
Anemozide — Ein modernes, poetisches Wort für etwas, das viele Menschen kennen, auch wenn kaum jemand darüber spricht.
Anemocide beschreibt diesen stillen inneren Kampf, wenn man im Kopf immer wieder Gespräche führt, die nie stattgefunden haben. Diskussionen. Rechtfertigungen. Streit. Szenarien, die vielleicht niemals eintreten werden und die trotzdem unsere Ruhe zerstören. Gedanken-Karussell.
Man sitzt eigentlich friedlich da. Vielleicht mit einem Kaffee oder man liegt mitten in der Nacht im Bett. Und plötzlich beginnt der Kopf mit seinen inneren Dialogen bzw Monologen.
Was hätte ich sagen sollen? Warum hat diese Person das gesagt? Und wenn das passiert? Und dann würde ich antworten… Habe ich falsch reagiert? Warum ruft er nicht an? Habe ich das in einem komischen Ton gesagt? Habe ich die Kerze ausgeblasen? Was, wenn ich die einzige bin, die niemanden kennt? …
Und obwohl nichts wirklich geschieht, fühlt es sich an, als würde etwas in uns laut werden.
Ich finde das Wort deshalb so passend, weil es zeigt, wie wir manchmal selbst die Zerstörer unserer eigenen Ruhe werden. Nicht absichtlich. Sondern weil Gedanken eine seltsame Macht haben. Unser Gehirn versucht oft, uns zu schützen, vorbereitet zu sein, Kontrolle zu behalten. Doch dabei erschafft es manchmal ganze Konflikte aus Luft.
Vielleicht kennen besonders sensible Menschen dieses Gefühl gut. Dieses endlose Weiterdenken. Das Analysieren von Blicken, Worten und möglichen Bedeutungen. Als würde der Kopf keine Türen haben, die sich einfach schliessen lassen.
Und doch glaube ich, dass in diesem Wort auch etwas Tröstliches steckt. Denn wenn wir erkennen, dass vieles nur in unserem Innern stattfindet, dürfen wir vielleicht lernen, nicht jedem Gedanken sofort Glauben zu schenken. Nicht jede imaginäre Diskussion verdient unsere Energie.
Manchmal ist Frieden nicht das Fehlen von Gedanken, sondern die Entscheidung, ihnen nicht überallhin zu folgen.


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