
Ich möchte euch heute einen ganz besonderen Planeten vorstellen: TOI-1452 b.
Er liegt rund 100 Lichtjahre von der Erde entfernt im Sternbild Drache. Das klingt unglaublich weit weg und das ist es auch.
Um sich diese Entfernung besser vorstellen zu können: Würde man mit dem Auto konstant 120 km/h fahren, wäre man mehr als 900 Millionen Jahre unterwegs. Das ist eine Zeitspanne, die sehr, sehr weit über die Existenz der Menschheit hinausgeht, ja sogar sehr, sehr weit über unsere Vorstellungskraft hinaus…
Selbst mit den schnellsten Raumsonden, die wir bisher gebaut haben, würde die Reise noch Hunderttausende von Jahren dauern. Für uns Menschen ist TOI-1452 b also unerreichbar – zumindest mit der Technik, die wir heute besitzen.
(1 Lichtjahr = 9,46. Billionen km)
TOI-1452 b gehört zu den sogenannten Supererden. Das bedeutet nicht, dass er eine bessere Version unserer Erde ist, sondern einfach, dass er grösser und schwerer ist. Er besitzt etwa das 1,7fache des Erddurchmessers und fast fünfmal so viel Masse wie unsere Erde.
Was diesen fernen Planeten so spannend macht, ist aber etwas ganz anderes. Wissenschaftler vermuten, dass ein grosser Teil von TOI-1452 b aus Wasser bestehen könnte. Manche Berechnungen gehen sogar davon aus, dass bis zu einem Viertel seiner gesamten Masse Wasser sein könnte. Sollte das stimmen, wäre der Planet vermutlich von einem gewaltigen, tiefen Ozean bedeckt – einem Ozean, der Hunderte von Kilometern tief sein könnte.
Zum Vergleich: Der tiefste bekannte Punkt der Weltmeere liegt im Marianengraben im westlichen Pazifischen Ozean (knapp 11 km tief).
Unter diesem riesigen Ozean würde der Druck so gewaltig werden, dass sich vermutlich eine dicke Schicht aus Hochdruck-Eis bildet, obwohl die Temperaturen dort gar nicht unbedingt eisig sein müssen. Das ist eine Art Eis, wie sie auf der Erde überhaupt nicht natürlich vorkommt.
Ein Jahr auf TOI-1452 b dauert übrigens nur etwa elf Erdtage. Er umkreist nämlich einen kleinen, kühlen Roten Zwergstern viel näher, als die Erde unsere Sonne umkreist.
Ob TOI-1452 b tatsächlich eine echte Wasserwelt ist, weiss man allerdings noch nicht mit Sicherheit. Die bisherigen Messungen liefern starke Hinweise, aber keine endgültigen Beweise. Genau deshalb ist der Planet für Astronomen so spannend. Mit modernen Teleskopen wie dem James-Webb-Weltraumteleskop versuchen sie herauszufinden, wie seine Atmosphäre aussieht und ob sich die Vermutung bestätigt.
Ich finde es immer wieder faszinierend, dass irgendwo da draussen Welten existieren, die ganz anders aussehen als alles, was wir kennen. Während wir bei einem Planeten sofort an Kontinente, Berge und Wälder denken, könnte TOI-1452 b eine Welt sein, auf der sich – soweit wir heute wissen – nichts als Wasser bis zum Horizont erstreckt.
Ich habe mich gefragt, wie solche Dinge überhaupt herausgefunden werden, wo doch dieser Planet für uns total unerreichbar ist…
Das funktioniert durch Physik und sehr präzise Messungen.
Der Planet zieht regelmässig vor seinem Stern vorbei. Dabei wird der Stern für kurze Zeit ein winziges bisschen dunkler. Diese Helligkeitsänderung ist so klein, dass wir sie mit blossem Auge nie sehen könnten, moderne Weltraumteleskope aber schon.
Diesen Messungen können Astronomen viele Informationen entnehmen:
Wie gross der Planet ist, weil ein grösserer Planet mehr Licht verdeckt.
Wie lange sein Jahr dauert, weil sie messen können, wie oft er vor seinem Stern vorbeizieht.
Wie schwer er ungefähr ist, indem sie beobachten, wie stark der Planet an seinem Stern zieht. Der Stern “wackelt” dadurch ganz leicht.
Wie dicht der Planet ist, wenn man Grösse und Masse kombiniert. Und genau daraus schliessen die Forschenden, dass TOI-1452 b möglicherweise sehr viel Wasser enthalten könnte.
Das Erstaunliche ist: Wir sehen den Ozean nicht direkt. Niemand hat ein Bild, auf dem Wasser zu erkennen ist. Die Vermutung entsteht aus den Messwerten. Der Planet ist für seine Grösse nämlich zu leicht, um vollständig aus Gestein oder Metall zu bestehen. Deshalb vermuten Wissenschaftler, dass ein erheblicher Teil aus Wasser bestehen könnte.
Mit dem James-Webb-Weltraumteleskop können sie inzwischen sogar untersuchen, aus welchen Gasen die Atmosphäre eines so weit entfernten Planeten besteht. Wenn der Planet vor seinem Stern vorbeizieht, scheint ein winziger Teil des Sternenlichts durch die Atmosphäre. Bestimmte Gase hinterlassen darin ihren ganz eigenen “Fingerabdruck”. So lässt sich zum Beispiel nach Wasserdampf, Kohlendioxid oder Methan suchen.
Ich finde das fast noch unglaublicher als den Planeten selbst. Wir* können eine Welt entdecken, die rund 100 Lichtjahre entfernt ist, und allein aus ein paar winzigen Veränderungen im Licht berechnen, wie gross sie ist, wie schwer sie ist und woraus sie wahrscheinlich besteht. Das zeigt, wie unglaublich präzise die moderne Astronomie heute arbeitet.
Ist das nicht extrem spannend????
Das Universum macht uns immer wieder bewusst, wie klein unsere Erde ist und wie unglaublich vielfältig die Welten sein können, die sie umgeben.
*Wenn ich von „wir“ schreibe, meine ich natürlich nicht „uns“, sondern Menschen, die ich als wahnsinnig intelligent empfinde…. warum sonst würde man das alles verstehen und herausfinden können? Faszinierend!!


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