technischen Möglichkeiten staunen, ganz sicher sogar.
Ich hoffe aber, dass wir dann nicht nur intelligentere Maschinen haben. Ich hoffe vor allem, dass wir auch als Gesellschaft ein Stück klüger geworden sind.


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