Bevor die Erde blau wurde

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Wenn wir heute aus dem Weltall auf die Erde schauen, sehen wir einen wunderschönen blauen Planeten. Ozeane, Wolken, Kontinente. Weiss an den Polen, grün und braun auf dem Land. Unsere schöne Erde.

Doch spulen wir die Zeit einmal ungefähr 4,5 Milliarden Jahre zurück… Wir würden unseren eigenen Planeten vermutlich nicht wiedererkennen.
Die Erde war gerade erst entstanden – aus Staub, Gestein und unzähligen kleineren Himmelskörpern, die im jungen Sonnensystem miteinander kollidierten und sich nach und nach zu einem Planeten zusammenfügten. Es war alles andere als friedlich.

Willkommen im Hadaikum!
Die früheste Zeit der Erdgeschichte wird Hadaikum genannt. Der Name stammt von Hades, aus der Unterwelt der griechischen Mythologie.
Lange stellte man sich diese Epoche tatsächlich ungefähr so vor. Eine glühend heisse Erde. Vulkane, geschmolzenes Gestein, eine lebensfeindliche Atmosphäre. Immer wieder gab es Einschläge gewaltiger Asteroiden und anderer Himmelskörper. Auf der Erde wuchsen keine Bäume und Pflanzen, es lebten auch keine Tiere. Keine Vögel am Himmel und auch keine Fische im Meer. Es gab noch kein Leben, von dem wir sicher wissen.

Dann geschah vermutlich eine der gewaltigsten Katastrophen in der Geschichte unseres Planeten. Eine Kollision erschuf den Mond Nach der heute führenden Erklärung kollidierte die junge Erde vor ungefähr 4,5 Milliarden Jahren mit einem planetengrossen Körper. Wir nennen diesen hypothetischen Körper heute Theia.
Wie gross Theia genau war und unter welchem Winkel er die Erde traf, ist nicht bekannt. Viele Modelle gehen von einem Körper in etwa Marsgrösse aus, doch auch andere Szenarien werden untersucht.

Die Kollision war wahrscheinlich so gewaltig, dass Material aus der Erde und aus Theia in eine Umlaufbahn geschleudert wurde. Aus einem Teil dieses Materials entstand vermutlich der Mond. Die Details dieses Vorgangs sind weiterhin Gegenstand wissenschaftlicher Forschung. Ein unglaublicher Gedanke, eigentlich…
Wenn wir heute nachts nach oben schauen und den Mond sehen, sehen wir möglicherweise noch immer das Ergebnis einer kosmischen Katastrophe, die sich vor rund viereinhalb Milliarden Jahren ereignet hat.

Ohne diese Kollision wäre die Erde, wie wir sie kennen, vielleicht nicht entstanden. Sicher ist das allerdings nicht: Die Mondentstehung und ihre Folgen werden weiterhin anhand verschiedener Modelle untersucht.

Eine Kollision dieser Grössenordnung hätte die junge Erde zumindest regional, möglicherweise aber auch weitgehend aufgeschmolzen.

Deshalb sprechen Forschende von einem Magmaozean – allerdings nicht unbedingt von einem einzigen, dauerhaft globalen Meer aus Magma. Wahrscheinlich wechselten stark aufgeschmolzene Bereiche mit Regionen ab, in denen sich bereits wieder eine feste Kruste bildete.
Dazu kamen Vulkane und weitere Einschläge aus dem noch jungen und ziemlich chaotischen Sonnensystem.

Es wäre ein Ort gewesen, an dem kein Mensch auch nur einen Augenblick hätte überleben können. Aber dann geschah etwas Entscheidendes: Die Erde begann abzukühlen. Eine feste Kruste konnte sich zumindest zeitweise bilden. Wasserdampf konnte kondensieren, sofern Temperatur und Druck dies erlaubten und irgendwann gab es flüssiges Wasser an der Oberfläche.
Wie schnell sich grössere, stabile Wassermengen bildeten und wie lange sie erhalten blieben, ist jedoch nicht genau bekannt.

