Mein Papier ist immer noch blank…

—


Wenn ich. eine Beileidskarte schreiben möchte, sitze ich jedesmal eine gefühlte Ewigkeit vor diesem leeren Blatt Papier, das ich in meine Karte gelegt habe und überlege…

Ich glaube, Trauer ist eines der Gefühle, die uns am vulnerabelsten machen. Da schreibe ich also jemandem, der oder die gerade eine sehr nahestehende, geliebte Person verloren hat. Eine Person, die vielleicht bereits eine Leidensgeschichte mit diesem Menschen geteilt hat in den letzten Wochen oder Monaten, weil er oder sie vielleicht sehr krank war. Oder der Tod kam unerwartet und plötzlich…

Aber spielt es eine Rolle? Nein, vermutlich nicht… Ich denke schon, dass wir Menschen in gewissen Situationen den Tod besser akzeptieren oder verstehen können als in anderen. Mit diesem Verständnis und der Akzeptanz gelingt es uns ganz bestimmt, anders damit umzugehen, als wenn wir weder bereit dafür, noch einverstanden waren.
Und dennoch ist es immer die Trauer und die Leere, die bleibt, wenn ein geliebter Mensch von uns geht…

Ich habe ja geschrieben, dass ich mir Gedanken mache. Ich bin keineswegs vom Thema abgeschweift, sondern nehme dich mit.

Mein Papier ist immer noch blank. Mein Kopf ist es nicht.
Es ist mir wichtig, passende Worte zu finden. Im Bewusstsein, dass Worte den Schmerz der Trauer nicht lindern können. Aber dennoch mit dem Wunsch, keine Floskeln, sondern ernst gemeinte Worte niederzuschreiben, die jemandem das Gefühl geben, nicht alleine zu sein mit all diesen Gefühlen und all dem Erlebten. Worte, mit denen ich bis ins Herz gelangen möchte, um dort einen kleinen Funken Licht zu hinterlassen.
Also, du siehst, es ist mir mega wichtig, was ich auf diese Karte schreibe. Am Einfachsten wären ja einfach neutrale Worte, wie „Mein Beileid…. viel Kraft… blabliblabla“… Aber das gefällt mir nicht.

In diesem Wortfindungsprozess schweife ich jeweils mit meinen Gedanken ab zu der verstorbenen Person, falls ich sie gut genug kannte. Manchmal schreibt man ja auch eine Karte, ohne eine Verbindung zu der verstorbenen Person gehabt zu haben, aber zu einer / einem der Hinterbliebenen.
Aber wenn ich ihn oder sie kannte, dann erinnere ich mich nun an diesen Menschen und überlege mir, was mir auch später noch in Erinnerung bleiben wird. Was hat für mich diese Person ausgemacht? Was ist meine Verbindung zu ihr?
Und dann schreibe ich genau das auf dieses Einlageblatt, das sich dann plötzlich recht schnell mit Worten und Sätzen füllt, so dass ich den Raum gut einteilen muss, denn mein Wunsch an die Angehörigen nach Licht und Kraft, das muss da schon auch noch Platz haben…

So ist eigentlich das Karte Schreiben auch für mich ein Abschied nehmen und ich glaube, das ist ganz wichtig.
Ich glaube auch, dass es wichtig ist, sich Mühe zu geben beim Schreiben. Die passenden Worte zu finden, auch wenn man dafür ein wenig Zeit braucht. Zum einen sehe ich es als Wertschätzung der verstorbenen Person gegenüber und zum anderen auch den Angehörigen gegenüber, die diese Karte in einer für sie sehr dunklen Zeit lesen werden.
Ich kann mich daran erinnern, wie es damals war, als ich beim Tod meiner Eltern Karten gelesen habe. Ich erinnere mich, dass ich beim Lesen manchmal geweint habe, wenn Worte tatsächlich bis tief in mein Herz gedrungen sind, um dort ein kleines Pflaster hinzukleben und Licht und Wärme dazulassen…

Eine Antwort zu „Mein Papier ist immer noch blank…“

  1. Ich habe mich damit auch viel beschäftigt und bin für mich dahin gekommen, das Wort „Beileid“ oder „Mitleid“ in meinem Wortschatz nach hinten zu schieben. Denn ich leide nicht mit – auch wenn es heißt: Geteiltes Leid… Ich habe Mitgefühl für die Menschen. Und ich finde es eine schöne Idee, in einer Kondolenzkarte zu schreiben, an welch schöne Momente man sich mit dem Verstorbenen erinnern wird.

    Gefällt 2 Personen

Hinterlasse einen Kommentar

● About Me

Mein Name ist Andrea und ich bin die Frau hinter den Worten und Gedanken in diesem Blog.
Alleinerziehende Mama eines Kindes im Autismus Spektrum, Sozialpädagogin und eine Frau, die sich Gedanken macht und beim Schreiben ihren Akku lädt.