Stark sein

Stark sein bedeutet nicht, nie zu fallen.
Nie zu verzweifeln.
Nie zu weinen oder wütend zu sein.
Es bedeutet nicht, auch mal aufzugeben, zu scheitern, alles hinzuschmeissen.
Stark sein bedeutet nicht, immer über allem zu stehen.
Stark sein bedeutet nicht, überall von mir und meinen Vorzügen sprechen zu müssen / wollen.

Stark sein bedeutet für mich, zu meinen schwachen Momenten zu stehen. Ihnen nicht auszuweichen, sondern sie zu durchleben. Mich nicht zu schämen, wenn ich weine oder verheult aussehe und es jemand sieht. Es bedeutet, auch die unangenehmen Situationen und Gefühle anzuerkennen und irgendwie auszuhalten. Egal ob bei mir selbst oder bei anderen.

Stark zu sein bedeutet, meine Grenzen gut zu kennen. Und mich selbst auch. Meine Stärken zu kennen und zu wissen, dass die mir wichtigen Menschen diese auch sehen und schätzen werden, ohne dass ich ihnen davon erzähle. Sondern sie sie erleben lasse in meinem normalen Verhalten und Umgang mit Menschen, Tieren und Dingen.

Stark sein bedeutet für mich, mich wenn es sein muss aus dem freien Fall heraus selbst aufzufangen. Entgegen gestreckte Hände zu fassen und mir helfen zu lassen. Wenn nötig auch Hilfe zu organisieren.

Stark sein ist für mich auch, nicht nur die Probleme und Schwierigkeiten zu sehen, sondern (irgendwann auch wieder) die Lösungen.

Es bedeutet für mich, vorwärts zu schauen. Aber auch zurück schauen zu können, ohne Angst zu haben.

Stark sein bedeutet für mich, wenn ich wieder kann, aufzustehen und alles wieder neu zu ordnen. Das Beste daraus zu machen und mir wieder positive Augenblicke zu schaffen. Und zwar immer mehr und mehr. Und Sicherheiten.

Auch der Glauben an das Gute und dass alles gut wird, ist für mich ein Zeichen von innerer Stärke.
Stark sein bedeutet, sich selbst zu sein ohne andere mit mir vergleichen oder sie be- und verurteilen zu müssen. DAS zeugt für mich sogar von sehr grosser Stärke, muss ich sagen. Mich beeindruckt es auch, wenn Menschen so sind.

Stark sein bedeutet für mich, da zu sein für die Menschen, mit denen mich irgendein Band verbindet. Zuverlässig zu sein. Und wenn das gerade aus irgendwelchen Gründen nicht geht, dann bedeutet stark sein für mich auch ehrlich sein, transparent sein.
Stark sein hat für mich viel zu tun mit authentisch sein.

Ich finde, es zeugt auch von Stärke, einen gesunden Menschenverstand zu haben. Wenn man sich nicht irgendwelchen Extremistengruppierungen anhängen muss und wenn man sich von Menschen, die anders sind, sei es Hautfarbe, Religion, sexuelle Gesinnung oder was auch immer, nicht bedroht fühlt.

Ich weiss nicht, ob man sagen kann, es gäbe starke und schwache Menschen. Vermutlich sind wir alle stark und zwar genau unseren Möglichkeiten und unserer Situation entsprechend. Jeder trägt einen Rucksack und keiner der anderen weiss, wie schwer meiner oder deiner ist und was da alles noch dran hängt. Muss ja schlussendlich auch nicht jeder wissen.