Irgendwo auf unserer Welt…

Unsere Welt.
Weit mehr als nur ein Planet.
erLebensraum. Unser ganz persönlicher.
Es passiert so vieles. Nicht nur jeden Tag, nein. Und nicht nur mir oder dir. Oder hier.
Milliarden von Menschen, von Tieren. Und noch mehr Milliarden von Ereignissen, Begegnungen, Geschehnissen.
Jede Sekunde. Unzählige Milliarden Dinge zur gleichen Zeit. 24/7.
Die allerwenigsten davon dringen bis zu uns durch, obwohl die Flut an Nachrichten zwischenzeitlich beachtlich gross ist.

Wenn wir wach sind, schläft ein anderer Teil der Welt und umgekehrt. Es vergeht keine millionstelssekunde, ohne dass auf der Erde nicht irgendwer schläft. Oder wach ist.

Es ist nie vollkommen still. Irgendwer macht irgendwas. Zu jeder Zeit. Der zukünftige Ex-Präsident Trump schreibt Quatsch ins Internet, während in China der berühmte Sack Reis umfällt und sich Frau Merkel in Deutschland müde die Schuhe auszieht und sich die Füsse von ihrem Ehegatten massieren lässt. Queen Elizabeth II spielt lachend mit ihren kleinen Corgis, während in Schottland irgendein Tourist Ausschau nach Nessie hält und auf der anderen Seite der Welt jemand nach bunten, wunderschönen Fischen und Korallen taucht.

Kleine Menschen werden geboren, wachsen, lernen und gedeihen. Überall auf der Welt erfreuen sich ihre Eltern und auch andere Menschen an ihnen. Und überall auf der Welt rauben die lieben Kleinen eben jenen Erwachsenen hin und wieder auch den letzten Nerv. Oder den vorletzten.
Menschen freuen sich, sind traurig, wütend, ohnmächtig, glücklich oder fühlen all die andern Gefühle auf der riesigen Palette, die das Mensch-Sein ausmacht.
Menschen werden krank und wieder gesund. Sie machen sich Sorgen, manchmal viel zu viele. Viel zu viele Menschen leiden. Andere sind total sorglos, unbeschwert und leben in den Tag hinein.
Menschen arbeiten. Manche viel, manche zuviel und andere wiederum eher nicht so viel oder gar nichts. Freiwillig oder unfreiwillig.
Sie lieben und hassen. Sie streiten und versöhnen sich wieder, sie schütten einander ihr Herz aus, sie trösten, sie betrügen, lügen. Sie berühren sich, sie verletzen einander, sie streicheln und schlagen und sind einfach so, wie halt Menschen sind.

Menschen helfen und vertrauen einander. Menschen sind neidisch, eifersüchtig und misstrauisch. Sie sind grosszügig und -herzig, liebenswürdig. Sie sind schlau, intelligent, impulsiv, überlegt, launisch und ausgeglichen.
Einige sind wahnsinnig von sich überzeugt, andere genau das Gegenteil.
Es gibt Laute und Leise, gar Stille. Es gibt solche, die viel zu sagen hätten und es nicht tun und solche, die es tun, aber es lieber lassen sollten.

Es gibt zufriedene Menschen und es gibt momentan viele, die sich unfair behandelt fühlen. Vermutlich überall auf der Welt, Schweiz, Deutschland, Österreich. Ungewohnte Situationen verunsichern, denn Menschen möchten frei sein und Menschen möchten in ihrer Routine sein. Jedenfalls die einen. Menschen möchten so leben, wie sie es selbst entscheiden. Sie möchten die eigenen Befürfnisse befriedigen und lieber nicht die der andern oder der Allgemeinheit.

