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to you.

Da ist noch Licht


Hast du es schon einmal erlebt, dass du mit jemandem befreundet warst (bzw bist), dem es richtig schlecht geht. Nicht nur einfach schlecht zB. ein bisschen schlechte Laune oder ein wenig down heute, sondern so RICHTIG richtig schlecht, so richtig tief und so richtig dunkel schwarz und zwar für eine unerträglich lange Zeit oder immer wieder? Und es gab oder gibt absolut nichts, was du dagegen tun konntest oder könntest?
Alles was du tun würdest, würde nichts ändern.
Alles, was du nicht tun würdest, aber auch nicht.
Alles was du tun würdest, wäre entweder zu wenig, nicht das Richtige oder too much. Oder gleich alle drei zusammen.

Es gäbe nur schwarz und weiss und absolut gar nichts dazwischen, wobei das vermutlich gar nicht stimmt, denn es gibt kein weiss mehr in diesem Loch. Glaube ich zumindest. Es gibt nur schwarz und schwarz ist dominant, verläuft über all die andern bunten Farben und färbt alles dunkel ein.
Weiss wäre das Licht am Ende des Tunnels. Die Hoffnung. Das Glück. Das Hell im Dunkeln. DU würdest das sehen, die andere Person könnte das aber nicht.

Hast du schon mal jemanden gekannt, der Depressionen hat?
Ich habe in meinem Beruf ein paar Jahre lang mit Menschen gearbeitet, die an psychischen Erkrankungen litten. Depressionen waren da seltener dabei oder sie waren Begleiterscheinungen anderer Krankheiten.
Ich weiss nicht, warum das so war. Ich könnte mir vorstellen, dass depressive Menschen im Akutfall für eine gewisse Zeit auf einen Klinikaufenthalt angewiesen sind oder / und auf eine Intensivierung der Psychotherapie / Medikamente und wenn diese Phase vorbei ist, sie allein wieder allein zurecht kommen. (Müssen.) Deswegen gibts vielleicht weniger depressive Menschen, die fest in einem betreuten Wohnen wohnen.
Vielleicht ist es aber auch gar nicht so, sondern ich habe das einfach in dieser Zeit so erlebt. Ich habe mit anderen Dingen mehr Erfahrung als mit Depressionen, muss ich ehrlich sagen.

Ich erinnere mich sehr gut an einen Jugendlichen, den ich betreut habe, das ist schon einige Jahre her. Er war gerade in den Startlöchern, eine Ausbildung zu machen und wünschte sich das so sehr. Es kamen jedoch immer wieder depressive Episoden dazwischen und wenn ich das so schreibe, klingt es weitaus weniger schlimm als es tatsächlich war.
Schlussendlich wurde aufgrund zu vieler Absenzen die Ausbildung zu unserem Unverständnis leider abgebrochen. Das war auch für ihn ein schlimmer Rückschlag, ein Wegfallen von ganz viel Hoffnung, einer Perspektive und wohl irgendwie auch eines Sinnes für all das. Mit dem Ende der Ausbildung verlor er damals auch den Wohnplatz und zog wieder nach Hause.

Ich habe Menschen in ganz unterschiedlichen Lebenssituationen kennen gelernt, selbstverständlich auch privat, vor allem aber auch beruflich. Irgendwie tun wir das ja alle.
Auch Menschen, die in einer momentanen Lebenssituation nicht gut selbst zurecht kommen und für eine gewisse Zeit oder auch für länger oder immer Unterstützung dabei benötigen. Dafür gibt es ganz viele unterschiedliche Gründe.
Ich würde also von mir behaupten, dass ich viele Menschen in Krisen, in sehr schwierigen Situationen, in sehr schlechten Zuständen und in tiefen Abgründen, wenn man das so sagen darf, gesehen habe. Als Sozialpädagogin sehe ich sie natürlich nicht nur, sondern ich unterstütze sie dabei, darin zurecht zu kommen und wenn möglich eine Veränderung, Fortschritte zu machen. Ich kann mit all dem gut umgehen. Beruflich ist das auch etwas anders als privat, da geht man oftmals anders mit Dingen um und ist weniger emotional oder direkt involviert. Das ist einfacher.

Ich konnte in dieser Zeit aber wesentlich schlechter mit der Situation umgehen als ich es gewohnt bin. Die Depression war ein neueres Thema für mich und es hat mich zutiefst berührt und wirklich auch erschüttert. Diesen Menschen vor mir zu haben, ihn kennen zu lernen, seine Stärken und Möglichkeiten zu sehen. Sein Potential. Ihn in guten Momenten zu erleben, seine Wünsche und Träume und all das Normale halt… Und dann wieder von jetzt auf gleich dieser Absturz in dieses Loch. Es ist immer noch derselbe Mensch und irgendwie doch nicht.
Ja, das ist schwierig auszuhalten. Und es ist nicht möglich, ihn da wieder raus zu holen, wenn man das auch noch so gerne möchte. Wäre schön, wenn das ginge…
Menschen in einer depressiven Phase können einem wohl meistens nicht sagen, was sie brauchen oder wie man sich am besten verhält, denn dann geht für sie gerade gar nichts mehr. Vielleicht können das in besseren Momenten, vielleicht aber auch nicht.
Egal, wie schwierig ICH es in diesem Moment finde, diesen Zustand auszuhalten. Egal, wie viele Sorgen ich mir um diesen Menschen mache, ich muss mir dabei total bewusst sein, dass es NICHT um MEIN Wohlbefinden geht oder um MEIN Unbehagen, um MEINE Unsicherheit, Angst, Unbeholfenheit oder was auch immer. Es geht nicht darum das zu tun, was MIR hilft, mich besser zu fühlen.