Von der Erde aus dieser Zeit ist fast nichts erhalten geblieben. Die Erdkruste wurde im Lauf von Milliarden Jahren immer wieder verändert, eingeschmolzen und neu gebildet.
Aber etwas hat überlebt: winzige Zirkonkristalle. In den Jack Hills in Westaustralien wurden Zirkone gefunden, die ungefähr 4,4 Milliarden Jahre alt sind. Sie gehören zu den ältesten bekannten Mineralen, die auf der Erde entstanden sind. Die Kristalle selbst sind zwar so alt, doch das Gestein, in dem sie heute liegen, wurde später mehrfach umgelagert und verändert.

Bestimmte chemische und isotopische Merkmale, insbesondere Sauerstoffisotope, werden so interpretiert, dass einige ihrer ursprünglichen Kristallisationsumgebungen mit Wechselwirkungen zwischen heissem Gestein und flüssigem Wasser vereinbar waren.
Das ist ein wichtiger Hinweis, aber kein direkter Beweis für einen globalen Ozean.

Auf der Erde könnte es bereits vor etwa 4,4 Milliarden Jahren flüssiges Wasser gegeben haben, möglicherweise auch grössere regionale Meere oder Ozeane. Wie ausgedehnt diese Wassermengen waren und ob sie dauerhaft bestanden, lässt sich aus den Zirkonen allein jedoch nicht sicher bestimmen.

Das würde bedeuten, dass zwischen der Entstehung der Erde und einer Welt mit zumindest zeitweise flüssigem Wasser erstaunlich wenig Zeit vergangen ist – gemessen jedenfalls an den Dimensionen der Erdgeschichte.

Das Hadaikum war zweifellos eine gewaltige und teilweise katastrophale Epoche. Grosse Einschläge konnten ganze Regionen verwüsten und möglicherweise zeitweise erhebliche Mengen Wasser verdampfen lassen.

Aber die alte Vorstellung einer Erde, die während ihrer ersten 500 Millionen Jahre ununterbrochen ein einziger glühender Feuerball war, gilt heute als zu einfach. Zwischen den Katastrophen könnte es längere ruhigere Phasen gegeben haben.

Doch das alles ist ein mögliches Szenario, keine vollständig rekonstruierte Landschaft. Die geologischen Zeugnisse aus dieser Zeit sind äusserst lückenhaft.

Wann genau das erste Leben entstand, wissen wir nicht und die 4,4 Milliarden Jahre alten Zirkone sind kein Beweis dafür, dass damals bereits Leben existierte. Und doch erzählen sie uns etwas vielleicht ebenso Wichtiges: Einige der Bedingungen, die Leben überhaupt ermöglichen, insbesondere flüssiges Wasser, könnten erstaunlich früh vorhanden gewesen sein.

Aus einer jungen Welt voller Kollisionen, Feuer und geschmolzenem Gestein entwickelte sich allmählich ein Planet, auf dem sich zumindest zeitweise eine feste Oberfläche und flüssiges Wasser halten konnten. Ob es im Hadaikum bereits dauerhaft stabile Ozeane gab, bleibt offen. Sicherer ist: Spätestens im frühen Archaikum gibt es deutlichere Hinweise auf eine wasserreiche Oberfläche.
Irgendwann, sehr viel später, begann etwas in diesem Wasser zu leben. Aus diesem ersten, einfachen Leben entwickelte sich über unvorstellbar lange Zeit alles, was heute unseren Planeten bevölkert.

Ich finde es unmöglich, solche Zeiträume wirklich zu begreifen. 4,5 Milliarden Jahre…

Der blaue Planet, auf dem wir heute leben, war also nicht immer blau. Er musste erst zu diesem Planeten werden. Und irgendwo in Westaustralien liegen winzige Kristalle, kaum grösser als Sandkörner, die noch heute eine Geschichte aus einer Zeit erzählen, in der unsere Erde gerade erst begonnen hatte, Erde zu sein…
Faszinierend…

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Mein Name ist Andrea und ich bin die Frau hinter den Worten und Gedanken in diesem Blog.
Alleinerziehende Mama eines Kindes im Autismus Spektrum, Sozialpädagogin und eine Frau, die sich Gedanken macht und beim Schreiben ihren Akku lädt.