Menschen regen sich auf.
Zu viel und zu oft.
Vielleicht sogar viel mehr als dass sie sich freuen.
Über andere Menschen. Dauernd.
Darüber, dass die Corona-Massnahmen viel zu locker sind. Darüber, dass sie viel zu streng sind. Darüber, dass zu viele Menschen sterben. Darüber, dass andere sich darüber aufregen, dass viele Menschen sterben. Darüber, dass die Krankenhäuser sagen, sie seien überlastet. Darüber, dass einige nicht glauben, dass die Krankenhäuser überlastet sind. Darüber, dass Corona zu ernst genommen wird, obwohl es ja nur eine Grippe sei und darüber, dass einige denken, Corona sei nur eine Grippe und es nicht ernst genug nehmen.
Darüber, dass Massnahmen eingehalten werden und darüber, dass Massnahmen nicht eingehalten werden. Darüber, dass es überhaupt Massnahmen gibt. Und irgendwie rege ich mich darüber auf, dass mir die Extremen, egal auf welche Seite ich schaue, zu laut sind und Menschen auf dem Mittelweg auf den ersten Blick inexistent sind.

Darüber, dass es regnet. Darüber, dass es schneit. Darüber, dass es zu heiss ist. Oder zu kalt. Zu windig, zu trocken, zu nass, zu bewölkt, zu grell. Zu früh, zu spät und überhaupt.
Darüber, dass wieder Montag ist. Ah nein, schon wieder Mittwoch!
Dass die Weihnachtsferien viel zu schnell vorbei waren. Darüber, dass wir arbeiten müssen. Und andere darüber, dass sie nicht arbeiten können.
Die einen darüber, dass sie nicht wissen, wo sie momentan ihr vieles Geld ausgeben können. Andere, weil sie wenig Geld zur Verfügung haben und jeden Rappen umdrehen müssen.
Die einen regen sich über die Nachbarn auf, die andern über unfreundliches Personal in den Läden und noch andere darüber, dass sich andere aufregen.

Menschen regen sich auf und man sollte meinen, sie tun das sehr gerne, so oft wie sie es nämlich tun.

Ich schaue in die Welt hinaus und sehe all das und noch viel mehr. Viel Positives, Schönes. Aber ich sehe zur Zeit auch vieles, was mich nachdenklich stimmt. Viel Missgunst, viel Unzufriedenheit, viel Wut und Frust.
Und eine Situation, die wie geschaffen dafür ist, all das ungefiltert raus zu lassen.

Es ist nicht so, dass ich mich davon ausnehme. Ich bin ja auch ein Mensch. Ich habe auch meine Themen, die mir Sorgen machen, die mich stressen und nerven und über die ich mir viel zu viele Gedanken mache.

Aber ich – und auch ihr alle, denke ich – leben recht gut, auch wenn wir zum Teil unsere Sorgen und Probleme haben.
Das ist ein Glück, dessen wir uns ganz bestimmt nicht immer bewusst sind.

Denn es gibt auch anderes…

Irgendwo auf einer Insel in Griechenland weinen Kinder, weil sie Hunger haben und ihnen kalt ist. Ihre Eltern und Geschwister haben sie vor Monaten zum letzten Mal gesehen. Sie wissen nicht, ob sie noch leben. Schlimmer als Hunger und Kälte ist die Angst.

Momentan sterben viele Menschen bzw mehr als normal. Für viele von uns sind das nur Zahlen. Die Zahlen, die wir jeden Tag in der Zeitung lesen. Die Zahlen, von denen wir langsam genug haben. Zahlen sind abstrakt. Mal 80 in 24 Stunden, mal 125, mal 25. Von Tag zu Tag verschieden. Manche von uns denken, dass das viel ist und manche möchten, dass nicht so viel sterben müssen und denken, wir könnten es verhindern bzw. sollten es zumindest versuchen. Andere denken, dass das okay ist und dass sie sowieso alt waren. Dass wir eh zuviele Menschen auf der Erde sind und dass die Natur das mit der Überbevölkerung nun regelt.
Aber was ist, wenn man nicht die Zahlen anschaut, sondern die Menschen und Schicksale dahinter? Die Menschen, die ihr Leben verlieren? Und die Menschen, die trauern?