Eigentlich finde ich persönlich in dieser Situation etwas vom wichtigsten, all die eben genannten Gefühle auszuhalten und mir bewusst zu sein, dass es in erster Linie um den andern geht und nicht darum, mein eigenes Unwohlsein zu beseitigen. Bzw natürlich wäre auch dies ein Ziel, aber das steht nicht an oberster Stelle.
Jedenfalls ist es nicht das Ziel, dass die Person gegenüber sich besser fühlt, nur damit auch ich mich besser fühle. Dies wäre natürlich dann ein sehr angenehmer Nebeneffekt von einer Verbesserung der Situation.
Gefährlich an dieser Erwartung ist glaube ich der latente Druck auf die andere Person, sich zumindest so zu verhalten, als fühle sie sich besser, damit auch ich mich besser fühle. Das ist total schrecklich und verpufft dazu noch die Energie, die sie für wichtigeres benötigt, ganz besonders im Moment.
Also sind wir in der Situation, so einiges aushalten zu müssen. Zum einen den Zustand dieser Person, die wir mögen und von der wir so gern möchten, dass sie glücklich ist. Zum andern die Tatsache, dass wir an dieser Situation nichts aktiv ändern können. Und dann kommt zum dritten auch noch unsere eigene Befindlichkeit dazu. Dieses Aushalten, eventuell das Vermissen, die Unsicherheit, die Angst um diese Person usw.

Aber was tut man denn, wenn man nichts tun kann?
Ich glaube, was hilft ist vor allem auch Mitgefühl und Verständnis. Klingt einfach, ist es aber nicht, denn eine Depression ist schwer zu verstehen. Finde ich zumindest. Und vielleicht muss man sie nicht mal verstehen bzw noch nie in einer gewesen sein, um verständnisvoll zu sein, respektvoll zu sein. Und einfühlsam. Vielleicht reicht es einfach, nicht zu erwarten, dass der Betroffene mehr tun müsste als er tut, um aus dieser Kriese heraus zu kommen. Vielleicht hilft es einfach, zu wissen, dass er tut was er kann und dass nicht wir den weiteren Verlauf bestimmen können, sondern seine Krankheit / Gesundheit und seine Ressourcen. Es hilft, diese Person ernst zu nehmen, nicht zu werten und nicht zu beurteilen.

Es ist nicht Nichts, was man tun kann, obwohl es sich so anfühlt. Ich glaube halt, dass weniger mehr ist. Es braucht nicht Hektik und Action, Tatendrang und übertriebene Fröhlichkeit, Ablenkung und dauernde Präsenz.
Ich glaube, da sein reicht irgendwie schon. Eventuell kann man bei alltäglichen Dingen behilflich sein, wenn er oder sie das gerade nicht schafft. Einkaufen oder sowas. Und vielleicht kann man dabei unterstützen, eine Therapie zu installieren oder eine bestehende zu kontaktieren.
Ansonsten kann man zB einfach in Kontakt bleiben. Ohne dass man aber erwarten kann, dass der andere das momentan auch tut, denn unter Umständen geht das gerade nicht. Ich könnte mir vorstellen, dass ein Mensch sich in seiner Depression auch sehr isoliert fühlt, dass sie ihn fast verschlingt mit Haut und Haaren. Deswegen glaube ich, es ist gut, wenn er weiss, dass nicht alle Stricke reissen. Dass ausserhalb der Depression noch Menschen da sind, die auch bleiben, egal wie lange es dauert und egal, wie oft sie wiederkehrt.

Ich habe auch die Erfahrung gemacht, dass eine gewisse Routine, also wiederkehrende Dinge, Menschen mit (und ohne) psychische Erkrankungen oft hilft, sich sicherer zu fühlen.
ZB täglich eine kurze Sprachnachricht, einen Brief oder eine Email. Sowas kann man sich anhören oder lesen, wann man will oder wenn man will. Muss nicht gleich sein oder muss überhaupt nicht sein. Aber es ist etwas, was man zur Verfügung stellen kann. Halt mit dem „Risiko“, dass sie vielleicht nicht abgehört oder gelesen werden, oder nicht immer. Aber wie oben geschrieben, es geht ja nicht um MICH dabei. Obwohl es doch auch ganz gut tut, das Gefühl zu haben, man würde etwas tun, das vielleicht ein bisschen helfen könnte im Moment…

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