Was ist eigentlich Barophobia?


Es gibt Ängste, die wir sofort verstehen und nachvollziehen können.
Die Angst vor Dunkelheit. Vor Spinnen. Vor Krankheiten oder Verlusten. Auch die Angst vor Höhen oder inmitten von grossen Menschenmengen.

Und dann gibt es Ängste, die so ungewöhnlich klingen, dass man im ersten Moment kaum glauben kann, dass sie wirklich existieren.
Eine davon ist zB die Barophobie – die Angst vor der Schwerkraft.

Der Begriff stammt aus dem Griechischen. Das Wort „baros“ bedeutet Gewicht oder Schwere, während „phobos“ Angst bedeutet.

Menschen mit Barophobie fürchten die Wirkung der Schwerkraft oder beschäftigen sich übermässig mit der Vorstellung, dass diese plötzlich versagen könnte.

Für viele von uns klingt das seltsam. Schliesslich denken wir kaum jemals über die Schwerkraft nach. Sie ist einfach da und macht aber schon ganz schön vieles, das für uns auf der Erde existenziell ist.
Sie hält unsere Füsse auf dem Boden und ermöglicht es uns, gehen zu können.
Sie sorgt dafür, dass Regen fällt und ist verantwortlich für Ebbe und Flut.
Sie lässt Pflanzen wachsen und formt Landschaften.
Sie hält die Atmosphäre fest, also du Lust bleibt um die Erde herum, weeil die Schwerkraft sie festhelt.
Sie hält den Mond bei der Erde.
Sie sorgt dafür, dass Wasser fliesst.
Sie beeinflusst unseren Körper. Muskeln und Knochen müssen ständig gegen die Schwerkraft arbeiten.
Und so manches mehr…

Wir bemerken sie meistens erst dann, wenn etwas herunterfällt oder wenn wir über das Weltall nachdenken.
Vielleicht macht gerade das diese Phobie so faszinierend. Sie richtet sich gegen etwas, das so grundlegend ist, dass wir es normalerweise völlig selbstverständlich nehmen. Die Schwerkraft gehört zu den unsichtbaren Kräften, die unser Leben jede Sekunde begleiten.
Ohne sie gäbe es keine Ozeane, keine Berge, keine Wälder und wahrscheinlich auch uns nicht. Und doch verbringen die meisten von uns keinen einzigen Gedanken daran.

Ich finde, Barophobie macht uns etwas Interessantes wieder bewusster: Wie viele Wunder unseres Alltags wir eigentlich übersehen. Wir gewöhnen uns an die erstaunlichsten Dinge. Aber auch an genau die Dinge, die wir als gegeben und normal empfinden.
An die Luft, die wir atmen. Die Erde unter unseren Füssen. An den Herzschlag in unserer Brust und eben auch an die Schwerkraft.
Ich glaube, das ist menschlich. Vielleicht könnten wir unseren Alltag sonst gar nicht bewältigen. Aber manchmal lohnt es sich doch, kurz innezuhalten und über solche Dinge nachzudenken. Darüber, dass wir auf einem Planeten leben, der mit unglaublicher Geschwindigkeit durchs All rast. Dass wir von Kräften umgeben sind, die wir weder sehen noch anfassen können. Und dass trotzdem alles erstaunlich zuverlässig funktioniert.

Wenn ich über Barophobie lese, denke ich deshalb weniger an Angst. Ich denke eher an Staunen. An dieses Gefühl, das entsteht, wenn man erkennt, wie viele unsichtbare Dinge unser Leben tragen. und wie selbstverständlich wir sie bestimmt viel zu oft nehmen.

Irgendwie sehe ich die Schwerkraft nicht nur als eine Kraft der Natur, sondern auch als eine Erinnerung daran, dass so manches, was uns hält, unsichtbar ist. ❤️

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About Me

Mein Name ist Andrea und ich bin die Frau hinter den Worten und Gedanken in diesem Blog.
Alleinerziehende Mama eines Kindes im Autismus Spektrum, Sozialpädagogin und eine Frau, die sich Gedanken macht und beim Schreiben ihren Akku lädt.