Drei kleine Superhelden – Die Libelle mit dem Drachenherz


Es war ein richtig heisser Sommertag. Arja, Tina und Jimmy lagen unter ihrem Lieblingsbusch im Schatten und knabberten gemütlich Löwenzahnblätter.
Über ihnen summten Bienen, Schmetterlinge flatterten durch die Luft und irgendwo sang eine Amsel ihr Nachmittagslied.

Plötzlich hörten die drei ein leises Schluchzen.
„Habt ihr das gehört?“ fragte Arja.
Jimmy spitzte die Ohren. „Da weint jemand.“
Die drei machten sich auf die Suche und hinter einem Lavendelbusch entdeckten sie eine kleine Libelle. Ihre Flügel schimmerten blau und grün in der Sonne. Wenn sie nicht wüssten, dass das eine Libelle ist, würden sie denken, sie wäre eine Fee.

Sie sass ganz allein auf einem Blatt und liess den Kopf hängen.
„Hallo“ sagte Tina freundlich. „Warum bist du traurig?“
Die Libelle seufzte. „Weil ich viel zu klein bin.“
„Zu klein wofür?“ fragte Jimmy.
„Für alles!“

Die Libelle zeigte auf einen Spatz, der über den Garten flog.
„Der ist mutig.“
Dann zeigte sie auf eine Katze auf der Gartenmauer.
„Die ist stark.“
Schliesslich blickte sie zu einem Bussard hoch oben am Himmel.
„Und der kann bis zu den Wolken fliegen.“
Sie schüttelte traurig den Kopf. „Und ich? Ich bin nur eine kleine Libelle.“

Arja setzte sich neben sie.
„Wie heisst du denn?“
„Lina.“
„Weisst du, Lina“ sagte Arja „man muss nicht gross sein, um mutig zu sein. Und man muss auch nicht mutig sein, um wertvoll zu sein.“
Doch Lina glaubte ihr nicht.
„Das sagen immer alle.“

Die drei Superhelden überlegten.
Dann sprang Tina auf. „Wir zeigen dir etwas!“
„Was denn?“
„Das Drachenherz.“
Lina blinzelte verwundert. „Das Drachenherz?“

Jimmy nickte geheimnisvoll. „Eine uuuuuuuralte Legende.“
Natürlich hatte er sich die Legende gerade eben ausgedacht. Aber das musste die Libelle Lina ja nicht wissen.„Folge uns.“

Neugierig flog Lina hinter ihnen her. Die vier wanderten bis zum Ende des Gartens, wo ein alter Apfelbaum stand. Unter seinen Wurzeln befand sich eine kleine Höhle.
„Hier soll das Drachenherz verborgen sein“ flüsterte Jimmy. „Das ist ein sehr, sehr geheimer Ort.“
„Wirklich?“ fragte Lina.
„Vielleicht.“
Die kleine Libelle flog hinein. Doch statt eines Drachenherzens fand sie nur einen glänzenden Stein.
„Das ist alles?“
„Vielleicht ist das nur ein erster Hinweis“ sagte Arja.
Und tatsächlich! Neben dem Stein lag eine Feder. Und neben der Feder ein Blatt mit einer seltsamen Zeichnung.

Die Spur führte weiter.
So begann eine grosse Schatzsuche.

Die vier Freunde durchquerten den ganzen Garten. Sie kletterten über Wurzeln und balancierten über Äste. Sie suchten überall nach Hinweisen, zwischen Blumen und Gräsern.
Immer wieder musste Lina kleine Aufgaben lösen. Mal musste sie mutig durch einen engen Tunnel fliegen. Mal musste sie über einen Bach hinweghelfen. Mal musste sie einen verirrten Marienkäfer beruhigen.
Und jedes Mal sagte sie: „Das kann ich nicht.“
Doch jedes Mal ermutigten die drei Freunde sie und jedesmal schaffte sie es.
Stück für Stück wurde sie mutiger, bis sie schliesslich den letzten Hinweis fanden. Dieser führte sie auf einen Hügel. Dort stand ein alter Baumstumpf und obendrau lag eine winzig kleine Holzschachtel.
Mit klopfendem Herzen öffnete Lina sie. Drinnen befand sich ein Spiegel. Mehr nicht.

„Ein Spiegel?“ fragte sie enttäuscht.
„Wo ist das Drachenherz?“
Da lächelte Arja. „Schau hinein.“

Lina blickte in den Spiegel. Sie sah ihre grossen Augen. Ihre schimmernden Flügel. Sie sah sich selbst.
„Ich verstehe nicht…“

Tina setzte sich neben sie.
„Die ganze Zeit dachtest du, Mut wäre etwas, das man finden muss. Irgendwo da draussen.“
Jimmy nickte.
„Oder etwas, das nur grosse Tiere besitzen.“
„Dabei war es die ganze Zeit schon da.“

Lina schaute die drei an.
„Wo?“
Arja lächelte. „Na in dir, meine Liebe.“
In diesem Moment begann ein warmer Wind zu wehen. Die Sonnenstrahlen glitzerten auf Linas Flügeln. Und plötzlich sah es tatsächlich so aus, als würde hinter ihr ein riesiger Drachenschatten erscheinen.
Golden.
Stark.
Majestätisch.

Lina staunte.
„Seht ihr das?“
„Ja“ sagte Tina. „Das ist dein Drachenherz.“
Natürlich war es nur Licht und Schatten. Aber irgendwie fühlte es sich trotzdem echt an. Von diesem Tag an war Lina nicht plötzlich furchtlos. Manchmal hatte sie noch Angst, manchmal war sie unsicher. Doch immer wenn sie glaubte, zu klein oder zu schwach zu sein, erinnerte sie sich an den Drachenschatten. Und daran, dass Mut nicht bedeutet, keine Angst zu haben. Mut bedeutet manchmal, trotzdem etwas zu tun oder ganz gut zu seiner Angst zu stehen, weil sie manchmal auch total okay ist.“

Am Abend sass Lina auf einem Lavendelzweig und blickte in den Himmel.
Die drei Superhelden lagen neben ihr im Gras.
„Danke, meine lieben Freunde!“ sagte sie leise.
„Wofür?“ fragte Jimmy.
Lina lächelte. „Dafür, dass ihr mir gezeigt habt, dass auch eine kleine Libelle ein Drachenherz haben kann.“

Und hoch über dem Garten funkelte der erste Stern des Abends. Fast so, als würde er zustimmend nicken.

ENDE.

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About Me

Mein Name ist Andrea und ich bin die Frau hinter den Worten und Gedanken in diesem Blog.
Alleinerziehende Mama eines Kindes im Autismus Spektrum, Sozialpädagogin und eine Frau, die sich Gedanken macht und beim Schreiben ihren Akku lädt.