Schöne Worte — Onism


Habt ihr schon einmal darüber nachgedacht, wie unendlich gross unsere Welt eigentlich ist? Dass es Tausende von Städten gibt, die wir nie besuchen werden. Menschen, die wir nie kennenlernen. Sprachen, die wir nie sprechen und sogar Sprachen, von denen wir nicht mal wissen, dass sie existieren. Geschichten, die wir nie hören.
Und dass ein einziges Menschenleben einfach nicht ausreicht, um all das zu erleben. Nicht mal einen Bruchteil davon.

Für genau dieses Gefühl gibt es tatsächlich ein Wort: Onism.
Allerdings stammt es nicht aus einem alten Wörterbuch und auch nicht aus dem Griechischen oder Lateinischen, wie man vielleicht vermuten würde. Das Wort wurde vom amerikanischen Autor John Koenig erfunden und ist Teil seines Projekts The Dictionary of Obscure Sorrows. Darin sammelt er Begriffe für Gefühle, die viele von uns kennen, für die es bisher aber keinen eigenen Namen gab.
Ich begegne immer mal wieder einem seiner Ausdrücke und ich muss sagen, ich mag die Idee dahinter sehr.

Onism beschreibt die Melancholie, wenn einem bewusst wird, dass das eigene Leben immer nur einen winzigen Ausschnitt dieser riesigen Welt umfassen wird. Dass wir nie alle Länder bereisen, nie alle Bücher lesen, nie alle Menschen treffen und nie alle Wunder dieser Erde sehen können.

Ich finde diesen Gedanken gleichzeitig traurig und tröstlich.
Traurig, weil wir zwangsläufig so vieles verpassen werden.
Aber auch tröstlich, weil genau das unser Leben so wertvoll macht. Niemand kann alles erleben. Jeder Mensch geht seinen ganz eigenen Weg, sammelt seine eigenen Erinnerungen und erzählt am Ende seine ganz persönliche Geschichte.
Ausserdem ist es durchaus auch gut zu wissen, dass wir nicht jede Erfahrung des Lebens auch selbst machen müssen.

Ich glaube, es geht im Leben auch gar nicht darum, möglichst viel zu sehen. Vielleicht geht es vielmehr darum, das, was wir erleben dürfen, wirklich bewusst wahrzunehmen. Einen Sonnenaufgang. Das Lachen eines geliebten Menschen. Begegnungen. Einen Ort, der uns den Atem raubt. Oder einfach einen ganz gewöhnlichen Moment, dessen Wichtigkeit wir manchmal erst viel später realisieren.

Ich glaube, Onism erinnert uns daran, dass wir nicht die ganze Welt besitzen müssen, um ein erfülltes Leben zu führen. Manchmal reicht schon ein kleiner Teil davon, wenn wir ihn mit offenen Augen und offenem Herzen erleben.

Und vielleicht ist genau das das Schönste an diesem Wort. Es macht uns bewusst, wie klein wir sind. Aber gleichzeitig auch, wie kostbar die Zeit ist, die uns geschenkt wurde.

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About Me

Mein Name ist Andrea und ich bin die Frau hinter den Worten und Gedanken in diesem Blog.
Alleinerziehende Mama eines Kindes im Autismus Spektrum, Sozialpädagogin und eine Frau, die sich Gedanken macht und beim Schreiben ihren Akku lädt.