
Ich gebe zu: Bei einer Spinne denke ich nicht unbedingt als Erstes an ein kleines, schillerndes Kunstwerk.
Aber dann habe ich über die Chrysilla volupe gelesen…
Sie gehört zur Familie der Springspinnen (Salticidae) und ist winzig. Vor allem die Männchen sind jedoch kaum zu übersehen, wenn man sie einmal aus der Nähe betrachtet: Ihr Körper schimmert in verschiedenen metallischen Farben – Rot, Orange, Blau, Violett und Gold können je nach Lichteinfall sichtbar werden. Fast ein bisschen, als hätte jemand beschlossen, eine Spinne mit Schmuck zu verzieren.
Die Chrysilla volupe ist in Teilen Südasiens verbreitet. Wissenschaftlich dokumentiert ist sie unter anderem aus Indien, Sri Lanka, Nepal und Bhutan; der World Spider Catalog führt ausserdem Bangladesch und Myanmar als Verbreitungsgebiete auf.
Sie lebt vor allem in der Vegetation, auf Blättern und Sträuchern, aber auch in trockenem Laub am Boden. Einzelne Tiere wurden sogar auf Bäumen in Waldgebieten nahe menschlicher Siedlungen gefunden. Sie scheint dabei eher feuchte und geschützte Lebensräume zu mögen.
Das Erstaunliche ist, wie klein das Tier in Wirklichkeit ist. Ein Männchen von Chrysilla volupe ist nur etwa 5,4 Millimeter lang. Ein Weibchen misst sogar lediglich ungefähr 2,6 Millimeter. All diese Farben auf wenigen Millimetern Spinne…
Männchen und Weibchen sehen zudem unterschiedlich aus. Besonders die Männchen tragen die auffällige metallisch schimmernde Färbung. Die Weibchen sind wesentlich unauffälliger gefärbt und besitzen unter anderem gelbliche Beine.
Die Chrysilla volupe gehört zu den Springspinnen – und Springspinnen sind aktive Jäger. Anders als viele andere Spinnen bauen sie kein grosses Fangnetz und warten darin auf ihre Beute. Sie besitzen ausgesprochen gute Augen, beobachten ihre Umgebung, nähern sich ihrer Beute und überwältigen sie mit einem Sprung.
Auf ihrem Speiseplan stehen kleine Gliederfüsser und Insekten, die sie bewältigen können.
Welche Beutetiere die Chrysilla volupe ganz konkret bevorzugt, ist allerdings wissenschaftlich kaum untersucht. Bei einer so wenig erforschten Art ist es deshalb genauer zu sagen: Sie ernährt sich wie andere Springspinnen räuberisch von kleinen Beutetieren – statt ihr einen Speiseplan zuzuschreiben, den wir eigentlich gar nicht kennen.
Besonders interessant ist das Verhalten der Männchen. Forscher haben beobachtet, wie sie ihre Taster immer wieder auf und ab bewegen und ihren langen, schmalen Hinterleib anheben und kreisförmig bewegen. Dabei werden helle, stark reflektierende Stellen sichtbar.
Das Ganze wirkt für ein Tier von nur wenigen Millimetern erstaunlich extravagant.
Springspinnen kommunizieren unter anderem mit visuellen Signalen und bei einer derart farbenprächtigen Art liegt es nahe, dass ihr Aussehen und ihre Bewegungen dabei eine Rolle spielen. Welche genaue Bedeutung dieses Verhalten bei Chrysilla volupe hat, ist allerdings noch nicht vollständig geklärt.
Auch über die Fortpflanzung gibt es einige schöne Beobachtungen. Bei einer Untersuchung in Mumbai wurden Weibchen gesammelt, die später vier bis fünf Eier legten. Die Entwicklung der Jungtiere konnte anschliessend beobachtet werden. Nach und nach wurden in den winzigen Eiern Körperstrukturen sichtbar, später entwickelten die Jungspinnen ihre ersten dunklen Zeichnungen und nach der ersten Häutung unter anderem schwarze Streifen an den Beinen und einen rötlichen Schimmer am Hinterleib.
Und vielleicht ist genau das etwas, was ich an solchen Tieren so faszinierend (und gruselig) finde. Wir laufen an ihnen vorbei. Ein paar Millimeter gross, irgendwo auf einem Blatt oder zwischen trockenem Laub. Vielleicht würden wir sie nicht einmal bemerken.
Und wenn wir dann einmal ganz genau hinschauen, entdecken wir ein Tier, das in metallischem Blau, Rot, Orange und Gold schimmert, ausgezeichnet sehen kann, seine Beute aktiv verfolgt und ein erstaunlich komplexes Verhalten zeigt.
Ganz oft sind die spektakulärsten Dinge dieser Welt so klein, dass wir uns einfach nur die Mühe machen müssten, genauer hinzusehen…


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