Ich möchte euch Marie von Rumänien vorstellen


Heute erzähle ich euch von einer Frau, deren letzte Bitte eigentlich mehr ihr erzählt als alle anderen Erzählungen aus ihrem Leben.
Als Marie von Rumänien 1938 starb, äusserte sie einen ungewöhnlichen Wunsch: Ihr Körper sollte an der Seite der rumänischen Könige bestattet werden – ihr Herz jedoch an einem anderen Ort.

Marie wurde 1875 als Prinzessin Marie von Edinburgh geboren. Sie war eine Enkelin der britischen Königin Victoria und des russischen Zaren Alexander II. Schon ihre Herkunft verband die grossen Königshäuser Europas.
Mit nur 17 Jahren heiratete sie den späteren rumänischen König Ferdinand I. und zog in ein Land, das ihr zunächst fremd war. Doch mit den Jahren gewann sie die Herzen der Bevölkerung. Sie war intelligent, charismatisch und scheute sich nicht davor, Verantwortung zu übernehmen.

Während des Ersten Weltkriegs arbeitete Marie unermüdlich als Krankenschwester in Militärspitälern. Sie besuchte Verwundete, kümmerte sich um Kranke und spendete Trost. Die Menschen nannten sie liebevoll «die Soldatenkönigin» oder «die Mutter der Verwundeten».
Nach dem Krieg spielte sie auch politisch eine bedeutende Rolle. 1919 reiste sie zur Pariser Friedenskonferenz und setzte sich mit grossem diplomatischem Geschick für die Interessen Rumäniens ein. Viele Historiker sind der Meinung, dass ihr persönlicher Einsatz entscheidend dazu beitrug, Rumäniens internationale Stellung zu stärken.

Doch am berührendsten finde ich ihre letzte Bitte. Marie liebte das kleine Schloss Balcic an der Schwarzmeerküste, das damals zu Rumänien gehörte (heute liegt es in Bulgarien). Dort fühlte sie sich zuhause. In ihrem Testament verfügte sie deshalb, dass ihr Herz in einer kleinen Kapelle in Balcic aufbewahrt werden sollte, während ihr Körper in der königlichen Grablege ruhte.

Nach politischen Veränderungen musste ihr Herz später mehrmals umziehen. Heute befindet es sich im kleinen Schloss Pelișor in Sinaia, wo es in einem kunstvoll verzierten silbernen Behälter aufbewahrt wird.

Man sagt oft, ein Mensch gehöre dorthin, wo sein Herz ist. Marie von Rumänien hat diesen Gedanken auf ganz wörtliche Weise gelebt. Sie wollte nicht, dass ihr Herz dort ruht, wo es die Tradition verlangte – sondern dort, wo sie sich am glücklichsten fühlte.

Ich finde, das zeigt eigentlich ganz deutlich, dass Heimat nicht immer der Ort ist, an dem wir geboren werden oder dort, wo wir gerade sind. Manchmal ist Heimat einfach der Ort, wo unser Herz am glücklichsten ist.

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About Me

Mein Name ist Andrea und ich bin die Frau hinter den Worten und Gedanken in diesem Blog.
Alleinerziehende Mama eines Kindes im Autismus Spektrum, Sozialpädagogin und eine Frau, die sich Gedanken macht und beim Schreiben ihren Akku lädt.