Irgendwo nimmt sich ein Familienvater das Leben und hinerlässt Frau und Kinder…
Irgendwo verliert ein Vater von drei Kindern seinen Job und weiss nicht mehr, wie er die Wohnung und die Rechnungen bezahlen soll…
Irgendwo fährt eine Frau mit ihrem Auto, schon fast zu Hause. Sie weicht einem Hund aus, der auf die Fahrbahn rennt und übersieht dabei eine Fussgängerin, welche ein paar Minuten später noch auf dem Unfallort stirbt…
Einer anderen Autofahrerin, irgendwo anders, rennt ein Kind vors Auto. Sie hat es nicht gesehen, es kam hinter einem Gebüsch hervor, dem Ball hinternach, es ging alles zu schnell, sie konnte nicht mehr rechtzeitig bremsen…
Irgendwo verkriecht sich eine depressive junge Frau in ihren vier Wänden. Ihrer täglichen Routine kann sie wegen den Corona-Massnhmen nicht nachgehen, es geht ihr schlecht und sie ist allein. Sie weint stundenlang und schneidet sich die Haut an den Armen auf…
Irgendwo muss eine Frau ins Krankenhaus, weil sie sehr krank ist und stirbt ein paar Tage später. Sie hinterlässt einen Ehemann und einen kleinen Sohn…
Irgendwo auf der Welt bebt die Erde. Viele, viele Menschen verlieren ihr Zuhause und alles was sie haben. Zum Teil werden Familienangehörige nicht mehr gefunden unter den Trümmern…
Irgendwo ist seit 6 Jahren ein Mädchen verschwunden. Seine Eltern leiden nach wie vor jeden Tag. Sie vermissen. Sie machen sich unendlich viele Sorgen…
Irgendwo ist seit 6 Jahren ein Mädchen verschwunden. Es wurde entführt. Seine Leiche liegt in einer Höhle im Wald. Es wird noch sehr viel Zeit vergehen, bis sie gefunden wird.
Irgendwo ist seit 6 Jahren ein Mädchen verschwunden. Es ist bei fremden Menschen, die ihm schlimme Dinge antun…
Irgendwo wird ein kleiner Junge vom elektrischen Garagentor erfasst und erleidet schlimmste Verletzungen. Er liegt auf der Intensivstation. Sein Gehirn wird bleibende Schäden davontragen…
Irgendwo stürzt ein sportlicher junger Mann beim Downhill Biken ganz blöd und ist danach Tetraplegiker…
Irgendwo wird eine Frau von einem fremden Mann vom Fahrrad gerissen und vergewaltigt. Sie erleidet bleibende Verletzungen. Körperlich und seelisch…
Irgendwo spürt eine schwangere Frau, wie sie stark blutet und ihr ungeborenes Baby verliert…
Irgendwo brennt ein Bauernhaus lichterloh. Menschen verbrennen keine, aber die Tiere konnten nicht mehr gerettet werden…

Ununterbrochen geschehen solch traurigen Dinge, von denen ich mich frage, wie ein Mensch sie überhaupt ertragen und überleben kann.
Und noch viel mehr, warum ein Mensch so etwas überhaupt erleben muss… Antworten gibt es, wie so oft, keine.

Und wenn so ein Ereignis mich streift und sei es auch nur entfernt, dann schüttelt es mich durch und ich besinne mich ganz fest auf mich selbst und bin mir sehr, sehr bewusst, wie viel ich habe und wie glücklich ich bin. Und soooo dankbar.
Und ich glaube, ganz viele Menschen, denen es gut geht, sollten das auch tun.

Mein Herz ist momentan ganz besonders dort, wo Menschen sehr traurige Ereignisse erleben müssen.

1 Comment

  1. Da ich selbst auch schon mal so einen traurigen Moment hatte und auf einer Brücke stand, von der ich mich runterstürzen wollte, kann ich diesen Text nur zu 100% unterschreiben. Du schreibst mir damit gerade aus der Seele… Danke dafür!

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