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to you.

Kopf in den Sand


Natürlich wäre es manchmal viel einfacher, den Kopf in den Sand zu stecken. Nichts mehr zu sehen. Nichts mehr zu hören. Einfach abzutauchen.
Das ist so, wie alles was einen beschäftigt, hier zu lassen und weit weg auf eine Insel mitten im Meer zu fliegen. Weg vom Alltag, weg von alldem, was einen stresst und von alldem, was man am liebsten weg haben möchte.

Nur ist dabei das Problem, dass das nicht funktioniert.
Bloss zieht man den Hals aus dem Sand, sieht man alles unverändert vor sich. Ebenso wenn man wieder auftaucht aus den Tiefen der Wunschträume und der eingebildeten Wahrheit. Irgendwann holt sie einen ein, die Realität, das hat sie sich eben so an sich.

Leider bin ich wohl gerade woanders angestanden, als der liebe Gott uns Menschen diese Fähigkeit des „den Kopf in den Sand steckens“ verteilt hat, denn ich habe irgendwie so gar nichts davon bekommen. Nicht mal ein kleines bisschen.
Bei mir funktioniert es nicht, wegzuschauen, wenn mir etwas nicht passt. Ich nehme da immer den direkten Weg durch das Chaos. Es geht irgendwie nicht anders.

Ich glaube, Themen die uns nicht gefallen, die uns stressen und beelenden, sind Themen, an denen wir besonders viel lernen und an denen wir schlussendlich wachsen. Ausweichen hilft nicht, denn es wird uns begegnen, bis wir es gemeistert haben.
So wie ein Level in einem Spiel. Und dann kommt man, mit neuen Skills und vermutlich auch etwas stärker, ein Level weiter. Neues Level, neues Thema.
Nicht jedes Level ist gleich schwierig. Es gibt solche, die wuppen wir problemlos und hüpfen schnell von Level zu Level. Und dann gibt es solche, die verlangen ganz viel von uns ab und wir spielen es immer wieder durch, bis wir es geschafft haben. Aufgeben funktioniert nicht im Spiel des Lebens, es geht immer weiter. So lange, bis wir es geschafft haben…

Ich bin nun im Level 564 und es ist grad ein anstrengendes. Zum einen muss ich lernen, mich auch mal zu wehren. Nicht einfach zu denken „Ach Scheiss drauf, was solls“. Diesen Teil bin ich fleissig am üben und ich beherrsche den unterdessen ganz gut, finde ich. Wenn mir etwas nicht passt, dann kann ich das sagen. Ich kann auch abschätzen, wann es notwendig ist und wann nicht, denn ich kenne meine Grenzen. Ich finde, wegen jedem Scheiss muss man jetzt auch wirklich kein Fass aufmachen.
Es gibt aber Dinge, die kann man nicht so stehen lassen und dann ist es total okay, das dem Gegenüber so zu sagen. Ich bin sehr empfindlich, wenn ich oder auch andere unfair behandelt werden. Oder wenn es um Beurteilungen oder Unwahrheiten geht. Ich mag das nicht.
Das ist das eine. Das andere – und das ist der viel schwierigere Teil dieser Sache – ist, wie der andere auf diese Rückmeldung dann reagiert. Tatsächlich ist es mir ein-, zweimal passiert, dass mein Feedback bzw. mein Grenzen setzen gar nicht gut angekommen und die andere Person wütend geworden ist. Das ist schwierig auszuhalten, denn in beiden Fällen hat das zu einem Abbruch des Kontaktes geführt.
Schwierig.

Ich hinterfrage diese Situationen sehr, denn ich finde, dass ganz viel Vertrauen dazu gehört, jemandem zu sagen, dass einem etwas nicht gefallen hat, was er oder sie gesagt oder getan hat. Und nicht nur das, sondern auch ganz viel Wertschätzung und Liebe. Würde man seinen Mut zusammen nehmen und jemandem, der einem nichts bedeutet, eine Rückmeldung geben oder einfach denken „Scheiss drauf“, wie oben geschrieben? Eher nicht. Also hatte ich da mit zwei Personen zu tun, die ich sehr gern hatte und von denen ich dachte, dass sie mich auch mögen.
Und wie kann es sein, dass man das jemandem nicht sagen kann? WTF?

Tja nun. Fuck it. War dann wohl nicht so. Und mit dieser am Anfang etwas bitteren Erkenntnis kann ich das dann aber auch wieder so stehen lassen.

Meine Erkenntnis ist es, dass man sich gut überlegen muss, wem man was sagen oder rückmelden kann oder darf. Und auch, dass es aber wirklich wichtig ist, es zu tun und seine eigenen Grenzen genau zu kennen und diese auch zu verteidigen, denn andere Menschen haben andere Grenzen. Und Grenzen sind transparent, also müssen sie kommuniziert werden.
Ich finde auch, dass das Verbreiten von Un- oder Halbwahrheiten eh eines unserer grossen Probleme ist bzw die Wurzel von ganz vielen Problemen. Deswegen ist es mir wichtig, mich dagegen einzusetzen.
Wenn das dann nicht gut ankommt und sich das Gegenüber angegriffen oder verletzt fühlt, dann hat das vermutlich weniger mit mir als mit ihr oder ihm zu tun.
Statt sich aufzuregen ist es besser, es loszulassen. Seine eigenen Anteile versuchen zu sehen und die fremden dort zu lassen, wo sie hingehören.

Ich versuche mir auch bewusst zu sein, dass ich in ganz vielen Situationen aber auch das Gegenüber bin und dass ich Gefühle, die andere bei mir auslösen einzuordnen versuche. Bei mir und nicht bei den andern.
Das ist manchmal ganz schwierig, gerade wenn wir sehr emotional sind. Deswegen bin ich auf niemanden sauer. Das bin ich eigentlich nie, denn ich finde, das ist Kindergarten-Verhalten. Ich versuche zu verstehen und oder loszulassen. Und zu akzeptieren.

Level 564 ist noch nicht geschafft. Ich stecke mittendrin. Momentan versuche ich gerade, ein ganz besondes grosses Hindernis zu nehmen und es tut irgendwie weh, sich dabei immer wieder das Herz an einem Brocken anzustossen.
Aber es wird schon… Ich stecke den Kopf lieber in die Luft als in den Sand, atme tief durch und versuche, das Richtige zu tun.

Level 565 wartet bereits mit neuen Herausforderungen…



5 Antworten zu “Kopf in den Sand”

  1. Da steht nichts was ich nicht unterschreiben würde. Scheinbar Negatives ist eine Voraussetzung, zu lernen. So ist alles positiv und lebensbejahend. Man kann jedes Level schaffen, du kannst das!
    Es macht Mut, das zu lesen.

    Gefällt 1 Person

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