




Manchmal stolpere ich im Internet über Begriffe, die plötzlich überall auftauchen, und frage mich: Was bedeutet das eigentlich? Zum Beispiel Mukbang.
Mukbang stammt aus Südkorea und setzt sich aus zwei koreanischen Wörtern zusammen: meokneun für «essen» und bangsong für «Sendung» oder «Übertragung». Wörtlich übersetzt bedeutet Mukbang also so etwas wie «Essenssendung».
Das Prinzip ist einfach: Menschen filmen sich dabei, wie sie essen. Oft sind die Portionen riesig. Manchmal wird dabei geplaudert, manchmal werden Fragen beantwortet und sehr oft hört man vor allem die Geräusche des Essens. Es gibt sogar Mukbang-Videos, die fast ausschliesslich wegen dieser Geräusche geschaut werden. Zum Teil werden Essgeräusche wie Kauen, Schlucken, Knuspern verstärkt. So klingen sie übertrieben nah und laut.
Auf den ersten Blick wirkt das vielleicht etwas seltsam und ganz ehrlich gesagt, für mich auch auf den zweiten und dritten Blick. Warum sollte man jemandem dabei zusehen, wie er Nudeln, Sushi oder einen Berg von Fast Food isst? Und ganz ehrlich, dieses laute Kauen und Geschmatze… eewwww….
Die Antwort hat viel mit menschlicher Nähe zu tun. Als Mukbang in Südkorea populär wurde, lebten bereits viele Menschen allein. Für manche Zuschauer fühlte es sich an, als würden sie nicht alleine essen. Sie hatten das Gefühl, gemeinsam mit jemandem am Tisch zu sitzen. Das Essen wurde zu einer Art Gesellschaft.
Das finde ich eigentlich ein berührender Gedanke, aber auch traurig.
Oft glauben wir, dass soziale Medien nur oberflächlich sind. Doch manchmal zeigen sie auch ein sehr menschliches Bedürfnis: den Wunsch, sich verbunden zu fühlen.
Natürlich gibt es auch kritische Stimmen. Einige Mukbang-Videos zeigen enorme Mengen an Essen, die kaum jemand in einem normalen Alltag verzehren würde. Manche befürchten deshalb, dass dadurch ein ungesundes Verhältnis zum Essen vermittelt werden könnte. Andere fragen sich, wie viel von dem Essen tatsächlich gegessen und wie viel am Ende weggeworfen wird.
Vielleicht zeigt das Phänomen Mukbang aber auch etwas über unsere Zeit. Wir leben in einer Welt, in der wir mit Menschen auf der anderen Seite des Planeten verbunden sein können und uns gleichzeitig manchmal einsamer fühlen als je zuvor.
Vielleicht schauen manche Menschen Mukbangs gar nicht wegen des Essens. Vielleicht schauen sie sie, weil Essen schon immer mehr war als nur Nahrung. Es war Gemeinschaft. Gespräche am Küchentisch. Familienfeste. Freunde, die zusammen lachen. Das Gefühl, nicht allein zu sein.
Ob dies wohl der Grund ist, warum Millionen Menschen anderen beim Essen zuschauen?
Ich weiss es nicht wirklich und ich muss sagen, ich verstehe es auch tatsächlich gar nicht…
*Fotos aus dem Internet


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