Ich möchte euch Sofonisba Anguissola vorstellen


Sofonisba Anguissola wurde um das Jahr 1532 in Cremona in Italien geboren. In eine Welt, in der Frauen nur sehr wenige Möglichkeiten hatten, ihren eigenen Weg zu gehen. Die meisten Mädchen wurden schon früh auf ihre spätere Rolle als Ehefrau und Mutter vorbereitet. Bildung war oft den Männern vorbehalten und eine Karriere als Künstlerin war für eine Frau fast unvorstellbar.

Doch Sofonisba hatte Glück. Sie wurde als älteste von sieben Kindern in eine adlige Familie geboren, die zwar nicht besonders reich war, aber grossen Wert auf Bildung legte. Ihr Vater glaubte daran, dass auch seine Töchter lernen und ihre Talente entfalten sollten. Das war für die damalige Zeit ziemlich aussergewöhnlich. Während viele Frauen nie die Chance erhielten, ihre Begabungen zu entdecken, durfte Sofonisba malen, lernen und sich weiterentwickeln.

Schon früh zeigte sich ihr grosses Talent. Sie liebte es, Menschen zu beobachten. Während viele Künstler ihrer Zeit mächtige Herrscher, religiöse Szenen oder grosse historische Ereignisse malten, interessierte sie sich besonders für die Menschen selbst. Ihre Gesichter, ihre Gefühle, ihre kleinen Gesten. Ihre Bilder wirken oft erstaunlich lebendig. Fast so, als würden die dargestellten Personen jeden Moment zu sprechen beginnen.

Dabei musste sie viele Hindernisse überwinden. Frauen durften damals keine Akademien besuchen und viele Bereiche der Kunstausbildung blieben ihnen verschlossen. Dennoch gab sie nicht auf. Sie nutzte die Möglichkeiten, die sie hatte und entwickelte ihren eigenen Stil. Vielleicht gerade deshalb wirken ihre Werke so besonders. Sie zeigen nicht nur Menschen, sondern auch Menschlichkeit.

Ihr Talent sprach sich weit über ihre Heimat hinaus herum. Schliesslich wurde sie an den spanischen Königshof eingeladen. Dort lebte sie viele Jahre und malte Mitglieder der königlichen Familie. Für eine Frau des 16. Jahrhunderts war das eine aussergewöhnliche Leistung. Sie gewann Respekt und Anerkennung in einer Welt, die Frauen oft unterschätzte.

Mich beeindruckt an Sofonisba und ihrer Lebensgeschichte, wie sie die Welt auf ihre eigene Weise veränderte… mit Pinsel, Farbe und Beharrlichkeit. Sie zeigte durch ihr Leben, dass Talent seinen Weg finden kann, selbst wenn die Türen verschlossen scheinen.

Auch privat erlebte sie Glück und Verlust. Sie heiratete zweimal. Ihr erster Ehemann starb bereits nach einigen Jahren. Später fand sie die Liebe noch einmal und führte mit ihrem zweiten Mann eine lange und glückliche Ehe. Für die damalige Zeit war auch das nicht selbstverständlich.

Im hohen Alter verlor sie einen grossen Teil ihres Augenlichts. Dennoch blieb sie eine geachtete Persönlichkeit. Junge Künstler suchten ihren Rat und ihre Erfahrung wurde bewundert. Als der berühmte Maler Anthonis van Dyck sie besuchte, war sie bereits über neunzig Jahre alt. Er schrieb später voller Bewunderung über ihre Weisheit und ihre Liebe zur Kunst.

Sofonisba Anguissola starb im Jahr 1625 im Alter von ungefähr 93 Jahren. Das war für jene Zeit ein erstaunlich hohes Alter. Nach ihrem Tod geriet ihr Name lange in den Hintergrund. Viele männliche Künstler wurden gefeiert, während ihre Geschichte langsam verblasste.

Heute erinnert man sich wieder an sie. Nicht nur als talentierte Malerin der Renaissance, sondern als Frau, die ihren eigenen Weg ging, als dies kaum möglich war. Eine Frau, die mit Geduld, Können und Ausdauer zeigte, dass Begabung keine Frage des Geschlechts ist.

Sofonisba Anguissola kann uns bis heute etwas mitgeben. Nicht jeder Mensch verändert die Welt durch grosse Taten. Es gibt auch Menschen, die machen das ganz unscheinbar. Sie verändern sie, indem sie das tun, was sie lieben und trotz aller Hindernisse nicht aufgeben. Genau das hat Sofonisba getan.

Ein Portrait von der Erzherzogin Johanna von Österreich, gemalt von Sofonisba Anguissola.

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About Me

Mein Name ist Andrea und ich bin die Frau hinter den Worten und Gedanken in diesem Blog.
Alleinerziehende Mama eines Kindes im Autismus Spektrum, Sozialpädagogin und eine Frau, die sich Gedanken macht und beim Schreiben ihren Akku lädt.