
Eramnesia ist ein Ausdruck, der etwas zusammenfasst, das man in unserer Sprache eigentlich nicht mit nur einem Wort ausdrücken könnte. Es beschreibt dieses Gefühl, in der falschen Zeit geboren worden zu sein. Eine Art inneres Ziehen, als hätte die eigene Seele eine andere Epoche im Herzen, eine, die man selbst nie erlebt hat und die einem trotzdem vertraut vorkommt.
Ich glaube, es gibt schon einige, die das kennen. Dieses diffuse, zarte Heimweh nach etwas, das man gar nicht wirklich kennt. Nicht direkt nostalgisch, sondern eher wie eine Erinnerung, die man manchmal hört, wenn es ganz ruhig wird. Vielleicht in einem Lied, in einem alten Foto oder in einem Geruch, den man nicht einordnen kann. Oder auch in Momenten, in denen man sich fragt, weshalb man sich in der eigenen Gegenwart oft so fremd fühlt.
Du musst nicht in allem aufgehen, was heute laut ist. Du musst nicht in diese Zeit hineinpassen, nur weil du in ihr lebst. Vielleicht trägt dein Inneres andere Farben, andere Rhythmen, andere Geschichten. Und vielleicht ist genau das in Ordnung.
Wir alle tragen kleine Splitter von Welten in uns, die es längst nicht mehr gibt. Manche fühlen sich in alten Büchern zuhause. Andere in Zeiten, in denen alles langsamer war. Oder in Räumen, in denen Menschen einander noch anders begegnet sind. Und manchmal weiss man gar nicht genau, wonach man sich sehnt, man weiss nur: Es liegt nicht hier.
Eramnesia macht eine Sehnsucht sichtbar, die wir oft nicht aussprechen. Und es schenkt uns einen kleinen Moment, in dem wir sagen dürfen: Ja, genau so fühle ich mich manchmal. Und das ist okay, mich zwischendurch dorthin zu träumen.


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